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Monterey 1967

Dienstag, 5. August 2014 21:53

An dieser Stelle möchte ich gerne noch auf das Glück eingehen. Ich glaube nicht, dass du mit irgendetwas, das du für Geld kaufen kannst, glücklich werden kannst. Die Leute sind irrsinnig konsumistisch im Internet unterwegs, leiden aber gleichzeitig an Burn-out und Selbstoptimierungswahn. Diese ganzen Kleinbürger, die als Hipster in Erscheinung treten, sind doch hochgradig unglücklich, ihre Beziehungen funktionieren nicht mehr.
Ich beschreibe in meinem Buch das Monterey International Pop Festival, eine Veranstaltung, die von den Künstlern 1967 selbst organisiert wurde. Vielleicht kennen Sie diesen Film, in dem man die ganzen Größen sieht: Jimi Hendrix, Janis Joplin?und so weiter.?In diesem Film ist keine Werbung zu sehen, kein Sponsoring, kein Security-Personal, kein Backstage-Bereich. Jimi Hendrix geht aus dem Publikum auf die Bühne und wieder zurück ins Publikum. Keine Distanz, kein Oben und Unten. Dahin müsste man es wieder zurückdrehen, zu einem Festival ohne Coca-Cola und Smartphone-Terror, ohne dass jemand sein Scheißhandy hochhält und ständig irgendwas mitfilmen muss. Gleich unter Gleichen, keiner kann sich mit seinem Geld einen besseren Platz kaufen. Ich würde behaupten, wenn du von so einem Festival nach Hause kommst, bist du ein glücklicherer Mensch, als wenn du zehnmal zum Berlin-Festival gegangen bist. Das ist eine These. Und wie man das, was dahinter steht, politisch nennt, wissen Sie selbst.

(Berthold Seliger im Interview mit der Jungle-World)

monterey-pop-1967

Berthold Seliger hat Ende 2013 seine Konzertagentur geschlossen, die in den letzten 25 Jahren u.a. Patti Smith, Calexico, Will Oldham (Bonnie ‚Prince‘ Billy), Tortoise oder Townes van Zandt in den deutschsprachigen Raum geholt hat. Anfang 2014 hat er unter dem Titel Das Geschäft mit der Musik. Ein Insiderbericht (Edition Tiamat) seine Kritik an den herrschenden Verhältnissen, exemplifiziert an der Musikindustrie, veröffentlicht. Meine Urlaubslektüre.

Hier gibt’s Seliger auch im O-Ton und hier noch ein anderes großartiges Interview.

Ach ja: Hier gibts das Monterey-Festival als Filmdoku von D. A. Pennebaker (Part I und Part II und einen Part III, mit Material, das Pennebaker nicht für seinen Film verwendet hat).

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Bowie in Berlin

Mittwoch, 9. Juli 2014 18:28

Im Martin-Gropius-Bau in Berlin findet noch bis 10. August die große David Bowie Ausstellung statt, die vor einem Jahr im Londoner Victoria & Albert Museum von Besuchern regelrecht gestürmt wurde: Schier endlose Warteschlangen, online hatte man für Monate im Voraus Tag und Zeitfenster zu buchen, und als ich in London war, schaute ich kurz vorbei, um angesichts der Menschenmassen gleich wieder zu verschwinden. Für die Berliner Schau sind die Tickets leicht zu bekommen; dennoch empfiehlt sich ein Online-Ticket (= Tag mit Zeitfenster für 15,20 Euro).

Die Ausstellung ist vor allem was für Fans des Popmusik-Meisters: Von ihm selbst entworfene, gelinde gesagt, verhaltensauffällige Bühnenkostüme, etwa für die Ziggy Stardust Tour aus 1972 oder die Entwürfe von Modedesignern für die Alladin Sane Tour aus 1973, Skizzen für Bühnenshows, allerhand Zeichnungen und Ölbilder, vor allem aus den Berliner-Jahren (es waren eigentlich nur 15 Monate, die Bowie zwischen 1976 und 1978 im Westteil der damals geteilten Stadt verbracht hat), Fotografien, Plattencover, handschriftliche Setlists und Songtexte, und klarerweise Musik: stilprägende Videos und frühe TV-Auftritte, etwa das grandiose Starman aus der von der BBC ausgestrahlten Top-of-the-Pop-Show aus 1972.

Bowies-Musik auch aus dem Audio-Guide, den man zu Beginn der Schau erhält, und der automatisch checkt, in welchem Raum und vor welcher Vitrine man sich befindet und gleich die entsprechenden Infos liefert. Im letzten Raum, sehr laut Helden. Großes Kino!

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Wo bleibt Ringo?

Montag, 18. Juli 2011 17:15

Entschuldigung. Wisst Ihr, ob ER schon da ist?“ fragt ein etwa fünfzig-jähriger Mann mit Beatles-T-Shirt in die Menge. „Nein, ER kommt sicher erst viel später!“ sagt Max. Max heißt vermutlich nicht Max – ich nenne ihn nur so, weil er mich an einen Bekannten erinnert, der diesen Namen trägt.

Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr. Innenstadt. Sauheiß. Ich warte schon seit einer halben Stunde vor der Galerie G-POP. Laut Ankündigung sollte jetzt eigentlich Ringo Starr DA sein, um eine Ausstellung mit von ihm am Computer generierten Bildern zu eröffnen.

ringo_badfinger
Ringo Starr „Bad Finger“ (Galerie G. Hartinger)

Während ich auf IHN warte, unterhält sich Max mit drei Gleichgesinnten:

Klar, ER färbt sich die Haare und die Wimpern, das sieht man, aber mit 71 wirkt ER noch verdammt jugendlich. (…) „You’re sixteen“ wird ER nicht spielen, das passt nicht mehr, das verstehe ich, aber „Photograph“ kommt ganz bestimmt. …

Als Kiebitz inmitten einer Schar von Hardcore-Beatles-Fans, erfahre ich, dass ER vorgestern im Münchner Zirkus Krone vor tausenden Fans gespielt hat, und gestern in Düsseldorf.

Was hast Du mit zum Signieren? – Revolver, weißt eh, die LP, die mir Klaus Voormann signiert hat. Aber ich glaub’ eh nicht, dass er unterschreibt. Wenn doch, hab’ ich auch noch die letzte CD mit!

Medienvertreter tauchten ab 14.45 Uhr peu à peu vor der Galerie auf. Einige begaben sich sogleich mit Mikro und Kamera unter die Fans – nur wenige hatten Lust, Fragen wie „Warum sind sie heute hier?“ und „Sind sie ein großer Fan?“ zu beantworten.

15.30 Uhr. „Noch fünf Minuten, dann gehen wir!“ sagt der deutsche Tourist zu seiner Frau.

ER kommt mit dem Privatjet aus Düsseldorf und wird voraussichtlich gegen 16 Uhr in Schwechat landen. Fritz gibt uns per SMS Bescheid.

Das heißt, ER kann frühestens gegen 16.30 hier eintreffen. Max wusste das, bevor er hierher gekommen ist. Er war schon da, als ich gegen 14.30 Uhr eingetroffen bin. … Jetzt also weiter warten. Die beiden Deutschen sind auch noch da.

Gegen 16 Uhr kommt der ORF. Musikredakteur Klaus Totzler kann sich aussuchen, wo er sich mit seinem Kameramann postieren wird. Er muss nicht in die Pressezone, ein etwa 3×3 Meter großes Areal, in dem sich die Vertreter der Presse und der privaten Radio- und Fernsehsender zusammenpferchen. Das wird aber, zu meinem Erstaunen, von diesen ohne Murren akzeptiert.

totzler

Der ORF genießt also nach wie vor Sonderstatus, denke ich, während die Polizisten ein Absperrband aufziehen und uns (ich schätze, wir sind jetzt so an die 500 Leute) freundlich aber bestimmt auffordern, hinter die auf der gegenüberliegenden Straßenseite parkenden Autos zurückzutreten. Ziemliches Geschiebe, es gelingt mir direkt gegenüber dem Galerie-Eingang stehen zu bleiben – hinter dem ORF-Wagen. Super, denke ich, Spitzenplatz!

Ein Blick auf die Uhr. Gleich 17 Uhr. Gekreische. OK, jetzt kommt ER! Ich stelle mich auf Zehenspitzen, um mit der Kamera bestmöglich über das Autodach hinweg fotografieren zu können, als ein schwarzer Minivan mit getönten Scheiben genau zwischen mir und dem Galerie-Eingang zum Stehen kommt. So ein Scheiß, denke ich, während ich ununterbrochen den Auslöser drücke. Überall Foto- und Fernsehkameras, Mikros, Gejohle und Gekreische, „Ringo„, „Ringo„, „I love you„, „Peace and Love„, „Peace and Love“ …

ringo_irgendwo

Eine Stunde später sichte ich die gefühlten tausend Fotos, und – da – ein Teil von Ringos Kopf:

ringo_17072011

Uns so haben die Kollegen von der APA die Ankunft Ringos festgehalten:

Exhibition in Vienna - The Art Of Ringo Starr
Quelle: APA

Das Konzert in der Arena habe ich ausgelassen, dafür ein paar Songs gehört …

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Deep-Soul am Rathausplatz

Donnerstag, 14. Juli 2011 21:02

Lange Zeit kein Konzertbesuch, und dann das: drei Konzerte binnen einer Woche – alle im Rahmen des Wiener Jazzfests. Dankenswerterweise legen dessen Organisatoren den Genrebegriff schon seit einigen Jahren sehr großzügig aus, sodass selbst Jazz-Konzertbesuchsverweigerer wie ich nicht widerstehen können. Kurzer Einschub: Nichts gegen Thelonious Monk oder Miles Davis, aber alles gegen den Habitus des traditionellen Jazz-Konzertbesuchers und dessen zwanghaftes „Jedes-Solo-Beklatschen-Müssen“.

Glücklicherweise haben sich nur weinige Jazz-Puristen zu den Konzerten von Betty LaVette und den Blind Boys of Alabama, und keine zu Charles Bradley verirrt. Wobei, bei Mr. Bradley wär’s mir auch völlig egal gewesen: Ich kannte den 63-jährigen nicht und bin dank des Tipps im Standard (Danke Herr Fluch!) zum Rathausplatz gegangen. Die stimmliche Urgewalt und Leidenschaft dieses Deep-Soul-Giganten, begleitet vom betörenden Sound (Hammond-Orgel, Bläser und funky licks) der Menahan Street Band, muss man einfach hören – treffende Worte zum Konzert finden sich ohnehin bei den Soul-Aficionados Samir H. Köck (hier) und Karl Fluch (hier).

Daher hier und jetzt die Empfehlung zur Endlosschleife von „Why is it so hard (to make it in America)“ und allen anderen Songs aus Bradleys Debütalbum „No Time For Dreaming“ aus 2010. Wer sich dann nicht jeden Song von Mr. Bradley von wo auch immer besorgt, dem kann ohnehin nicht mehr geholfen werden:

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Universe of Hybris

Freitag, 10. Dezember 2010 17:46

hybris-in-the-day-freetime

Gleich noch ein Verweis auf ein grandioses Comeback, wenngleich: weg waren sie sowieso nie, bloß im Stand-by-Modus; wie auch immer: Universe of hybris, Chick und Tony und all die anderen erfrischenden Dilettanten legen wieder richtig los! So würde die Tödliche Doris im Hier und Jetzt agieren, wäre sie je proletarisch gewesen. Einstiegstipp: Chicks’ famoser Song „Tony drives in a new car„.

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Take it as it comes

Dienstag, 26. Januar 2010 18:17

a-serious-man

Receive with simplicity everything that happens to you“

Diesen Spruch, der dem im Mittelalter wirkenden Rabbiner und Talmud Kommentator Rashi zugeschrieben wird, stellen die Brüder Joel und Ethan Coen ihrem jüngsten Werk „A Serious Man“ voran.

Nach einer rund zehnminütigen Zeitreise in die untergegangene Welt des jüdischen Schtetls, wo jiddisch gesprochen wird und eine resolute Frau einem alten Mann ein Messer ins Herz treibt, weil sie in ihm einen Dibbuk zu erkennen vermeint, folgt eine Schwarzblende, danach:

When the truth is found to be lies
and all hope inside you dies
don’t you want somebody to love …“

Somebody to love“ von Jefferson Airplane, Grace Slicks Stimme dröhnt aus einem Kopfhörerstöpsel, der sich im Ohr eines jungen Mannes befindet. Die Kamera gleitet langsam entlang eines weißen Kabels und in unseren Fokus kommt, nein, nicht ein iPod, sondern ein altes Transistorradio. Wir sind nicht im Heute gelandet. Wir sind in den 1960-er Jahren, genauer: im Jahr 1967. Die B-52-Bomber legen gerade halb Südostasien in Schutt und Asche. The Doors veröffentlichen ihr Debütalbum, auf dem Jim Morrison das eingangs zitierte Motto des Rabbiners neu übersetzt: „Take it as it comes„.

Einer, der alles nimmt, wie es kommt, ist Larry Gropnik, Professor für Physik und Mathematik an einer Universität irgendwo im Mittelwesten der USA. Er lebt mit Frau und Kindern in einer dieser Vorstadtsiedlungen, wo der Rasen täglich gemäht wird, und wo jeden Moment der fröhlich winkende Feuerwehrmann aus Blue Velvet vorbei fahren könnte. Es ist eine überwiegend von Juden bewohnte Siedlung, mit jüdischer Schule, Rabbi und Synagoge. Larrys kleines Glück wird empfindlich gestört: Was soll er tun, wenn die Frau die Scheidung will, um fortan mit einem seiner Freunde Tisch und Bett zu teilen? Was, wenn dieser Ex-Freund bei einem Autounfall ums Leben kommt? Was, wenn aus der in Aussicht gestellten Fixanstellung doch nichts wird, weil irgendein anonym bleibendes Arschloch irgendwelche Verleumdungen streut? Was, wenn sich die Alpträume bewahrheiten und ihn der Redneck-Nachbar tatsächlich abknallen sollte? Und was, wenn selbst der Rabbi, den er in seiner Verzweiflung aufsucht, auf die Frage nach dem Sinn all dessen nur lakonisch antwortet, das habe ihm Gott auch nicht gesagt?

Die Coens haben eine Tragikömodie auf die Leinwand gezimmert, mit all den köstlichen Zugaben, die ihre Filme schon immer auszeichneten: Ein phantastisches Script, umwerfende Situationskomik, abrupt endende Szenen, brillante Kamerabilder, für die wie immer Roger Deakins verantwortlich zeichnet, und ein furioses Finale.

Große Szene: Der koreanische Student Clive, der den Physiktest nicht bestanden hat, weil er keine Ahnung von Mathematik hatte, ersucht Larry um postive Benotung. Larry lehnt ab. Als Clive gegangen ist, findet Larry einen mit Dollarscheinen prall gefüllten Briefumschlag in seinem Büro, den Clive offenbar „vergessen“ hat – was dieser, als ihn Larry später zur Rede stellt, abstreitet. Und der arme Larry hat ein Problem. (Das muss man gesehen haben!)

Hatte Hiob das bessere Los, weil er an seinem Gott wenigstens noch zweifeln konnte? Ich weiß es nicht. Aber eines ist gewiss: solche Filme konnte er nicht sehen.

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For your lover, give some time

Sonntag, 17. Januar 2010 18:58

Richard Hawley – „For your lover give some time

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Working on a dream

Montag, 6. Juli 2009 19:15

springsteen_wien
copyright Paolo Brillo

I’m working on a dream, though sometimes it feels so far away
I’m working on a dream, and I know it will be mine someday.

Man soll in kein Stadion-Konzert gehen, schon gar nicht in eines, das im Ernst-Happel-Stadion stattfindet. Ich wusste das. Gestern habe ich wieder einmal darauf gepfiffen, um Bruce Springsteen und die E-Street Band zu hören. Bei seinem letzten Wien-Gig vor sechs Jahren hockte ich irgendwo weit oben unter dem Dach des Stadion-Ovals – eine, soundtechnisch betrachtet, absolute No-Go-Area. Folglich bin ich dieses Mal raus auf den abgedeckten Rasen, in der Hoffnung auf besseren Sound und den nach stundenlangem Stehen drohenden Bandscheibenvorfall einfach ignorierend.

Kurz nach 20 Uhr schleicht sich Nils Lofgren, die ersten Takte von „An der schönen blauen Donau“ mit dem Akkordeon intonierend, auf die Bühne, weitere Bandmitglieder folgen. Springsteen betritt zusammen mit Clarence Clemons, der seit Greetings from Asbury Park, N.J., dem ersten Springsteen-Solowerk aus 1973, mit dem Saxophon mit von der Partie ist, das Podium, was ich, da ich mich doch in einem Sicherheitsabstand vom Epizentrum des Geschehens befinde, über die beiden Videowände registriere.

Spätestens beim dritten Song, „Badlands„, war klar, dass 1) auch bei diesem Konzert der Sound eher awful sein wird und dass ich 2) dennoch ein Ausnahmekonzert erleben werde oder, um es in Springsteens Worten zu sagen, mich am „Bau eines Hauses aus Freude, Liebe, Hoffnung und sexueller Erlösung“ beteiligen werde.

Springsteen ist der mitfühlende Chronist des Working Class America. Er erzählt Geschichten vom Scheitern am American Dream, aber sie funktionieren überall, weil sie von Kerlen handeln, die glauben, dabei zu sein, obwohl sie immer außen vor bleiben werden. Dieses „G’fickt für immer“ kommt aber nicht resignativ daher, sondern im trotzigen Gestus des immerwieder aufs Neue: Working on a dream. Das hat mich an Springsteens Songs immer berührt und, auch wenn ich mir keine Alben mehr auflege, das fetzt mir nach wie vor mitten ins Herz.

Der Mann hat im Verlauf seiner Karriere (er wird 60!) etliche Heuler produziert, aber seine wirkliche Power entfaltet er in der Live-Performance: Er sucht den Körperkontakt zum Publikum nicht nur, er giert geradezu danach, es scheint, als brauche er die Berührungen, um vollends auf Touren zu kommen. Nach wenigen Songs muss man die trockenen Stellen am Hemd mit der Lupe suchen. Wunderbare Momente: Wie er von Fans fabrizierte Spruchbänder mit Songwünschen einsammelt, sie sorgfältig auf die Bühne legt und die Songs anschließend spielt. Wie ihm eine junge Frau ihr T-Shirt reicht, auf dem „Jersey Girl“ steht. Er spielt den Tom Waits Klassiker und gibt das T-Shirt zurück.

And here it is:

Wenn Springsteen am Ende, nach dreistündiger Power-Show in einem Stück, mit Band abtritt, dann hat man für einen Moment den Eindruck, dass es ihm leid tun, nicht noch einige Songs gespielt zu haben (mein Highlight: „Because the night„).

Schöner geht’s nimmer.

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Noahs Arche

Dienstag, 5. Mai 2009 18:54

noahs-arche

Thomas Stephen Monaghan, reich geworden mit seiner Pizza-Kette Domino’s Pizza, hat nach einem religiösen Erweckungserlebnis im Jahre 1998 das Unternehmen verkauft. Mit der Kohle lässt er in der Nähe von Staples, Florida eine Gemeinde für „aufrechte“ Christen erbauen. Geplant sind 11.000 Wohnungen. Eine Privat-Universität samt dazugehörigen Unterkünften, die Ave Maria University, hat ihren Betrieb bereits aufgenommen. Die Unterkünfte sind streng nach Männlein und Weiblein getrennt, gegenseitige Besuche sind für einige Stunden an Wochenenden bei geöffneten Zimmertüren gestattet. Klar, dass es in den Shops des Areals weder Verhütungsmittel noch Pornos gibt.

Und alle sind wahlberechtigt!„, so der Kommentar des Dokumentarfilmers Tom Theunissen aus dem OFF. Im ersten Teil, des auf vier Teile angelegten Road-Documentary, Who’s afraid of America, wenige Monate vor der Wahl Barack Obamas zum Präsidenten der USA gedreht, führt die Reise von New York in den Bible-Belt.

Monaghan und seine Vision der Errettung der Schäfchen vor der Hölle ist nur eine der bizarren Stationen, die in diesem grandiosen Movie zu sehen sind, das gestern im ZDF-Infokanal gelaufen ist. Neben einem Abstecher zu den Amish People in Berlin, Ohio, die ohne Strom, Telefon und sonstigen zivilisatorischen Beiwerk ihr Auskommen finden, erfreut vor allem ein Besuch im Creation Museum in Petersburg, Ohio. Dort haben orthodoxe Bibelfreaks (Kreationisten) ein Bibel-Disneyland errichtet. Zu den Highlights zählen ein Nachbau der Arche Noahs („Noahs Arche hatte über zwei Meter dicke Wände!“ zeigt sich eine interviewte Wahlberechtigte tief beeindruckt) und Adam und Eva und sonstiges Bibelpersonal als animierte, lebensgroße Puppen.

Trostspender wie der Schriftsteller Richard Ford oder der Musiker und Produzent Jim Dickinson kommen im ersten Teil von Who’s afraid of America auch vor.

Hier die weiteren Termine für alle, die den ZDF-Infokanal empfangen können:

13.05.2009 23:25 Uhr
18.05.2009 23:25 Uhr
21.05.2009 22:55 Uhr
23.05.2009 00:10 Uhr
26.05.2009 22:55 Uhr
31.05.2009 22:55 Uhr

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Old kids

Donnerstag, 29. Januar 2009 0:35

illu-crying-babyAls ob ich das wissen wollte: Herr Blumenau mag Herrn Fluch nicht – und vice versa. Das teilen uns die beiden sehr bekannten Musikjournalisten also mit (hier und hier). Nun gut. Nun wissen wir’s.

Angefacht hat die untergriffige Posse Martin Blumenau. Auf seinem FM4-Blog identifiziert er den Standard-Kollegen quasi als das personifizierte Versagen der Print-Pop-(Konzert)-Kritik, ein Versagen, das er in einem „ererbten und unhinterfragten Verzichten auf Kontext, Realität und Verknüpfung“ ortet. Außerdem habe der Herr Kollege „merklich keine Lust, sich mit dem, was er da beschreibt, zu beschäftigen„. Was Wunder, treibe er sich doch „muffig in der letzten Reihe, oder gar in engerem Kontakt mit der Bar“ herum, sodass er nicht „das zentrale Idiom von Pop: den Funken“ mitbekomme.

Der von Blumenau überdies als „Lachnummer“ und „Nestroysche Beamtenfigur“ titulierte Karl Fluch steigt daraufhin in den Ring und sendet einige links-rechts-Kombinationen in des Kollegen Gemächt: Ein „Gutteil aller Texte“ auf Blumenaus-Blog komme daher „wie hoppertatschige Erlebnisaufsätze, insbesondere die so genannten Rezensionen, in denen Sätze wie dieser zu finden sind: „Ein Lied folgte auf das nächste.“ Bei einem Konzert? Echt? Wer hätte das gedacht!

Und so weiter (hier) und so fort (hier) …

Ein Poster (Pseudonym „Sackbauerkarli„) brachte es auf den Punkt:

Kurzfassung
B: ich mag dich nicht
F: ich mag dich auch nicht
B: a bissi mag ich dich schon, aber nur ganz a bissi
F: halts maul!

Kindischer geht’s wohl nimmer!

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