Beiträge vom Januar, 2009

Polt kommt!

Samstag, 31. Januar 2009 13:18

Das unpackbare „Longline“ zur Einstimmung auf den Besuch des Autors, Kabarettisten und Filmemachers Gerhard Polt in Wien (heute und morgen im Burgtheater, und montags in der Ottakringer Brauerei).
Und hier noch ein Interview, das Denis Scheck anlässlich des Erscheinens des Buchs „Drecksbagage“ mit dem großen Polt geführt hat.

Wenn schon resignieren, dann vital: Man geht ins Wirtshaus, trinkt a guats Bier und isst a guats Schnitzel.

Thema: Allgemein, Film, Literatur, Politik | Kommentare (0) | Autor:

Old kids

Donnerstag, 29. Januar 2009 0:35

illu-crying-babyAls ob ich das wissen wollte: Herr Blumenau mag Herrn Fluch nicht – und vice versa. Das teilen uns die beiden sehr bekannten Musikjournalisten also mit (hier und hier). Nun gut. Nun wissen wir’s.

Angefacht hat die untergriffige Posse Martin Blumenau. Auf seinem FM4-Blog identifiziert er den Standard-Kollegen quasi als das personifizierte Versagen der Print-Pop-(Konzert)-Kritik, ein Versagen, das er in einem „ererbten und unhinterfragten Verzichten auf Kontext, Realität und Verknüpfung“ ortet. Außerdem habe der Herr Kollege „merklich keine Lust, sich mit dem, was er da beschreibt, zu beschäftigen„. Was Wunder, treibe er sich doch „muffig in der letzten Reihe, oder gar in engerem Kontakt mit der Bar“ herum, sodass er nicht „das zentrale Idiom von Pop: den Funken“ mitbekomme.

Der von Blumenau überdies als „Lachnummer“ und „Nestroysche Beamtenfigur“ titulierte Karl Fluch steigt daraufhin in den Ring und sendet einige links-rechts-Kombinationen in des Kollegen Gemächt: Ein „Gutteil aller Texte“ auf Blumenaus-Blog komme daher „wie hoppertatschige Erlebnisaufsätze, insbesondere die so genannten Rezensionen, in denen Sätze wie dieser zu finden sind: „Ein Lied folgte auf das nächste.“ Bei einem Konzert? Echt? Wer hätte das gedacht!

Und so weiter (hier) und so fort (hier) …

Ein Poster (Pseudonym „Sackbauerkarli„) brachte es auf den Punkt:

Kurzfassung
B: ich mag dich nicht
F: ich mag dich auch nicht
B: a bissi mag ich dich schon, aber nur ganz a bissi
F: halts maul!

Kindischer geht’s wohl nimmer!

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Galeano und die toten Juden

Donnerstag, 22. Januar 2009 21:47

Eduardo Galeano ist ein angesehener Mann. Der Journalist und Schriftsteller, mit uruguayanischem Pass, wurde zur Ikone der Linken, nachdem im Jahre 1971 sein anti-kolonialistisches Werk, Die offenen Adern Lateinamerikas, veröffentlicht worden war.

Eduardo Galeano ist ein kämpferischer Mann. Von der Militärjunta ins spanische Exil getrieben, hat der mittlerweile wieder in Uruquay lebende Autor immer wieder Bücher publiziert und seine Artikel und Kommentare werden von linken US-amerikanischen und britischen Publikationen, wie The Progressive, The Nation oder New Internationalist, aber auch etwa von der deutschen TAZ, gerne gedruckt.

Über einen TAZ-Blog ist sein jüngster Text, der auf einer uruquayanischen Website veröffentlich wurde, zugänglich (hier die deutsche Übersetzung), ein Kommentar, der sich mit dem Krieg Israels gegen die Hamas beschäftigt, und den Galeano, wie er am Ende anmerkt, seinen „jüdischen Freunden, die von durch Israel beratenen lateinamerikanischen Diktaturen ermordet wurden„, widmet.

Dieser Kommentar, der auf dem TAZ-Blog unkommentiert blieb, ist ein perfides anti-israelisches Pamphlet (Galeano bezeichnet das Vorgehen der israelischen Armee gegen die Hamas als „Ausrottungskrieg„, als „Operation ethnischer Säuberung„), in dem Israel und die USA („Obermacher-Weltmacht„) für alle Übel dieser Welt verantwortlich gemacht und, der abstrusen Argumentation folgerichtig, die Palästinenser zu Widerstandskämpfer und Opfer des „israelischen Staatsterrorismus“ stilisiert werden.

Über jemanden, der den islamistischen Selbstmord- und Raketenterror als Manifestation der „Verzweiflung“ bezeichnet und damit legitimiert, der überall die „Manipulationsmassenmedien“ am Werk sieht und der überdies noch die Schamlosigkeit besitzt, dieses Machwerk toten Juden zu widmen, bräuchte man keine Worte mehr verlieren. Wer so argumentiert, nimmt sich selbst aus einer ernsthaften politischen Debatte.

Doch Galeano ist kein namenloser Spinner, sondern ein linker Strahlemann, und, ich fürchte, seine Positionen werden von vielen globalisierungskritischen Linken und Friedensbewegten (hier ein Beispiel) geteilt – wenn nicht gar von einer Mehrheit. Deshalb muss man sich mit den Galeanos dieser Welt und mit ihren grauenhaften Ansichten auseinandersetzen. Ihr dualistisches Weltbild kennt nur abgrundtief böse Täter und absolut unschuldige Opfer, in deren Namen sie ihre Glaubenssätze selbstgerecht absondern. Um diesem Blendwerk, das sie über alle Konflikte und Auseinandersetzungen stülpen, zu entsprechen, müssen die Verbrechen und Unmenschlichkeiten, die von den Unterdrückten dieser Erde begangen werden, ebenso geleugnet werden wie alle fortschrittlichen Forderungen und Handlungen der Unterdrücker.

Im Grunde sind die Galeanos dieser Welt Gläubige, säkularisierte zwar, aber ihren frommen Brüdern und Schwestern wesensgleich, anerkennt doch beider Denken nur eine einzige Wahrheit, die absolute nämlich.

Thema: Allgemein, Geschichte, Literatur, Politik | Kommentare (0) | Autor:

Es darf gelacht werden!

Donnerstag, 15. Januar 2009 23:17

David Cerny, ein in Prag lebender Künstler, hat im Auftrag der Regierung der Tschechischen Republik, die unter dem Motto „Europa ohne Grenzen“ bis Ende Juni die EU-Ratspräsidentschaft innehaben wird, gemeinsam mit Künstlern aus allen EU-Mitgliedstaaten eine 10×10 Meter große Installation mit dem Titel „Entropa“ geschaffen, die am EU-Ratsgebäude in Brüssel angebracht ist und am 15. Jänner offziell vorgestellt wurde.

Das Kunstwerk sorgt jetzt bei tschechischen Regierungsmitgliedern und bei Politikern und Funktionären aus anderen Ländern der Europäischen Union für beträchtliche Aufregung. Die 27 Künstler gibt’s nämlich nicht, die 27 sind ?erný und seine Mitarbeiter. Im Katalog zur Installation finden sich fiktive Biografien oder solche von existierenden Künstlern, die aber nichts davon wussten.

Freilich, den Fake würde man ?erný nachsehen. Aber worüber die politischen Eliten not amused sind, sind die satirischen Darstellungen der Mitgliedstaaten. Der tschechische Europaminister hat sich bereits „schockiert“ gezeigt und bei der bulgarischen Regierung, die sich am Lautesten echauffierte, entschuldigt, und angemerkt, falls Bulgarien es wünsche, werde man die „türkische Toilette“ (sic!) unverzüglich entfernen. Der Minister hat sich auch gleich präventiv bei allen anderen Regierungen entschuldigt, und ich fürchte, diese werden aus Angst vor den humorlosen Patrioten-Idioten, die’s ja in allen Ländern gibt, ihren diplomatischen Unmut auch noch artikulieren.

Besonders witzig finde ich die Darstellung Englands. England glänzt nämlich durch Abwesenheit, dort, wo die Insel sein sollte, ist einfach nichts.

Bevor die Fun-Installation, die sich mit Klischees und Vorurteilen beschäftigt, abgehängt wird, hier einige Fotos.

Thema: Allgemein, Fotografie, Politik | Kommentare (0) | Autor:

Der Unterschied

Mittwoch, 14. Januar 2009 23:39

Nun wusste man, dass der Antisemitismus in Europa nicht verschwunden ist. Aber was sich gegenwärtig an antisemitischen Demonstrationen und Ausschreitungen abspielt, hätte man nicht für möglich gehalten. Und womit beschäftigen sich die meisten Kommentare in den deutschsprachigen Medien? Mit der so genannten „Verhältnismäßigkeit“ der israelischen Antwort auf die islamistischen Bombenwerfer.

Gäbe es nicht auch noch andere Stimmen, man müsste irre werden. Eine davon gehört dem Journalisten Christian Ortner, der seinen wichtigen Kommentar (Die Presse vom 9. Jänner 2009) mit dem Satz beendet:

Nicht Israels Gegenwehr ist unverhältnismäßig, sondern die Kritik an dieser Gegenwehr ist es.

Passend dazu auch der folgende Cartoon:

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Einige Blogs, die einen nicht völlig verzweifeln lassen, habe ich meiner Blogroll hinzugefügt.

Thema: Allgemein, Geschichte, Politik | Kommentare (1) | Autor:

Todesstrafe in den USA

Dienstag, 13. Januar 2009 1:02

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Wenn ein schreckliches Verbrechen begangen wurde, wollten wir, dass die Polizei den Kerl erwischt, ihn einsperrt, und – wen das Verbrechen schwer war – auf den elektrischen Stuhl schickt. Das hielten wir für besser. Dann waren wir zufrieden.„(George Ryan, Gouverneur des Bundesstaates Illinois von 1999 bis 2003)

Mit diesen Worten beschreibt der Republikaner George Ryan die Denkungsart der Mehrheit der Leute aus seinem Heimatort Kankakee, rund 80 km südwestlich von Chicago gelegen, eine Denkungsart, die auch die seine war, beinahe ein Leben lang. Doch kurz vor Ablauf seiner Amtszeit muss er darüber entscheiden, ob die Todesurteile gegen 171 Häftlinge, die in den Todeszellen der Gefängnisse von Illinois seit vielen Jahren auf ihre Hinrichtung warten, aufgehoben und in „lebenslänglich“ umgewandelt werden sollen.

Der jahrzehntelange Befürworter der Todesstrafe wird zum entschiedenen Gegner des staatlich sanktionierten Mordes. Die Nachforschungen junger Journalismusstudenten, die einzelne Fälle untersucht haben, konnten ihn davon überzeugen, dass viele Todesurteile auf Grund von Folter, Beweisfälschung und Ergebnisdruck der Ermittlungsbehörden zustande gekommen waren.

Der Dokumentarfilm „Deadline“ von Kathy Chevigny und Kirsten Johnson, im Jahre 2004 beim Sundance Film Festival für den Grossen Preis nominiert, nimmt diesen Fall zum Anlass, um das US-amerikanische Justizsystem (siehe auch hier) radikal in Frage zu stellen. Die zentrale Message des Filmes manifestiert sich im folgenden Statement des Juristen und Gründers der „Equal Justice Initiative of Alabama„, Bryan Stevenson:

Den Anstand einer Gesellschaft bewertet man nicht anhand der Art wie sie ihre Reichen behandelt oder ihre allseits Beliebten. Man bekommt keine Punkte, wenn man diese Menschen fair oder verantwortungsvoll behandelt. Man bewertet auch nicht die Verbindlichkeit des Gesetzes anhand seiner Anwendung gegenüber jenen, die man sowieso immer unterstützt. Man bewertet nicht die Integrität einer Gesellschaft anhand der Art wie sie mit ihren Mächtigen umgeht. Die Integrität einer Gesellschaft, ihren Anstand und wie sie zum Gesetz steht, bewertet man anhand der Art wie sie die Leute behandelt, die sie hasst.

Seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA im Jahre 1976 sind bisher 1136 Menschen hingerichtet worden (allein in Texas 423 und in Virginia 103), und über 3300 Menschen warten in den so genannten Todeszellen auf ihre Hinrichtung oder Begnadigung.

Die Doku ist hier auf ARTE+7 noch einige Tage zu sehen, und wird überdies am 18. Jänner um 01.50 auf ARTE nochmals ausgestrahlt.

Und hier noch ein Videovortrag von Stevenson zur Rassen- und Klassenjustiz in den USA.

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Journalismus und Krieg

Freitag, 9. Januar 2009 20:15

friedenstaubeIm Lichte der jüngsten Eskalation im Nahen-Osten ist ein anderer Konfliktherd aus dem medialen Blitzlichtgewitter verschwunden: Der Kaukasus-Konflikt, der im August des letzten Jahres zu einer offenen kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Georgien und Russland geführt hat.

Während für die beiden Philosophen und Essayisten André Glucksmann und Bernard-Henri Levy der Hauptschuldige des Konflikts sofort feststand, nämlich Russland und Putin, was sie in einem wütenden Manifest („SOS Georgien? SOS Europa!„) unmittelbar nach Kriegsbeginn in der französischen Tageszeitung „Liberation“ zu verkünden wussten (hier die deutsche Übersetzung), in dem sie vor allem die ihrer Meinung nach feige und zögerliche Haltung der Europäischen Union gegenüber Russland massiv kritisierten, hat ein anderer Literat und Journalist, einer, der zur Zeit der Kämpfe in der Region weilte und sich somit vor Ort ein Bild zu machen versuchte, nicht in das anti-russische Vorverurteilungsgebrüll seiner Kollegen eingestimmt. Jonathan Littell, Autor des Jahrhundertwerks „Die Wohlgesinnten„, hat einen kurzen Text verfasst, der als „Georgisches Reisetagebuch“ im Berlin-Verlag erschienen ist, in dem er vor allem eines klar legt: Die Schwierigkeit des journalistischen Augenzeugen sich Klarheit und Übersicht zu verschaffen, und die Unmöglichkeit Fakten als solche überhaupt zu erkennen und zu ordnen.

Littell hat folglich nicht herausgefunden, wer denn nun der Täter und wer das Opfer war. Er lässt viele Vertreter der unterschiedlichen Konfliktparteien zu Wort kommen, die uns, den Leser, die jeweilige Sicht auf den Konflikt nahebringen. Was sich als Faktum behauptet in den Erzählungen der Befragten, entpuppt sich bei näherer Recherche zumeist als Gerücht, als von dritten gehörte Erzählung.

In diesem Kontext findet Kriegsberichterstattung immer statt. Sie ist zumeist ein Gebräu aus vorgefassten Meinungen und aufgeschnappten Gerüchten. Sie ist in diesem Sinne parteiisches Manifest wie jenes von Glucksmann und Levy. Littells Verdienst besteht darin, diesen Kontext erhellt zu haben.

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