Beiträge vom Juli, 2011

Wo bleibt Ringo?

Montag, 18. Juli 2011 17:15

Entschuldigung. Wisst Ihr, ob ER schon da ist?“ fragt ein etwa fünfzig-jähriger Mann mit Beatles-T-Shirt in die Menge. „Nein, ER kommt sicher erst viel später!“ sagt Max. Max heißt vermutlich nicht Max – ich nenne ihn nur so, weil er mich an einen Bekannten erinnert, der diesen Namen trägt.

Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr. Innenstadt. Sauheiß. Ich warte schon seit einer halben Stunde vor der Galerie G-POP. Laut Ankündigung sollte jetzt eigentlich Ringo Starr DA sein, um eine Ausstellung mit von ihm am Computer generierten Bildern zu eröffnen.

ringo_badfinger
Ringo Starr „Bad Finger“ (Galerie G. Hartinger)

Während ich auf IHN warte, unterhält sich Max mit drei Gleichgesinnten:

Klar, ER färbt sich die Haare und die Wimpern, das sieht man, aber mit 71 wirkt ER noch verdammt jugendlich. (…) „You’re sixteen“ wird ER nicht spielen, das passt nicht mehr, das verstehe ich, aber „Photograph“ kommt ganz bestimmt. …

Als Kiebitz inmitten einer Schar von Hardcore-Beatles-Fans, erfahre ich, dass ER vorgestern im Münchner Zirkus Krone vor tausenden Fans gespielt hat, und gestern in Düsseldorf.

Was hast Du mit zum Signieren? – Revolver, weißt eh, die LP, die mir Klaus Voormann signiert hat. Aber ich glaub’ eh nicht, dass er unterschreibt. Wenn doch, hab’ ich auch noch die letzte CD mit!

Medienvertreter tauchten ab 14.45 Uhr peu à peu vor der Galerie auf. Einige begaben sich sogleich mit Mikro und Kamera unter die Fans – nur wenige hatten Lust, Fragen wie „Warum sind sie heute hier?“ und „Sind sie ein großer Fan?“ zu beantworten.

15.30 Uhr. „Noch fünf Minuten, dann gehen wir!“ sagt der deutsche Tourist zu seiner Frau.

ER kommt mit dem Privatjet aus Düsseldorf und wird voraussichtlich gegen 16 Uhr in Schwechat landen. Fritz gibt uns per SMS Bescheid.

Das heißt, ER kann frühestens gegen 16.30 hier eintreffen. Max wusste das, bevor er hierher gekommen ist. Er war schon da, als ich gegen 14.30 Uhr eingetroffen bin. … Jetzt also weiter warten. Die beiden Deutschen sind auch noch da.

Gegen 16 Uhr kommt der ORF. Musikredakteur Klaus Totzler kann sich aussuchen, wo er sich mit seinem Kameramann postieren wird. Er muss nicht in die Pressezone, ein etwa 3×3 Meter großes Areal, in dem sich die Vertreter der Presse und der privaten Radio- und Fernsehsender zusammenpferchen. Das wird aber, zu meinem Erstaunen, von diesen ohne Murren akzeptiert.

totzler

Der ORF genießt also nach wie vor Sonderstatus, denke ich, während die Polizisten ein Absperrband aufziehen und uns (ich schätze, wir sind jetzt so an die 500 Leute) freundlich aber bestimmt auffordern, hinter die auf der gegenüberliegenden Straßenseite parkenden Autos zurückzutreten. Ziemliches Geschiebe, es gelingt mir direkt gegenüber dem Galerie-Eingang stehen zu bleiben – hinter dem ORF-Wagen. Super, denke ich, Spitzenplatz!

Ein Blick auf die Uhr. Gleich 17 Uhr. Gekreische. OK, jetzt kommt ER! Ich stelle mich auf Zehenspitzen, um mit der Kamera bestmöglich über das Autodach hinweg fotografieren zu können, als ein schwarzer Minivan mit getönten Scheiben genau zwischen mir und dem Galerie-Eingang zum Stehen kommt. So ein Scheiß, denke ich, während ich ununterbrochen den Auslöser drücke. Überall Foto- und Fernsehkameras, Mikros, Gejohle und Gekreische, „Ringo„, „Ringo„, „I love you„, „Peace and Love„, „Peace and Love“ …

ringo_irgendwo

Eine Stunde später sichte ich die gefühlten tausend Fotos, und – da – ein Teil von Ringos Kopf:

ringo_17072011

Uns so haben die Kollegen von der APA die Ankunft Ringos festgehalten:

Exhibition in Vienna - The Art Of Ringo Starr
Quelle: APA

Das Konzert in der Arena habe ich ausgelassen, dafür ein paar Songs gehört …

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Deep-Soul am Rathausplatz

Donnerstag, 14. Juli 2011 21:02

Lange Zeit kein Konzertbesuch, und dann das: drei Konzerte binnen einer Woche – alle im Rahmen des Wiener Jazzfests. Dankenswerterweise legen dessen Organisatoren den Genrebegriff schon seit einigen Jahren sehr großzügig aus, sodass selbst Jazz-Konzertbesuchsverweigerer wie ich nicht widerstehen können. Kurzer Einschub: Nichts gegen Thelonious Monk oder Miles Davis, aber alles gegen den Habitus des traditionellen Jazz-Konzertbesuchers und dessen zwanghaftes „Jedes-Solo-Beklatschen-Müssen“.

Glücklicherweise haben sich nur weinige Jazz-Puristen zu den Konzerten von Betty LaVette und den Blind Boys of Alabama, und keine zu Charles Bradley verirrt. Wobei, bei Mr. Bradley wär’s mir auch völlig egal gewesen: Ich kannte den 63-jährigen nicht und bin dank des Tipps im Standard (Danke Herr Fluch!) zum Rathausplatz gegangen. Die stimmliche Urgewalt und Leidenschaft dieses Deep-Soul-Giganten, begleitet vom betörenden Sound (Hammond-Orgel, Bläser und funky licks) der Menahan Street Band, muss man einfach hören – treffende Worte zum Konzert finden sich ohnehin bei den Soul-Aficionados Samir H. Köck (hier) und Karl Fluch (hier).

Daher hier und jetzt die Empfehlung zur Endlosschleife von „Why is it so hard (to make it in America)“ und allen anderen Songs aus Bradleys Debütalbum „No Time For Dreaming“ aus 2010. Wer sich dann nicht jeden Song von Mr. Bradley von wo auch immer besorgt, dem kann ohnehin nicht mehr geholfen werden:

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