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Urheberrecht verhindert Kreativität

Montag, 17. Januar 2011 18:32

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Der Künstler Shepard Fairey hat ein Foto des Associated Press Fotografen Mannie Garcia im Stile Andy Warhols bearbeitet, mit dem Schriftzug „Hope“ versehen und den PR-Strategen Obamas für den Präsidentschaftswahlkampf 2008 überlassen. Associated Press hat daraufhin wegen Verletzung des Copyrights geklagt. Der Rechtsstreit, der sich über mehrere Jahre hinzog, wurde am 13. Jänner 2011, also vor wenigen Tagen, außergerichtlich bereinigt, höchst überraschend überdies: Fairey wird die Tantiemen aus dem „Hope„-Poster mit der Nachrichtenagentur teilen und zugleich eine Posterserie produzieren – unter Verwendung von AP-Fotos. Das Original des „Hope„-Posters befindet sich mittlerweile im Bestand der Washingtoner National Portrait Gallery.

Im Rahmen einer vom SPÖ-Parlamentsklub organisierten Enquete zum Thema Neue Netzpolitik hat der deutsche Urheberrechtsexperte Till Kreutzer auch die „Hope„-Story zum Anlass genommen, um auf die Notwendigkeit einer völligen Überarbeitung des herrschenden Urheberrechtssystems (im Sinne einer Anpassung an die neuen digitalen Realitäten) hinzuweisen. Kreutzer, der seine Expertise auch als Mitarbeiter des Urheberrechts-Webportals iRights.info allen Interessierten zur Verfügung stellt, sieht die bestehenden Regeln vor allem als protektionistische Maßnahmen für analoge Geschäftsmodelle, deren Profiteure überwiegend die Verwerter und nicht die Kreativen seien.

Dass aber die Verteidiger des technologisch und gesellschaftlich Überholten nach wie vor den öffentlichen Diskurs über weite Stecken dominieren, zeigt sich nicht nur im Musik- und Filmbereich. Ein vor kurzem veröffentlichter Aufruf der IG Autorinnen Autoren, der Literar-Mechana und des Verlegerverbandes („Wer das Urheberrecht hat„) illustriert die Ignoranz der Proponenten gegenüber technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Der Aufruf, im Grunde ein Anti-Google und Anti-Internet-Manifest ohne Google oder das Internet beim Namen zu nennen („Interessen weltweit agierender Unternehmen in der digitalen Datensammlungs- und Datenverwertungswirtschaft (…) die an Kunst und Kultur nicht weiter interessiert sind, sondern nur an den Möglichkeiten, aus Nachnutzungen bereits bestehender Werke für sich Gewinn zu schlagen„), kann nur als Kapitulation der Interessensvertretung vor dem kreativen Potential der digitalen Technologien gewertet werden.

Wie viele Autorinnen und Autoren werden wohl den Kultur-Neugebauers Folge leisten?

Thema: Fotografie, Geschichte, Literatur, Politik | Kommentare (0) | Autor:

Die Erosion des politischen Arkanraums

Freitag, 10. Dezember 2010 17:42

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Heute wird die Zensur von den Produktivkräften der Bewusstseins-Industrie selber bedroht, die sich zum Teil bereits gegen die vorherrschenden Produktionsverhältnisse durchsetzen. Noch ehe diese umgestürzt sind, wird der Widerspruch zwischen dem was möglich und dem was wirklich ist akut (…) Die neuen Medien sind ihrer Struktur nach egalitär. Durch einen einfachen Schaltvorgang kann jeder an ihnen teilnehmen; die Programme selbst sind immateriell und beliebig reproduzierbar.

An diesen Sätzen aus dem Essay „Baukasten zu einer Theorie der Medien“ von Hans Magnus Enzensberger, erschienen im Jahre 1970 im vom Autor herausgegebenen Kursbuch, mag uns Heutige allenfalls der angestaubte Jargon der 1968-er befremden; der Befund hingegen ist aktueller denn je. Zu Recht nimmt Enzensberger 30 Jahre später in einem anderen Essay („Das digitale Evangelium„) auf diesen Text Bezug – freilich spöttisch distanziert, ohne den Urheber des Textes aus längst vergangener Zeit zu erwähnen.

Angesichts der Reaktionen auf die Veröffentlichungen von als „geheim“ klassifizierten Depeschen der US-Amerikanischen Diplomatiebürokratie auf den WikiLeaks-Seiten drängt sich dieser Text geradezu auf, um zunächst einmal ganz nüchtern festzuhalten, dass nach der Musik- und Filmindustrie jetzt eben Teile des politischen Geschäftsmodells in demokratischen Staaten zu erodieren beginnt. Die Empörungsdiskurse der politischen Machteliten sind deshalb in the long run genauso unsinnig, wie das Bestemm der Kreativindustrien auf einem analogen Geschäftsmodell im digitalen Umfeld, weil, um nochmals Enzensbergers Text aus 1970 zu bemühen, „die Produktivkräfte (…) sich zum Teil bereits gegen die vorherrschenden Produktionsverhältnisse durchsetzen„. Mit anderen Worten: Sobald etwas in digitalisierter Form im Netz verfügbar gemacht worden ist, kann es nicht mehr kontrolliert werden – es sei denn, demokratische Staaten nehmen sich autoritäre Systeme wie China oder Nordkorea als Modell, drehen das Internet ab und verhaften die Journalisten der von WikiLeaks eingebundenen Medien. It’s the economy, stupid! Weil klar ist, dass die ökonomische Vernunft über die moralische Entrüstung triumphieren wird, werden demokratische Staaten das Internet nicht abdrehen.

Nun mögen die Motive mancher Whistleblower bedenklich, ja bisweilen verachtenswert sein. Das ändert aber nichts daran, dass Tippgeber eine wichtige Kontrollfunktion in demokratischen Gesellschaften erst ermöglichen, denn ohne sie wäre investigativer Journalismus schlicht und einfach nicht denkbar. Die Parlamentarische Versammlung des Europarates hat erst im April dieses Jahres eine Resolution angenommen, in der alle 47 Mitgliedsstaaten des Europarates aufgefordert werden, rechtliche Maßnahmen zum Schutz der Whistleblower zu schaffen. Freilich hatte diese Resolution den klassischen Whistleblower im Auge, also jenen, der sich einem Journalisten anvertraut. Solange diese Tippgeber den Zwischenhändler brauchten, drangen eben nur ab und zu vermeintliche oder tatsächliche Schweinereien an die Öffentlichkeit. Mit der digitalen WikiLeak-Maschine werden die medialen Zwischenhändler und Gatekeeper außer Kraft gesetzt oder sie verstehen es, wie New York Times, Guardian und Spiegel, gleichsam als embedded media weiterhin im Spiel zu bleiben. Die anderen Medien produzieren das, was sie ohnehin die ganze Zeit machen: „Gossip en masse: die ganze Welt ist nur mehr Gossip!“ (Konrad Becker kürzlich im Club 2).

Ansonsten empfiehlt sich für beide Seiten etwas mehr Gelassenheit und weniger hysterisches Gegacker an den Tag zu legen.

P.S
Meine Blog-Pause ist hiermit zu Ende. Die Gründe waren privat – und werden es auch bleiben.

Thema: Allgemein, Geschichte, Musik, Politik | Kommentare (0) | Autor:

Angst – Sicherheit – Kontrolle

Donnerstag, 8. Oktober 2009 19:33

cctvThose who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety.“ (Benjamin Franklin)

Nach dem Mord an dem dreijährigen James Bulger im Jahre 1993 ist die Anzahl der Videoüberwachungsgeräte in Großbritannien sprunghaft angestiegen. Mit dem Argument, Verbrechen zu verhindern, wurde das Land sukzessive mit CCTV-Kameras (=“Closed-circuit television„) bestückt. (vgl. dazu hier)

Auch wenn die Behörden wissen, dass sich CCTV-Kameras keineswegs zur Verbrechensprävention eignen und auch bei der Täterüberführung nahezu keinen Beitrag leisten (vgl. hier), wird vor allem seit 9/11 weiter aufgerüstet. Der „War on Terrorism“ legitimierte nicht nur in den USA die Suspendierung fundamentaler Menschenrechte (Guantánamo, Folter) sondern hat auch in Europa zur Aufweichung von Grund- und Freiheitsrechten und zum Überhandnehmen des Paranoiadiskurses („Sicherheit„) geführt, der auch hierzulande längst jede politische Debatte, von der Integrationsfrage bis zur Wirtschaftskrise, dominiert.

Wer nichts zu verbergen hat, der hat auch nichts zu befürchten!“ Man kennt den Spruch, mit dem der konservative britische Premierminister John Major die CCTV-Aufrüstung nach dem Bulger-Mord der Bevölkerung verkauft hat. Man hört ihn von Politikern aller Coleurs, wenn es darum geht, Einschränkungen von Freiheitsrechten zu legitimieren, die in jahrhundertelangen Kämpfen gegen die jeweiligen Machthaber durchgesetzt werden mussten.

Streichen Sie die Wendung ‚Ich habe ja nichts zu verbergen‘ aus Ihrem Wortschatz, denn wer nichts zu verbergen hat, der hat bereits alles verloren. Es ist gut, dass Sie etwas zu verbergen haben, und so sollte es auch bleiben. Verteidigen Sie Ihre Geheimnisse, sie gehören Ihnen.

Soweit Ilija Trojanow und Juli Zeh in ihrer Kampfschrift gegen den Überwachungsstaat („Angriff auf die Freiheit„), in der sie jene Mechanismen beschreiben, die zum sukzessiven Aufbau des Überwachungsstaates und damit zum Abbau der bürgerlichen Freiheitsrechte in der westlichen Welt seit 9/11 geführt haben. Online-Durchsuchung, Vorratsdatenspeicherung, Netzsperren, elektronische Pässe mit biometrischen Daten, um nur die zentralen Überwachungs- und Kontrollinstrumente anzuführen, die in den letzten Jahren beschlossen wurden – ohne allzu großen Widerstand beschlossen wurden.

Der „Krieg gegen den Terror“ fungiere dabei nur als Vorwand, so die Autoren, im Grunde würden die Repräsentanten der Staatsmacht auf Freiheitspotentiale reagieren, die sich politisch nach 1989/90 und technologisch durch das Internet für den Einzelnen eröffnet haben:

Grenzen lösen sich auf, zwischen Staaten, zwischen politischen Lagern, zwischen Deutungssystemen. Weder eine Religion noch die klassische Idee der Familie, noch eine politische Ideologie besitzt die Macht, den zeitgenössischen Menschen ‚auf Linie‘ zu halten. Individualismus, persönliche Freiheit, die sukzessive Abschaffung von Denk- und Handlungszwängen führen zur Unschärfe. Die Menschen und ihre Lebensentwürfe sind schwer einschätzbar geworden. Die Kommunikationstechnologie überwindet letzte geographische und soziale Barrieren. Das (fast) kostenlose Internet steht jedem offen, der sich die notwendige Zugangstechnik leisten kann, und das können dank sinkender Preise weltweit immer mehr Menschen.
Entgrenzung bedeutet Freiheit für den Einzelnen und Kontrollverlust für die Machthaber, ganz gleich, ob es sich um autoritäre Regime oder demokratisch legitimierte Regierungen handelt. Dieser Kontrollverlust wird im Denken und in der Rhetorik der politischen Eliten als ‚Sicherheitsproblem‘ identifiziert.

Eine wichtige Streitschrift! Auf Juli Zehs Website findet sich alle Anmerkungen des Buches, in denen Links zu weiterführenden Infos enthalten sind.

P.S. Am 25. Oktober werden im Rabenhof wieder die Big Brother Awards vergeben, die Auszeichnungen für jene Personen, Institutionen, Behörden und Firmen die sich besonders um unser aller „Sicherheit“ verdient gemacht haben.

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Books & Google

Freitag, 17. April 2009 17:50

buchspeicherGoogle hat vor einigen Jahren mit der vollständigen Digitalisierung von Büchern begonnen (Google-Buchsuche). Gegenwärtig sind rund sieben Millionen Bücher digitalisiert. Alle nicht mehr urheberrechtlich geschützten Bücher (rund eine Million) sind frei zugänglich und können auch heruntergeladen werden. Die Bücher stammen aus dem Bestand großer Bibliotheken (vgl. hier).

Gegen die Digitalisierung von Büchern durch Google haben im Jahre 2005 US-amerikanische Autoren und Verleger eine Sammelklage eingereicht, weil sie das Vorgehen des Suchmaschinenbetreibers als permanente Urheberrechtsverletzungen betrachten. Am 28. Oktober 2008 haben sich die Klageeinbringer (Association of American Publishers, American Authors Guild) mit Google auf einen Vergleich geeinigt, der aber noch gerichtlich genehmigt werden muss. Demnach verpflichtet sich Google zur Zahlung von 125 Millionen Dollar. Mit dieser Summe sollen insbesondere die Ansprüche von Autoren und Verlagen nach dem US-amerikanischen Copyright abgegolten werden. Zugleich soll Google die Möglichkeit eingeräumt werden, in der Folge urheberrechtlich geschützte, im Handel erhältliche, aber auch nicht mehr erhältliche (= vergriffene) Bücher in einer Vorschau (kurzer Ausschnitt) unentgeltlich zugänglich zu machen und gegen Bezahlung im Volltext online lesbar zu machen.

Wohlgemerkt: Diese Vereinbarung gilt nur für die USA. Für außerhalb der USA bleibt alles wie bisher, das heißt, alle nicht mehr urheberrechtlich geschützten Werke, die von Google digitalisiert wurden und werden, sind frei zugänglich und können heruntergeladen werden.

In der Online-Ausgabe der jüngsten Nummer von Le Monde Diplomatique findet sich ein interessanter Text von Robert Darton, dem Leiter der Universitätsbibliothek der Harvard University, zu möglichen Auswirkungen dieser Vereinbarung, insbesondere auf den Bibliothekssektor. Die Vereinbarung, sofern sie in etwa zwei Jahren rechtswirksam wird, lässt Google zum de facto Monopolisten von digitalen Büchern werden, und zwar weltweit.

Die Verfechter des freien Marktes werden einwenden, dass der Markt sich selbst reguliert. Wenn Google zu viel verlangt, werden die Kunden ihr Abonnement kündigen, und Google muss den Preis wieder senken. Doch bei den institutionellen Lizenzen besteht gar keine direkte Verbindung zwischen Angebot und Nachfrage. Die Studierenden, Mitglieder der Fakultäten und öffentlichen Bibliothekare bezahlen das Abonnement ja nicht aus eigener Tasche. Das Geld kommt aus dem Bibliotheksetat, und wenn der für die Fortsetzung des Abonnements nicht ausreicht, werden die Nutzer, die sich längst an die Google-Dienstleistung gewöhnt haben, Protest anmelden. Um das zu vermeiden, werden die Bibliotheken anderswo sparen und zum Beispiel wie seinerzeit wegen der Fachzeitschriften weniger Bücher anschaffen.

Fest steht, dass die Vereinbarung vom Herbst letzten Jahres die digitale Welt verändern wird, weil sie die Macht an eine einzige Firma abtritt. Mit Ausnahme von Wikipedia kontrolliert Google bereits heute einen Großteil der online abgefragten Informationen. Neben dem ursprünglichen „Big Google“ haben wir Google Earth, Google Maps, Google Images, Google Labs, Google Finance, Google Arts, Google Food, Google Sports, Google Health, Google Checkout, Google Alerts. Weitere Google-Unternehmen sind in der Mache. Google Book Search verspricht zur größten Bibliothek und zur größten Buchhandlung zu werden, die je existierten. Wer weiß, ob uns das dem Traum der Aufklärung näher bringen wird.

Hätten die öffentliche Hand und die Bibliotheken in den USA die Digitalisierung von vergriffenen Büchern selbst in Angriff genommen, dann wäre man in Zukunft nicht auf das Wohlwollen eines privaten Monopolisten angewiesen. Die Europäische Union hat jedenfalls – in Reaktion auf das Google-Projekt – mit dem Aufbau einer Europäischen Digitalen Bibliothek begonnen. Europeana, so der Name des Webportals, das bislang vier Millionen Objekte in digitaler Form (Bücher, Zeitungen, Bilder, Videos, Filme, Tonaufnahmen etc.) bereitstellt, soll bis 2010 zu rund zehn Millionen Objekte verlinken.

Man kann nur hoffen, dass die Startschwierigkeiten überwunden werden: Als Europeana im November 2008 offiziell ans Netz ging, fiel es gleich wieder aus. Mit bis zu 10 Millionen Klicks pro Stunde hatte man nicht gerechnet. Die Server waren zu schwach (vgl. Pressemeldung der Europäischen Kommission).

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Abzocke

Samstag, 11. April 2009 18:34

lupeUm von meinem PC das Filmstreaming-Portal kino.to ansteuern zu können, muss ich zunächst einmal den Online-Guard meines Antivirenprogramms ausschalten, der mich vor Websites, wo Abzocke, Viren und Trojaner lauern, schützen soll. Auf Kino.to angekommen, findet man tausende TV-Serien und Kinofilme, klarerweise auch solche, die erst jüngst ins Kino gekommen sind bzw. bei uns noch gar nicht laufen. Die Domainendung „.to“ verweist auf das Königreich Tonga, einen Inselstaat im Südpazifik, nahe der Datumsgrenze gelegen. Deshalb sehen wir hierzulande TV-Bilder von feiernden Insulanern alljährlich am Neujahrstag, dürfen die Tonganer das Neue Jahr doch schon rund 11 Stunden vor uns begrüßen.

Die Server von kino.to sollen sich in Russland befinden, in der Europäischen Union ist ein derartiger Dienst nämlich nicht erlaubt. Die Kids, die das Portal begeistert nutzen, dürfte dies freilich nicht wirklich interessieren. Sehr wohl aber die Art und Weise, wie sich kino.to und andere derartige Portale finanzieren. In einem Bericht von Focus-Online wird nämlich ein typisches Beispiel von Internet-Abzocke angeführt:

Kürzlich wurde Besuchern von Kino.to mit geschickt gestalteten Werbebannern die Vireninfektion des eigenen PCs vorgetäuscht. Ein Klick auf die gefälschte Sicherheitswarnung führte auf eine Website, die dem Nutzer ein kostenloses Anti-Viren-Programm zur Desinfektion des Rechners versprach. Mit der Registrierung schloss das ahnungslose Opfer ungewollt ein Zweijahresabo für 316 Euro ab.“

Aber auch ein anderer bekannter Abzocker ist auf Kino.to aktiv: Im Partnerprogramm des Filmstreaming-Portals scheint nämlich Opendownload.de auf, ein so genannter Downloaddiensteanbeiter, der Gratissoftware auf seinem Server zum Download anbietet, also Software, die im Internet kostenfrei zu kriegen ist, wie etwa Musik- und Videoplayer, der Adobe Acrobat Reader oder die Open Source Software Open Office.
Wer diesen „Dienstleister“ in Anspruch nimmt, also in einem Online-Formular Namen, Adresse etc. hinterlässt, schließt damit gleich einmal ein Jahresabo für 96 Euro ab und verzichtet obendrein auf sein Widerrufsrecht.

Opendownload.de ist zwar schon im Fokus der Konsumentenschützer und der zuständige Minister Rudolf Hundsdorfer hat angekündigt, sich innerhalb der Europäischen Union für schärfere Bestimmungen einzusetzen. Das wird freilich noch länger dauern. Bis dahin können Geschädigte einen vom österreichischen Internet-Ombudsmann zur Verfügung gestellten Musterbrief ausfüllen und per Post (eingeschrieben!) an die in Deutschland ansässige Firma schicken. Dann heißt es cool bleiben und die diversen Mahn- und Drohschreiben mit Gelassenheit ertragen. Irgendwann sollten diese aufhören – so hoff’ ich doch.

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Churnalism

Freitag, 27. März 2009 17:30

searchIn einem Blog-Eintrag berichtet Martin Blumenau über eine Diskussionsveranstaltung, an der auch der Guardian-Journalist Nick Davies teilgenommen hat. Für sein Buch „Flat Earth News“ hat Davies rund 2000 Berichte untersucht, die in englischen Qualitätszeitungen erschienen sind, also nicht in der Boulevardpresse, und dabei festgestellt, dass „über 60 Prozent der Texte ganz oder größtenteils aus Nachrichtenagenturen oder Werbeaussendungen übernommen worden waren – ohne dies aber zu kennzeichnen“, wie er in einem aufschlussreichen Zeit-Interview mit Joachim Riedl festhält.

Dazu eine kleine Geschichte:
Im Zuge einer kleinen Internetrecherche über das Informationsverhalten der „digital natives“ (Marc Prensky) bin ich kürzlich auf die Studie „Information Behaviour of the researchers of the future“ gestoßen, die vor rund einem Jahr erschienen ist. Das Centre for Information Behaviour and the Evaluation of Research (Ciber) am University College in London hat darin im Auftrag der British Library untersucht, wie Schüler mit digitalen Quellen umgehen und wie sie Informationen finden. Die Studienautoren haben zwar festgestellt, dass die sogenannte „Generation Google“ höchst oberflächlich im Netz recherchiere; zugleich halten sie aber auch fest, dass dieses rasche Querlesen von wenigen Suchergebnissen und die Ungeduld bei der Recherche keineswegs nur auf die Kids beschränkt sei, sondern sich bei allen Alters- und Berufsgruppen nachweisen lasse. Und: Die Informationskompetenz der „Generation Google“ sei genauso gut oder schlecht wie jene früheren Generationen!

Bei meiner Recherche fiel mir auf, dass die beiden deutschsprachigen Online-Medien, die über diese Studie kurz berichtet haben, nämlich die Süddeutsche und Die Presse, ihre Infos einer Aussendung der Pressetext-Austria Nachrichtenagentur entnommen haben, in der irrtümlich die Sheffield University als Studienautor angegeben wird. Beide Qualitätszeitungen haben diesen Schwachsinn einfach übernommen – ohne auf die (Desinformations)quelle hinzuweisen.

Davies hat für diese Form des Journalismus den Begriff des „churnalism geprägt, was sich von „to churn out“ (= ausstoßen) ableitet.

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Old kids

Donnerstag, 29. Januar 2009 0:35

illu-crying-babyAls ob ich das wissen wollte: Herr Blumenau mag Herrn Fluch nicht – und vice versa. Das teilen uns die beiden sehr bekannten Musikjournalisten also mit (hier und hier). Nun gut. Nun wissen wir’s.

Angefacht hat die untergriffige Posse Martin Blumenau. Auf seinem FM4-Blog identifiziert er den Standard-Kollegen quasi als das personifizierte Versagen der Print-Pop-(Konzert)-Kritik, ein Versagen, das er in einem „ererbten und unhinterfragten Verzichten auf Kontext, Realität und Verknüpfung“ ortet. Außerdem habe der Herr Kollege „merklich keine Lust, sich mit dem, was er da beschreibt, zu beschäftigen„. Was Wunder, treibe er sich doch „muffig in der letzten Reihe, oder gar in engerem Kontakt mit der Bar“ herum, sodass er nicht „das zentrale Idiom von Pop: den Funken“ mitbekomme.

Der von Blumenau überdies als „Lachnummer“ und „Nestroysche Beamtenfigur“ titulierte Karl Fluch steigt daraufhin in den Ring und sendet einige links-rechts-Kombinationen in des Kollegen Gemächt: Ein „Gutteil aller Texte“ auf Blumenaus-Blog komme daher „wie hoppertatschige Erlebnisaufsätze, insbesondere die so genannten Rezensionen, in denen Sätze wie dieser zu finden sind: „Ein Lied folgte auf das nächste.“ Bei einem Konzert? Echt? Wer hätte das gedacht!

Und so weiter (hier) und so fort (hier) …

Ein Poster (Pseudonym „Sackbauerkarli„) brachte es auf den Punkt:

Kurzfassung
B: ich mag dich nicht
F: ich mag dich auch nicht
B: a bissi mag ich dich schon, aber nur ganz a bissi
F: halts maul!

Kindischer geht’s wohl nimmer!

Thema: Musik | Kommentare (0) | Autor:

Der Unterschied

Mittwoch, 14. Januar 2009 23:39

Nun wusste man, dass der Antisemitismus in Europa nicht verschwunden ist. Aber was sich gegenwärtig an antisemitischen Demonstrationen und Ausschreitungen abspielt, hätte man nicht für möglich gehalten. Und womit beschäftigen sich die meisten Kommentare in den deutschsprachigen Medien? Mit der so genannten „Verhältnismäßigkeit“ der israelischen Antwort auf die islamistischen Bombenwerfer.

Gäbe es nicht auch noch andere Stimmen, man müsste irre werden. Eine davon gehört dem Journalisten Christian Ortner, der seinen wichtigen Kommentar (Die Presse vom 9. Jänner 2009) mit dem Satz beendet:

Nicht Israels Gegenwehr ist unverhältnismäßig, sondern die Kritik an dieser Gegenwehr ist es.

Passend dazu auch der folgende Cartoon:

israel_palestine_cartoon

Einige Blogs, die einen nicht völlig verzweifeln lassen, habe ich meiner Blogroll hinzugefügt.

Thema: Allgemein, Geschichte, Politik | Kommentare (1) | Autor:

Thurnher und das Web

Donnerstag, 18. Dezember 2008 20:24

Vor einigen Jahren fand im Museumsquartier eine Podiumsdiskussion statt. Irgendwie ging’s um neue Medien und Internet, ich kann mich nicht mehr so genau ans Thema erinnern. In Erinnerung blieb mir allerdings der verbale Schlagabtausch zwischen Franz Manola, damals für ORF.at verantwortlich, und Armin Thurnher, damals wie heute Chefredakteur beim Falter. Manola pries die Blogosphäre, sprach von der Macht einzelner Blogger in den USA, und vertrat die Ansicht, Karl Kraus wäre, wenn es ihn denn heutzutage noch gäbe, mit seiner „Fackel“ im Netz.

Thurnher hielt dagegen, Karl Kraus sei der exemplarische Antipode zu den Bloggern. Er sei doch ein Genauigkeitsfanatiker gewesen, der seine Nächte in der Druckerei verbracht und den Setzer zur Verzweiflung gebracht habe, weil ihm ein falsch gesetzter Beistrich genauso so getroffen habe, wie der Verlust eines ganzen Buchmanuskripts. Für Kraus sei eben die Form die Sache gewesen, ein wesentlicher Aspekt, der sich in der Idee des Qualitätsjournalismus widerspiegle. Den Webloggern sei diese Idee allerdings völlig fremd.

Im Lichte dessen ist Armin Thurnhers jüngster Kommentar im Falter mit dem Titel „Warum ich mich weigere, das Internet als Medium wirklich ernst zu nehmen“ nur folgerichtig. (Folgerichtig steht der Kommentar auch nicht im Web.)

Einer der wichtigsten Printjournalisten des Landes hat ein trotziges Anti-Internet-Manifest geschrieben, eine kulturpessimistische Klage gegen das Netz der Netze, das er vor allem als „Kombination von egomanischen Ich-AGs der Blogosphäre mit hemmungslosen Diensteleistern (von Pornoindustrie bis Glückspiel) und Massen von habituellen Selbstvermummern“ zu beschreiben versucht. Nicht nur das Urheberrecht gehe vor die Hunde, sondern auch die vom Bürgertum erkämpfte Freiheit, sich „als Personen offen mit ihrer Identität zu ihren Grundsätzen und Äußerungen (zu) bekennen„, weil „Myriaden von Postern (…) die sich nicht aus der Deckung zu wagen brauchen und hinter Pseudonymen verstecken können„.

Als Beleg für die feigen Poster führt er an, dass alle Internet-Foren heimischer Massenmedien nach Haiders Tod geschlossen werden mussten, weil die anonymen Poster „nicht an sich halten konnten„.

Während ich das schreibe, denke ich, schau’ doch kurz auf Blumenaus FM4-Blog vorbei, der hat sicher schon was dazu geschrieben … Hat er (hier), und für ihn klingt Thurnhers Text „wie die Resolution der Protestversammlung der Kutscher gegen die nahende Dampfeisenbahn„.

Sein Fazit:

Thurnher nennt die Blogs „egomanische Ich-AGs“, ich nenne sie klassisches Geschichtenerzählen, das jedermann zugängliche Äquivalent zum Autoren-Kino. Diese Themenstellung benötigt nichts außer einer plastischen Beschreibung von Erlebtem und der offenen Zurschaustellung von Gedanken.

That’s it, und ob Karl Kraus Blogger gewesen wäre, weiß ich nicht, großes Autorenkino war er aber in jedem Fall. Und übrigens: Die „Fackel“ hängt als digitale Version im Netz. Hier registrieren, und los geht’s.

Thema: Allgemein, Literatur, Politik | Kommentare (4) | Autor:

Internet 2020

Mittwoch, 17. Dezember 2008 0:15

Vor rund zwei Jahren klopfte er an meiner Türe und sollte mir im danach folgenden Gespräch vom Internet im Weltall und von der IMAX-Technikshow mit Liveschaltung nach Stanford, New York und Tokio erzählen, „eine Sache, an der die Amerikaner längst arbeiten„, wie er betonte, und die er in Wien möglichst schnell realisieren wollte.

T. ist ein digitaler Freak, von dem ich, sobald er zu sprechen beginnt, vor allem deshalb so fasziniert bin, weil er ein Bessessener ist, ein Spinner im besten Sinne – und seinen Ausführungen zu folgen, ist Schwerstarbeit. Er trägt seine Argumente rasend schnell und rhetorisch brillant vor, und schafft es spielend, trotz ständiger Abweichungen vom urspünglichen Thema, zu diesem wieder zurückzukehren. Zugleich habe ich dabei immer den Eindruck, dass T. eigentlich schon längst wieder ganz wo anders ist.

Professor für theoretische Physik oder Informatik, vielleicht auch Mathematiker, Spieltheoretiker – in diese Richtung dachte ich. „Wissen Sie, zurzeit lebe ich in Scheidung und habe keinen Job. Die Frau will Geld, das ich nicht habe„, erzählte er mir, so ganz nebenbei, nach dem dritten oder vierten Besuch, ohne in Larmoyanz zu verfallen, sah er doch schon die Lösung für seine familiären Troubles: „Nächste Woche bin ich in San Francisco, mal schauen, was die Burschen so treiben!“ Er meinte damit Silicon Valley, wo er vor einigen Jahren bei einer Internetfirma gearbeitet hatte. Es sollte dann aber doch nichts werden, weil er, wie er mir telefonisch mitteilte, einen Job bei einer Überwachungsfirma angenommen hat, um die Alimente bezahlen zu können. Kaufhausüberwachung im Süden von Wien, den Rucksack gefüllt mit Büchern und Notizheften.

Seither ruft er zwei- bis dreimal die Woche an, ganz kurze Anrufe, in denen er mir mitteilt, was er gerade liest (meistens höhere Mathematik etc.). Wie Twitter-Einträge kommt das rüber.

An T. musste ich denken, als ich auf eine Online-Umfrage stieß, die von ZEIT-Online im Mai 2007 (!) durchgeführt wurde. UserInnen wurden aufgefordert, ihre Visionen zum Internet im Jahre 2020 zu beschreiben. 102 UserInnen haben ihre Zukunftsprognosen übermittelt. Wiewohl solche Prognosen selbstverständlich reiner Holler sind, sind sie lustig zu lesen und geben überdies Auskunft über die UserInnen selbst.

Im Folgenden eine kleine Auswahl der Beiträge von Technikfreaks, Verschwörungstheoretikern, Apokalyptikern, Spinnern, Träumern, Realisten, Futurologen, Soziologen, Esoterikern und Kulturpessimisten – um eine kleine Typologie der Kommentarschreiber vorzunehmen. (Wer alle Kommentare lesen möchte, der klicke hier):

Der Mensch wird sich mehr denn je nach einer Kommunikation ohne technische Hilfsmittel sehnen …

Zugang zu Informationen bleibt den Wohlhabenden vorbehalten. Die Milliardäre bestimmen, was im Netz veröffentlicht werden darf. Nach außen wird eine heile Welt suggeriert und die Leute in der Arbeitswelt schlucken Antidepressiva …

In der herkömmlichen Brille ist ein Galileo Positionserkennungssystem enthalten, das dem Nutzer bei dem Blick auf ein Objekt sofort Informationen in der Brille über jede Sehenswürdigkeit, Restaurant, Diskothek sowie User-Bewertungen, Öffnungszeiten, aktuelle Prospekte des Geschäfts usw. anzeigt. … Vom User unbemerkt, werden durch die Brille regelmäßige Scans der Personen in der Umgebung durchgeführt und mit einer Datenbank des BKA abgeglichen. Durchschnittlich wird jede Person ca. 1000 mal am Tag gescannt.

Im Jahr 2020 wird das Netz aus dem Computer gegangen sein. Stattdessen wird Usern ein kleiner Chip in der Fußsohle eingepflanzt. Über die menschlichen Nervenbahnen werden nun die Gedanken online zu Metazentren geschickt, wo ein anderer User auf Wunsch durch die Augen eines anderen Users live sich an irgendeinem Platz der Welt einlinken kann und dort die Geschehnisse live verfolgen kann …

Jeder PC mit Webcam/Mikrophon/Personenscanner und Dauer-Anti-Terror-Kontrolle. Ausschalten strafbar! Die großen Medienkonzerne haben nun auch die Meinungsbildung im Internet unter ihrer Kontrolle, Werbung überall. Es herrscht eine lückenlose Datenüberwachung durch den Staat, Anonymität wird verboten. Konzerne wie Google und westliche Wertvorstellungen bestimmen die Zensur …

PC, Internet, TV und Telefon sind endgültig verschmolzen und mobil. Geräte in der Größe eines heutigen Handys sind Beamer und Laser-Keyboard …

Wie nie zuvor ist vor allem im Netz die Kontinuität von Vergangenheit und Zukunft gebrochen. Wir können nur sicher sein, dass wir nicht sicher sein können, ob irgendwas von dem, was wir als vergangen erinnern, in der Zukunft so bleiben wird, wie es war …

Nach der Verbannung der Pornografie aus dem Internet im Jahr 2016 verliert die Menschheit schlagartig das Interesse an der virtuellen Welt und wandert mehr und mehr ab. Schließlich existiert online nur noch eine einzige, letzte Seite: www.bringtdiePornographiezurück.com …

Gegenwärtig können nur kleine Bausteine der Natur teleportiert werden. Woran man nicht denkt, aber was allmählich zur Realität wird, ist der fortschreitende zur Teleportation der Menschen führende Prozess. Die zweite Realität, die Kopie unserer Welt, die in Form von Bildern auf den Servern hochgeladen wird, wird den Zugriff zu jedem Ort auf unserer Welt ermöglichen. Es reicht nur eine Brille aufzusetzen, um das Korallenriff oder wilde Natur eines Urwaldes zu bewundern …

Das Internet wird eines Tages in Verbindung mit Neurochips erlauben, sämtliche Informationen direkt ins Hirn zu laden (ähnlich, wie in Matrix, wobei das Internet selber der Operator sei) – entscheidend ist nur der Speicherplatz der Chips: Wissen wird also nicht durch Lernen vermittelt werden, sondern per Knopfdruck.

Realität und Virtualität verschmelzen. Wir tragen Cyberbrillen, über die wir jederzeit Informationen aus dem Web zu jedem Ort, jedem Gegenstand, jeder Person abrufen können. Wie heißt die nette junge Dame auf der anderen Straßenseite? Sie ist Single? Was sind ihre Hobbys und Leidenschaften, ich möchte sie ansprechen! …

2 Online-Welten: Eine Business (sauber, sicher aber teuer und total überwacht), der andere Rest (frei, billig aber unsicher und voll mit digitalem Müll).

Wir werden kybernetische Organismen sein die direkt von Hirn zu Hirn miteinander kommunizieren können. Das Hirn wird Server, Client, Protokoll und Benutzerschnittstelle in einem sein. Die 3D Bilder entstehen in unserem Kopf, wie ein gesteuerter Traum.

Und das hätte T. antworten können:

Internet 2020 – global für alle Menschen verfügbar, außerdem verlinkt mit Mond- und Orbitalstationen. Zugang über externe Geräte (Bildschirme) ebenso möglich wie über Körper-Implantate. Man kann via interaktiver Simulation alles lernen, das macht herkömmliche Bildungswege überflüssig …

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