Bundeszentrale für politische Bildung

Das Webportal der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) ist eine der besten Informationsquellen im Internet. Wie überhaupt die seit 1952 bestehende Einrichtung, die über ein dichtes Netzwerk aus Landeszentralen, Bildungseinrichtungen und –trägern verfügt, offenbar seit einigen Jahren hervorragende Arbeit im Bereich politischer Bildung leistet – eine vergleichbare Einrichtung existiert in Österreich schlicht und ergreifend nicht.

Anfänglich verstand sich die Bundeszentrale für Heimatdienst, so der ursprüngliche Name, als ideologisches Bollwerk gegen den Kommunismus – die tatkräftige Mitarbeit ehemaliger Nazis in den 50-er und 60-er Jahre, aber auch noch später, verwundert daher nicht wirklich. Seit 1963 führt die Einrichtung, die eine nach geordnete Behörde des Bundesministeriums des Inneren ist, den heutigen Namen. Den historischen Hintergrund dieser Einrichtung hat die Politologin Gudrun Hentges erforscht.

Ich habe vor allem aus dem umfangreichen Publikationsangebot der BPB schon oftmals Gebrauch gemacht. Speziell die Schriftenreihe mit ihren Themenschwerpunkten Geschichte, Wirtschaft, Gesellschaft, Innenpolitik, internationale Politik, Politische Grundfragen und Medien, die Bücher zum Superpreis (für 2 bis 6 Euro) umfasst – easy Bestellung und Bezahlung nach superschneller Lieferung mit Erlagschein – ist höchst empfehlenswert.

Und, wie eingangs gesagt, das Webportal ist mit seinen Dossiers zu wichtigen historischen Ereignissen, aktuell etwa zu 1968, eine wahre Fundgrube.

Google oder wie die Suchmaschine mit uns Geld verdient

Es gibt Tage, die historische Einschnitte markieren, bisweilen sogar Epochenwenden einläuten, unabhängig davon, ob sie sich später in Geschichtsbüchern wider finden oder nicht. Der 7. September 1998 muss wohl als ein solcher gesehen werden, weil an diesem Tag die beiden Stanford-Studenten Larry Page und Sergey Brin ihre Testversion der Suchmaschine Google online gestellt haben. Im Verlauf von nicht einmal zehn Jahren sind nicht nur die Konten der Beiden und der Google-Aktionäre explosionsartig in die Höhe geschossen, sondern es hat sich eine neue Ökonomie etabliert, die erst durch die Suchmaschine und deren Funktionsweise ermöglicht wurde, und die in Google selbst einen ihrer größten Profiteure kennt.

Wie dieses Geschäftsmodell, das mittlerweile von vielen im Netz agierenden Unternehmen mehr oder weniger kopiert wird, im Detail funktioniert, beschreibt der Technologie-Journalist Nicholas G. Carr in einem höchst informativer Artikel in „Strategie + Business“, auf den ich im Perlentaucher aufmerksam gemacht wurde. Obzwar Carr gleich eingangs festhält, dass das Neue an Google gar nicht so neu sei, werde doch überwiegend durch Verkauf und Platzierung von Werbung Geld verdient, lohnt es die bahnbrechende Innovation der Google-Gründer näher zu betrachten, weil sie eine wichtige Voraussetzung bildet für das, was sich im Netz tummelt – für die großen Verkaufsportale wie Amazon oder eBay ebenso, wie für viele Web 2.0 Anwendungen.
Diese Innovation, so schreibt Carr, ist eine dreifache gewesen. Erstens haben die Google-Gründer die Struktur des Internets, den Hypertext, zum zentralen Kriterium ihrer Suchabfrage gemacht. Herkömmliche Suchmaschinen haben das Web nach Suchwörtern abgegrast. Googles’ Maschinen hingegen durchforsten das Web nach Links, wobei das Ergebnis der Suche, das Ranking, von der Anzahl der Linkverweise auf eine bestimmte Website maßgeblich bestimmt wird.
Die zweite Neuerung bestand darin, dass Google intelligente, eigens fürs Web konzipierte Werbeformen anbot (Adsense/Adwords), mit denen nicht nur Google Geld verdient, sondern – das nötige Know-How vorausgesetzt – potentiell jeder Nutzer. Dieser Aspekt wird in den gängigen Beschreibungen über die Funktionsweise von Google übergangen, da sie sich zumeist auf, no na, nicht zu unterschätzende Gefahren, die mit dem de facto Monopol verbunden sind, beschränken. Somit werden aber auch die Möglichkeiten übersehen, mit Google Geld zu verdienen, auch für den „kleinen“ Blogger. Die dritte Innovation betrifft die Geschwindigkeit, mit dem die Suchergebnisse ausgeworfen werden – ermöglicht durch ein über die ganze Welt verstreutes, tausende Hochleistungsrechner umfassendes Server- und Datennetz.

Was ich besonders beachtenswert finde, ist die Tatsache, dass bei jeder Suchabfrage, Daten generiert werden. Nun sind Daten bereits heute ein wichtiges Produktionsmittel. In Zukunft werden sie vielleicht sogar das Wichtigste sein. Es überrascht denn auch nicht, wenn Eric Schmidt, CEO von Google, in einem Interview mit der Financial Times davon spricht, dass man in noch größerem Umfang Nutzerdaten generieren wird, als bisher, um dem Einzelnen sagen zu können, welcher Job für ihn passend sei oder wie er seine Freizeit am Sinnvollsten verbringen könnte.

Das wahre Geheimnis des Erfolges von Google, aber auch von Unternehmen wie Amazon, besteht darin, dass sie „die kollektive Intelligenz der Nutzer für sich arbeiten lassen„, wie das der im Silicon Valley ansässige Trendforscher Tim O’Reilly, der Erfinder des Begriffs Web 2.0, in einem Zeit-Interview auf den Punkt gebracht hat – und ohne dass die Nutzer das auch merken, müsste man hinzufügen.

Gemäß dem Diktum von Brecht, wonach es gelte, sich ans schlechte Neue zu halten und nicht ans gute Alte, werde ich mich nun eingehender mit jenen Strategien beschäftigen, die ich brauche, damit nicht nur Google mit mir, sondern auch ich mit Google, Geld verdienen kann.

Bücherbörse

In Wien findet seit etlichen Jahren, in Abständen von drei bis vier Monaten, eine Bücherbörse statt, also kein Flohmarkt für Bücher, sondern der größte Markt für gebrauchte und antiquarische Bücher in Österreich. Leser und Sammler von Büchern können gegen eine Eintrittsgebühr von 3 Euro in einem zigtausende Bücher umfassenden Angebot stöbern, das von antiquarischen Kostbarkeiten bis zu billigen Taschenbüchern reicht, und von professionellen Händlern, aber auch von privaten Anbietern bereit gestellt wird. Da ich mich beim ersten Besuch einer Bücherbörse in eine Liste eingetragen habe, bekomme ich immer rechtzeitig einen Flyer mit Infos zur jeweils nächsten Veranstaltung. Über die Jahre bin ich somit zu einem Stammgast der Bücherbörsen geworden. Als Veranstaltungsort fungierte immer ein mittelgroßer Saal der Wiener Stadthalle oder des Austria Centers.

Seit längerer Zeit fand sich kein derartiger Flyer mehr in meinem Briefkasten, was ich mir aber mit dem in letzter Zeit auffallend schlechter gewordenen Zustellservice der Österreichischen Post erklärte. Ich war daher auch nicht sonderlich überrascht, am Praterstern ein Plakat zu sehen, das die nächste Bücherbörse für den 13. Jänner ankündigte. Der Ort hat mich allerdings verwundert: Arcotel Wimberger stand da zu lesen, ein altes und in den 1990-er Jahren modernisiertes Hotel am Neubaugürtel.

Der Ort ist Programm, dachte ich mir, als ich durch die Drehtür in die Hotellobby eintrat. Keine Portiere, wie in der Stadthalle, an denen man acht- und grußlos vorbeiging, aus Erfahrung wissend, dass ein „Guten Tag“ unerwidert bleibt, sondern servicegeschultes Hotelpersonal, das mich als Gast freundlich willkommen heißt, ein gegenseitiges Einverständnis voraussetzend, dass hier nichts kostenlos zu haben ist. Ich zahlte die 3 Euro Eintrittsgebühr und machte mich auf zu einem ersten Rundgang. Als ich den fensterlosen und nur spärlich ausgeleuchteten Saal betrat, fiel mir sofort auf, dass nicht nur wesentlich weniger Tische vorhanden waren, als bei früheren Bücherbörsen, sondern dass auch nicht so viele am Angebot Interessierte gekommen waren. Trotzdem war an ein lustvolles Stöbern und Schmöckern nicht zu denken, weil die Tische viel zu eng platziert waren. Aber, ich befand mich ja in einem Hotel, und in der Hotelbar gab’s eine wirklich gute Melange und eine frische Zimtschnecke. Nach einer halben Stunde Auszeit im weichen Fauteuil kehrte ich zu den Büchern zurück. Da sich mittlerweile noch weniger Leute als vorher im Raum befanden, konnte ich mir, ohne geschoben oder gerempelt zu werden, rasch einen Überblick über das Angebot verschaffen. Ich erwarb „Jedermann“ von Philipp Roth, eine 2007 erschienene Biographie über William Shakespeare und einen Nesser-Krimi – allesamt im Hardcover, fast wie neu und zusammen für 15 Euro. Leserherz was willst du mehr, könnte man sagen.

Dennoch fällt die Bilanz ambivalent aus: Ob es sich für die Organisatoren wirklich gelohnt hat, ins Viersternehotel upzugraden oder ob sich derartige Veranstaltungen nicht bereits überholt haben, weil sich mit Amazon und eBay neue und vergleichsweise konkurrenzlose Vertriebs- und Verkaufsplattformen auch für gebrauchte Bücher auftaten, wird sich wohl bald zeigen. Vielleicht schon am 20. April. Dann soll, wie ich dem Flyer, der mir beim Verlassen in die Hand gedrückt wurde, entnehmen konnte, die nächste Bücherbörse über die Bühne gehen – wieder im Hotel Wimberger.

P.S. Im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass die Bücherbörse jetzt von einem anderen Veranstalterteam organisiert wird. Hier findet man die Infos dazu.