Beiträge vom Dezember, 2008

Solidarität mit Israel

Dienstag, 30. Dezember 2008 22:54

Laut Informationen des iraelischen Außenministeriums (veröffentlicht auf der Website der Israelitischen Kultusgemeinde) sind im Jahr 2008 rund 2.900 Raketen und Mörsergranaten auf israelischem Territorium eingeschlagen. Und zwischen dem 4. November und dem 22. Dezember 2008 waren es 225 Raketen und 154 Mörsergranaten, die aus dem Gaza-Streifen abgeschossen wurden.

Gegen den Terror dieses Pseudo-Waffenstillstands, der überdies von den Hamas-Terroristen vor Weihnachten auch offiziell für beendet erklärt wurde, geht die israelische Regierung seit einigen Tagen militärisch vor. Dass bei den Angriffen gegen die Infrastruktur der Islamisten im Gaza-Streifen auch Zivilisten ums Leben kommen, ist deshalb unvermeidbar, weil die Hamas, die den Gaza-Streifen seit ihrem Wahlerfolg im Jahre 2007 kontrolliert, ganz bewusst Raketenabschussanlagen zwischen Wohnhäusern errichtet hat.

Auf diesen verbrecherischen Zynismus der Hamas hat der Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs in seiner heute veröffentlichten Solidaritätserklärung mit Israel hingewiesen.

Israel hatte keine andere Option, als die offene Konfrontation mit der Hamas zu suchen. Hoffen wir, dass die Islamisten, wenn schon nicht besiegt, dann doch so geschwächt werden, dass sie den moralischen Sieg, den sie in weiten Teilen der Welt davon tragen werden, nicht nutzen können. Hoffen wir, dass die Hamas am Boden liegen wird.

Thema: Allgemein, Geschichte, Politik | Kommentare (1) | Autor:

Thurnher und das Web

Donnerstag, 18. Dezember 2008 20:24

Vor einigen Jahren fand im Museumsquartier eine Podiumsdiskussion statt. Irgendwie ging’s um neue Medien und Internet, ich kann mich nicht mehr so genau ans Thema erinnern. In Erinnerung blieb mir allerdings der verbale Schlagabtausch zwischen Franz Manola, damals für ORF.at verantwortlich, und Armin Thurnher, damals wie heute Chefredakteur beim Falter. Manola pries die Blogosphäre, sprach von der Macht einzelner Blogger in den USA, und vertrat die Ansicht, Karl Kraus wäre, wenn es ihn denn heutzutage noch gäbe, mit seiner „Fackel“ im Netz.

Thurnher hielt dagegen, Karl Kraus sei der exemplarische Antipode zu den Bloggern. Er sei doch ein Genauigkeitsfanatiker gewesen, der seine Nächte in der Druckerei verbracht und den Setzer zur Verzweiflung gebracht habe, weil ihm ein falsch gesetzter Beistrich genauso so getroffen habe, wie der Verlust eines ganzen Buchmanuskripts. Für Kraus sei eben die Form die Sache gewesen, ein wesentlicher Aspekt, der sich in der Idee des Qualitätsjournalismus widerspiegle. Den Webloggern sei diese Idee allerdings völlig fremd.

Im Lichte dessen ist Armin Thurnhers jüngster Kommentar im Falter mit dem Titel „Warum ich mich weigere, das Internet als Medium wirklich ernst zu nehmen“ nur folgerichtig. (Folgerichtig steht der Kommentar auch nicht im Web.)

Einer der wichtigsten Printjournalisten des Landes hat ein trotziges Anti-Internet-Manifest geschrieben, eine kulturpessimistische Klage gegen das Netz der Netze, das er vor allem als „Kombination von egomanischen Ich-AGs der Blogosphäre mit hemmungslosen Diensteleistern (von Pornoindustrie bis Glückspiel) und Massen von habituellen Selbstvermummern“ zu beschreiben versucht. Nicht nur das Urheberrecht gehe vor die Hunde, sondern auch die vom Bürgertum erkämpfte Freiheit, sich „als Personen offen mit ihrer Identität zu ihren Grundsätzen und Äußerungen (zu) bekennen„, weil „Myriaden von Postern (…) die sich nicht aus der Deckung zu wagen brauchen und hinter Pseudonymen verstecken können„.

Als Beleg für die feigen Poster führt er an, dass alle Internet-Foren heimischer Massenmedien nach Haiders Tod geschlossen werden mussten, weil die anonymen Poster „nicht an sich halten konnten„.

Während ich das schreibe, denke ich, schau’ doch kurz auf Blumenaus FM4-Blog vorbei, der hat sicher schon was dazu geschrieben … Hat er (hier), und für ihn klingt Thurnhers Text „wie die Resolution der Protestversammlung der Kutscher gegen die nahende Dampfeisenbahn„.

Sein Fazit:

Thurnher nennt die Blogs „egomanische Ich-AGs“, ich nenne sie klassisches Geschichtenerzählen, das jedermann zugängliche Äquivalent zum Autoren-Kino. Diese Themenstellung benötigt nichts außer einer plastischen Beschreibung von Erlebtem und der offenen Zurschaustellung von Gedanken.

That’s it, und ob Karl Kraus Blogger gewesen wäre, weiß ich nicht, großes Autorenkino war er aber in jedem Fall. Und übrigens: Die „Fackel“ hängt als digitale Version im Netz. Hier registrieren, und los geht’s.

Thema: Allgemein, Literatur, Politik | Kommentare (4) | Autor:

Internet 2020

Mittwoch, 17. Dezember 2008 0:15

Vor rund zwei Jahren klopfte er an meiner Türe und sollte mir im danach folgenden Gespräch vom Internet im Weltall und von der IMAX-Technikshow mit Liveschaltung nach Stanford, New York und Tokio erzählen, „eine Sache, an der die Amerikaner längst arbeiten„, wie er betonte, und die er in Wien möglichst schnell realisieren wollte.

T. ist ein digitaler Freak, von dem ich, sobald er zu sprechen beginnt, vor allem deshalb so fasziniert bin, weil er ein Bessessener ist, ein Spinner im besten Sinne – und seinen Ausführungen zu folgen, ist Schwerstarbeit. Er trägt seine Argumente rasend schnell und rhetorisch brillant vor, und schafft es spielend, trotz ständiger Abweichungen vom urspünglichen Thema, zu diesem wieder zurückzukehren. Zugleich habe ich dabei immer den Eindruck, dass T. eigentlich schon längst wieder ganz wo anders ist.

Professor für theoretische Physik oder Informatik, vielleicht auch Mathematiker, Spieltheoretiker – in diese Richtung dachte ich. „Wissen Sie, zurzeit lebe ich in Scheidung und habe keinen Job. Die Frau will Geld, das ich nicht habe„, erzählte er mir, so ganz nebenbei, nach dem dritten oder vierten Besuch, ohne in Larmoyanz zu verfallen, sah er doch schon die Lösung für seine familiären Troubles: „Nächste Woche bin ich in San Francisco, mal schauen, was die Burschen so treiben!“ Er meinte damit Silicon Valley, wo er vor einigen Jahren bei einer Internetfirma gearbeitet hatte. Es sollte dann aber doch nichts werden, weil er, wie er mir telefonisch mitteilte, einen Job bei einer Überwachungsfirma angenommen hat, um die Alimente bezahlen zu können. Kaufhausüberwachung im Süden von Wien, den Rucksack gefüllt mit Büchern und Notizheften.

Seither ruft er zwei- bis dreimal die Woche an, ganz kurze Anrufe, in denen er mir mitteilt, was er gerade liest (meistens höhere Mathematik etc.). Wie Twitter-Einträge kommt das rüber.

An T. musste ich denken, als ich auf eine Online-Umfrage stieß, die von ZEIT-Online im Mai 2007 (!) durchgeführt wurde. UserInnen wurden aufgefordert, ihre Visionen zum Internet im Jahre 2020 zu beschreiben. 102 UserInnen haben ihre Zukunftsprognosen übermittelt. Wiewohl solche Prognosen selbstverständlich reiner Holler sind, sind sie lustig zu lesen und geben überdies Auskunft über die UserInnen selbst.

Im Folgenden eine kleine Auswahl der Beiträge von Technikfreaks, Verschwörungstheoretikern, Apokalyptikern, Spinnern, Träumern, Realisten, Futurologen, Soziologen, Esoterikern und Kulturpessimisten – um eine kleine Typologie der Kommentarschreiber vorzunehmen. (Wer alle Kommentare lesen möchte, der klicke hier):

Der Mensch wird sich mehr denn je nach einer Kommunikation ohne technische Hilfsmittel sehnen …

Zugang zu Informationen bleibt den Wohlhabenden vorbehalten. Die Milliardäre bestimmen, was im Netz veröffentlicht werden darf. Nach außen wird eine heile Welt suggeriert und die Leute in der Arbeitswelt schlucken Antidepressiva …

In der herkömmlichen Brille ist ein Galileo Positionserkennungssystem enthalten, das dem Nutzer bei dem Blick auf ein Objekt sofort Informationen in der Brille über jede Sehenswürdigkeit, Restaurant, Diskothek sowie User-Bewertungen, Öffnungszeiten, aktuelle Prospekte des Geschäfts usw. anzeigt. … Vom User unbemerkt, werden durch die Brille regelmäßige Scans der Personen in der Umgebung durchgeführt und mit einer Datenbank des BKA abgeglichen. Durchschnittlich wird jede Person ca. 1000 mal am Tag gescannt.

Im Jahr 2020 wird das Netz aus dem Computer gegangen sein. Stattdessen wird Usern ein kleiner Chip in der Fußsohle eingepflanzt. Über die menschlichen Nervenbahnen werden nun die Gedanken online zu Metazentren geschickt, wo ein anderer User auf Wunsch durch die Augen eines anderen Users live sich an irgendeinem Platz der Welt einlinken kann und dort die Geschehnisse live verfolgen kann …

Jeder PC mit Webcam/Mikrophon/Personenscanner und Dauer-Anti-Terror-Kontrolle. Ausschalten strafbar! Die großen Medienkonzerne haben nun auch die Meinungsbildung im Internet unter ihrer Kontrolle, Werbung überall. Es herrscht eine lückenlose Datenüberwachung durch den Staat, Anonymität wird verboten. Konzerne wie Google und westliche Wertvorstellungen bestimmen die Zensur …

PC, Internet, TV und Telefon sind endgültig verschmolzen und mobil. Geräte in der Größe eines heutigen Handys sind Beamer und Laser-Keyboard …

Wie nie zuvor ist vor allem im Netz die Kontinuität von Vergangenheit und Zukunft gebrochen. Wir können nur sicher sein, dass wir nicht sicher sein können, ob irgendwas von dem, was wir als vergangen erinnern, in der Zukunft so bleiben wird, wie es war …

Nach der Verbannung der Pornografie aus dem Internet im Jahr 2016 verliert die Menschheit schlagartig das Interesse an der virtuellen Welt und wandert mehr und mehr ab. Schließlich existiert online nur noch eine einzige, letzte Seite: www.bringtdiePornographiezurück.com …

Gegenwärtig können nur kleine Bausteine der Natur teleportiert werden. Woran man nicht denkt, aber was allmählich zur Realität wird, ist der fortschreitende zur Teleportation der Menschen führende Prozess. Die zweite Realität, die Kopie unserer Welt, die in Form von Bildern auf den Servern hochgeladen wird, wird den Zugriff zu jedem Ort auf unserer Welt ermöglichen. Es reicht nur eine Brille aufzusetzen, um das Korallenriff oder wilde Natur eines Urwaldes zu bewundern …

Das Internet wird eines Tages in Verbindung mit Neurochips erlauben, sämtliche Informationen direkt ins Hirn zu laden (ähnlich, wie in Matrix, wobei das Internet selber der Operator sei) – entscheidend ist nur der Speicherplatz der Chips: Wissen wird also nicht durch Lernen vermittelt werden, sondern per Knopfdruck.

Realität und Virtualität verschmelzen. Wir tragen Cyberbrillen, über die wir jederzeit Informationen aus dem Web zu jedem Ort, jedem Gegenstand, jeder Person abrufen können. Wie heißt die nette junge Dame auf der anderen Straßenseite? Sie ist Single? Was sind ihre Hobbys und Leidenschaften, ich möchte sie ansprechen! …

2 Online-Welten: Eine Business (sauber, sicher aber teuer und total überwacht), der andere Rest (frei, billig aber unsicher und voll mit digitalem Müll).

Wir werden kybernetische Organismen sein die direkt von Hirn zu Hirn miteinander kommunizieren können. Das Hirn wird Server, Client, Protokoll und Benutzerschnittstelle in einem sein. Die 3D Bilder entstehen in unserem Kopf, wie ein gesteuerter Traum.

Und das hätte T. antworten können:

Internet 2020 – global für alle Menschen verfügbar, außerdem verlinkt mit Mond- und Orbitalstationen. Zugang über externe Geräte (Bildschirme) ebenso möglich wie über Körper-Implantate. Man kann via interaktiver Simulation alles lernen, das macht herkömmliche Bildungswege überflüssig …

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Qualität im Fernsehen

Mittwoch, 10. Dezember 2008 23:05

Gestern hat der ORF seinen „Public Value Report“ vorgestellt. Die Hochglanzbroschüre soll die Existenz des ORF als auch durch Programmentgelte finanzierte öffentlich-rechtliche Anstalt legitimieren. ORF-Mitarbeiter präsentieren all jene Sendungen seit 2007, die einen „öffentlich-rechtlichen Mehrwert“ haben.

Wie eine den Werten der Aufklärung verpflichtete Fernsehdebatte zu gestalten ist, konnte man ebenfalls gestern sehen – und geradezu exemplarisch bestaunen. Freilich, nicht im ORF, sondern auf ARTE, wo ein brillantes Gespräch zum Thema „Wie christlich ist Europa?“ mit der französischen Philosophin Élisabeth Badinter und der deutsch-türkisch-kurdischen Rechtsanwältin Seyran Ate? stattfand, also mit zwei Frauen, die als vehemente Verfechter der Trennung von Kirche und Staat bekannt sind. Ein wichtiges Plädoyer für die Traditionen der Aufklärung und wider die feige Toleranz!

Nun könnte man zu Recht einwenden, dass innerhalb der Europäischen Union einzig in Frankreich (und mit Abstrichen auch in Portugal) die institutionelle Trennung von Kirche und Staat per Verfassung garantiert ist (übrigens in Artikel 1 der Verfassung: „La France est une République indivisible, laïque, démocratique et sociale.„), sodass der Vergleich mit dem deutschsprachigem Raum in dieser Frage hinkt. Aber, und das ist das Wesentliche, worauf ich hinweisen möchte: Anhand der ARTE-Diskussionen zu jedem Thema lässt sich belegen, dass diese öffentlich-rechtliche Anstalt bei ihren Diskussionssendungen auf eine auf „Ausgewogenheit“ bedachte Einladungspolitik, die im deutschsprachigem Raum Usus ist, ganz bewusst verzichtet. Qualität heißt das Zauberwort!

Undenkbar, dass bei ARTE rechte Dumpfbacken zu Wort kommen; genauso undenkbar, wie eine vergleichbare Diskussionsrunde zum Thema Laizismus im ORF: Schwer vorstellbar, dass dieses Thema hierzulande überhaupt diskutiert werden würde; falls wider Erwarten doch, dann doch wohl nur mit Vertretern der Religionsgemeinschaften. Dank an die Programmverantwortlichen von ARTE, die zeigen, dass es auch anders geht!

Das Video der Gesprächsrunde ist auf Grund dummer gesetzlicher Auflagen nur für sieben Tage auf der Arte-Website abrufbar. Absolute Empfehlung!

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Loblied auf den Konsum!

Dienstag, 9. Dezember 2008 19:27

Gestern, am 8. Dezember, dem einzigen katholischen Feiertag des Jahres, an dem über 70% aller Geschäfte geöffnet haben, und an dem die Menschen von Bregenz bis Wien ordentlich gekauft haben, wie man den Medienberichten entnehmen kann, also, ein insbesondere in Zeiten der Wirtschaftskrise absolut vernünftiges Verhalten an den Tag gelegt haben, verließ ich gerade das AIDA-Kaffee am Stephansplatz, als eine anschwellende Menschenmenge vom Graben her sich in meine Richtung hin bewegte. Angeführt vom Kardinal in Festtagspracht zogen ältere und jüngere LodenmäntelträgerInnen im Schweigemarsch über den Platz zum Dom, in dem sie, begleitet vom Fotohandy-Blitzlichtgewitter der vorwiegend italienischen Touristen und vom Dauergebimmel der Glocken, allmählich verschwanden. Nach etwa fünf Minuten war der Spuk vorbei.

Stunden danach fand ich folgende Pressemitteilung der Kath-Press:

Am Marienfeiertag, dem 8. Dezember, gibt es auch heuer die schon traditionelle Immaculata-Feier in der Wiener Innenstadt. An dieser Feier haben in den letzten Jahren jeweils tausende Gläubige teilgenommen. Die Feier gilt dem Hochfest der „ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“. Die von Kardinal Christoph Schönborn geleitete Feier beginnt um 16 Uhr bei der Mariensäule Am Hof, an jenem Platz, wo Papst Benedikt XVI. seinen Österreich-Besuch im Vorjahr begonnen hat. Nach einer „Statio“ ziehen die Mitfeiernden in einer Lichterprozession zum Stephansdom, wo sie vom Festgeläute der Domglocken empfangen werden. Die Blasmusik des Musikvereins Rudolfsheim-Fünfhaus begleitet die Prozession über den Graben zum Stephansdom; Hunderte Ministranten und Fackelträger aus allen Teilen der Erzdiözese Wien werden mit der Prozession mitziehen. Der Einzug in den Dom mit der Ikone von „Maria Pocs“ (zirka 16.45 Uhr) eröffnet die Marienvesper, die von der Dommusik mit Bläser- & Chormusik von Mendelssohn, Schubert und Bruckner gestaltet wird. Mit dem feierlichen Pontifikalsegen des Kardinals wird der Gottesdienst beschlossen.

Besonders ärgerlich ist vor allem jene am Vortag unterzeichnete „Petition für den Schutz des 8. Dezember„, die nicht nur vom Kardinal, sondern auch vom Vorsitzenden der Gewerkschaft der Privatangestellten, Wolfgang Katzian, und Billa-Vorstandssprecher Volker Hornsteiner unterzeichnet wurde. Die Billa-Filialen blieben am 8. Dezember geschlossen, wie wir den seit Tagen beinahe im Minutentakt ausgestrahlten Werbespots des Rewe-Konzerns entnehmen konnten.

Es scheint, als gäbe es immer weniger Zeit für uns selbst, unsere Kinder, unsere Freunde und unsere Familien. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, heuer am 8. Dezember nicht aufzusperren und diesen Tag unseren Mitarbeitern zu ihrer freien Verfügung zu stellen.“ (Billa-Vorstandssprecher Volker Hornsteiner)

Wenn ein katholischer Kardinal die Billa-Aktion als „Zeichen der Hoffnung“ bezeichnet und die andere Hälfte der MitarbeiterInnen des Rewe-Konzern, die vom Hoffnungszeichen dieses Mal nicht gestreift wurden, weil sie blöderweise an diesem Tag in den sehr wohl geöffneten Merkur-, Penny- oder Bipa-Filialen des Konzerns werken mussten, möglicherweise in seine Gebete einschließt, dann kratzt mich das nicht wirklich. Von einem Gewerkschaftsboss erwarte ich mir hingegen, dass er allein schon auf Grund seines ökonomischen Verstandes und der jüngsten Entwicklungen eine derartige Schmus-Petition nicht unterzeichnet.

Dazu einige Meldungen aus den letzten Tagen:

1,9 Millionen Menschen haben in den USA seit Jahresbeginn ihren Job verloren, 533.000 allein in November. Die Arbeitslosenrate liegt gegenwärtig bei rund 6,7 Prozent, und sie könnte auf 10 Prozent bis Ende 2009 steigen. Nach der Finanzbranche hat die Krise den Servicebereich erfasst. Detailhändler, Hotels und Restaurants entlassen massenhaft Angestellte. Die Menschen konsumieren weniger, weil sie ihren Job bereits verloren haben oder aus Furcht davor, entlassen zu werden. Das schadet den Unternehmen, die daraufhin weitere Jobs abbauen.
Der US-Werbemarkt wird 2009 voraussichtlich um 5,7 Prozent und der westeuropäische Werbemarkt um ein Prozent zurück gehen. Noch vor einem Monat waren Zuwächse von 0,9 beziehungsweise 2,6 Prozent prognostiziert worden.
Sony wird seine Kosten massiv senken, 8.000 Stellen streichen, seine Investitionen zurückfahren und sich obendrein aus unprofitablen Geschäftssparten zurückziehen. Der Konzern plant, weltweit 10% seiner Produktionsstätten zu schließen.
Nokia kündigte weitere Kostensenkungen an, um die Rückgänge durch den schrumpfenden Markt zumindest teilweise auffangen.
General Motors und Chrysler droht womöglich noch diesen Monat die Insolvenz, wenn sie nicht die ersten Milliarden Dollar erhalten. Beide Konzerne haben bereits Juristen eingeschaltet, um die Möglichkeit, ein Inolvenzverfahren einzuleiten, zu prüfen. Allerdings würde dies Chrysler 20 Milliarden Dollar kosten, vom Kongress hatte der Konzern 7 Milliarden Dollar an Krediten gefordert. Bei GM würde eine Insolvenz 40-50 Milliarden Dollar kosten – vom Staat will man Kredite in Höhe von 18 Milliarden.

Angesichts dieser Meldungen müsste die Gewerkschaft vielmehr das tatkräftig unterstützen, was Robert Misik in seinem Kommentar unter dem treffenden Titel „Gehen Sie einkaufen! Jetzt! Sofort!“ anregt, und zugleich endlich massiv für eine gerechtere Verteilung des Bruttosozialproduktes eintreten.

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Hohe Warte

Donnerstag, 4. Dezember 2008 21:46

Ein Gustostückerl aus Willkommen Österreich von letzter Woche: Hermes zu Besuch in der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodyamik („Hohe Warte„), und der „einschlägige Anruf“ mit dem abschließenden „ich bitte das, an die Hohe Warte weiterzugeben„.

Thema: Film | Kommentare (0) | Autor:

Der letzte linke Student

Donnerstag, 4. Dezember 2008 17:07

Seit vielen Jahren gibt es in der Jungle-World die Kolumne Der letzte linke Student, geschrieben von Jörg Sundermeier. Eine Auswahl davon ist bereits 2004 als Taschenbuch erschienen, wie ich soeben festgestellt habe.

Der Titel der Kolumne erinnert mich immer an S., mit dem ich seit Jahren hin und wieder berufsbedingt zu tun habe. Außerhalb des Jobs sehe ich ihn zufällig, ab und zu beim Einkaufen, er wohnt im gleichen Viertel, und dann und wann läuft er mir bei einem Konzert oder beim Wirten über den Weg. Man wechselt ein paar Worte, das war’s dann auch schon.

Kürzlich traf ich ihn wieder, im beruflichen Umfeld, wir rauchten und tranken Kaffee, und irgendwie kamen wir ins Gespräch über die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise. „Die Staatshilfe für die Banken ist ein soziales Verbrechen, weil sie von uns allen zu bezahlen ist“ begann er sein Statement – S. spricht immer nur in Statements, übrigens, in nahezu emotionslos dahin gehauchten Statements -, das er mit der ebenso emotionslos dargebrachten Behauptung „der österreichische Staat wird bankrott gehen – so wie Irland – und wir werden ohne Job und ohne Kohle auf der Straße stehen“ abschloss.
Jetzt übertreib’ nicht so. Wie kommst Du auf das?“ wollte ich wissen. „Ich habe gestern mit einem Maoisten gesprochen!„, so seine Antwort, die er mit einem sanften Kopfnicken untermauerte.
Wow, Maoisten gibt’s auch noch?“ bemerkte ich lächelnd – und sagte nichts mehr.

S., Anfang 50 und ein seit vielen Jahren beamteter Staatsdiener, erzählte dann noch, dass mit 1. Jänner sein Sabbatical beginne und er in diesem jobfreien Jahr diverse Seminare machen wolle. Für ein Shiatsu-Seminar und eine Familienaufstellung habe er sich bereits angemeldet. Freilich, er sei sich jetzt nicht mehr so sicher, ob er sich das auch wirklich noch leisten wird können …

Thema: Politik | Kommentare (0) | Autor: