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Urheberrecht verhindert Kreativität

Montag, 17. Januar 2011 18:32

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Der Künstler Shepard Fairey hat ein Foto des Associated Press Fotografen Mannie Garcia im Stile Andy Warhols bearbeitet, mit dem Schriftzug „Hope“ versehen und den PR-Strategen Obamas für den Präsidentschaftswahlkampf 2008 überlassen. Associated Press hat daraufhin wegen Verletzung des Copyrights geklagt. Der Rechtsstreit, der sich über mehrere Jahre hinzog, wurde am 13. Jänner 2011, also vor wenigen Tagen, außergerichtlich bereinigt, höchst überraschend überdies: Fairey wird die Tantiemen aus dem „Hope„-Poster mit der Nachrichtenagentur teilen und zugleich eine Posterserie produzieren – unter Verwendung von AP-Fotos. Das Original des „Hope„-Posters befindet sich mittlerweile im Bestand der Washingtoner National Portrait Gallery.

Im Rahmen einer vom SPÖ-Parlamentsklub organisierten Enquete zum Thema Neue Netzpolitik hat der deutsche Urheberrechtsexperte Till Kreutzer auch die „Hope„-Story zum Anlass genommen, um auf die Notwendigkeit einer völligen Überarbeitung des herrschenden Urheberrechtssystems (im Sinne einer Anpassung an die neuen digitalen Realitäten) hinzuweisen. Kreutzer, der seine Expertise auch als Mitarbeiter des Urheberrechts-Webportals iRights.info allen Interessierten zur Verfügung stellt, sieht die bestehenden Regeln vor allem als protektionistische Maßnahmen für analoge Geschäftsmodelle, deren Profiteure überwiegend die Verwerter und nicht die Kreativen seien.

Dass aber die Verteidiger des technologisch und gesellschaftlich Überholten nach wie vor den öffentlichen Diskurs über weite Stecken dominieren, zeigt sich nicht nur im Musik- und Filmbereich. Ein vor kurzem veröffentlichter Aufruf der IG Autorinnen Autoren, der Literar-Mechana und des Verlegerverbandes („Wer das Urheberrecht hat„) illustriert die Ignoranz der Proponenten gegenüber technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Der Aufruf, im Grunde ein Anti-Google und Anti-Internet-Manifest ohne Google oder das Internet beim Namen zu nennen („Interessen weltweit agierender Unternehmen in der digitalen Datensammlungs- und Datenverwertungswirtschaft (…) die an Kunst und Kultur nicht weiter interessiert sind, sondern nur an den Möglichkeiten, aus Nachnutzungen bereits bestehender Werke für sich Gewinn zu schlagen„), kann nur als Kapitulation der Interessensvertretung vor dem kreativen Potential der digitalen Technologien gewertet werden.

Wie viele Autorinnen und Autoren werden wohl den Kultur-Neugebauers Folge leisten?

Thema: Fotografie, Geschichte, Literatur, Politik | Kommentare (0) | Autor:

Internet 2020

Mittwoch, 17. Dezember 2008 0:15

Vor rund zwei Jahren klopfte er an meiner Türe und sollte mir im danach folgenden Gespräch vom Internet im Weltall und von der IMAX-Technikshow mit Liveschaltung nach Stanford, New York und Tokio erzählen, „eine Sache, an der die Amerikaner längst arbeiten„, wie er betonte, und die er in Wien möglichst schnell realisieren wollte.

T. ist ein digitaler Freak, von dem ich, sobald er zu sprechen beginnt, vor allem deshalb so fasziniert bin, weil er ein Bessessener ist, ein Spinner im besten Sinne – und seinen Ausführungen zu folgen, ist Schwerstarbeit. Er trägt seine Argumente rasend schnell und rhetorisch brillant vor, und schafft es spielend, trotz ständiger Abweichungen vom urspünglichen Thema, zu diesem wieder zurückzukehren. Zugleich habe ich dabei immer den Eindruck, dass T. eigentlich schon längst wieder ganz wo anders ist.

Professor für theoretische Physik oder Informatik, vielleicht auch Mathematiker, Spieltheoretiker – in diese Richtung dachte ich. „Wissen Sie, zurzeit lebe ich in Scheidung und habe keinen Job. Die Frau will Geld, das ich nicht habe„, erzählte er mir, so ganz nebenbei, nach dem dritten oder vierten Besuch, ohne in Larmoyanz zu verfallen, sah er doch schon die Lösung für seine familiären Troubles: „Nächste Woche bin ich in San Francisco, mal schauen, was die Burschen so treiben!“ Er meinte damit Silicon Valley, wo er vor einigen Jahren bei einer Internetfirma gearbeitet hatte. Es sollte dann aber doch nichts werden, weil er, wie er mir telefonisch mitteilte, einen Job bei einer Überwachungsfirma angenommen hat, um die Alimente bezahlen zu können. Kaufhausüberwachung im Süden von Wien, den Rucksack gefüllt mit Büchern und Notizheften.

Seither ruft er zwei- bis dreimal die Woche an, ganz kurze Anrufe, in denen er mir mitteilt, was er gerade liest (meistens höhere Mathematik etc.). Wie Twitter-Einträge kommt das rüber.

An T. musste ich denken, als ich auf eine Online-Umfrage stieß, die von ZEIT-Online im Mai 2007 (!) durchgeführt wurde. UserInnen wurden aufgefordert, ihre Visionen zum Internet im Jahre 2020 zu beschreiben. 102 UserInnen haben ihre Zukunftsprognosen übermittelt. Wiewohl solche Prognosen selbstverständlich reiner Holler sind, sind sie lustig zu lesen und geben überdies Auskunft über die UserInnen selbst.

Im Folgenden eine kleine Auswahl der Beiträge von Technikfreaks, Verschwörungstheoretikern, Apokalyptikern, Spinnern, Träumern, Realisten, Futurologen, Soziologen, Esoterikern und Kulturpessimisten – um eine kleine Typologie der Kommentarschreiber vorzunehmen. (Wer alle Kommentare lesen möchte, der klicke hier):

Der Mensch wird sich mehr denn je nach einer Kommunikation ohne technische Hilfsmittel sehnen …

Zugang zu Informationen bleibt den Wohlhabenden vorbehalten. Die Milliardäre bestimmen, was im Netz veröffentlicht werden darf. Nach außen wird eine heile Welt suggeriert und die Leute in der Arbeitswelt schlucken Antidepressiva …

In der herkömmlichen Brille ist ein Galileo Positionserkennungssystem enthalten, das dem Nutzer bei dem Blick auf ein Objekt sofort Informationen in der Brille über jede Sehenswürdigkeit, Restaurant, Diskothek sowie User-Bewertungen, Öffnungszeiten, aktuelle Prospekte des Geschäfts usw. anzeigt. … Vom User unbemerkt, werden durch die Brille regelmäßige Scans der Personen in der Umgebung durchgeführt und mit einer Datenbank des BKA abgeglichen. Durchschnittlich wird jede Person ca. 1000 mal am Tag gescannt.

Im Jahr 2020 wird das Netz aus dem Computer gegangen sein. Stattdessen wird Usern ein kleiner Chip in der Fußsohle eingepflanzt. Über die menschlichen Nervenbahnen werden nun die Gedanken online zu Metazentren geschickt, wo ein anderer User auf Wunsch durch die Augen eines anderen Users live sich an irgendeinem Platz der Welt einlinken kann und dort die Geschehnisse live verfolgen kann …

Jeder PC mit Webcam/Mikrophon/Personenscanner und Dauer-Anti-Terror-Kontrolle. Ausschalten strafbar! Die großen Medienkonzerne haben nun auch die Meinungsbildung im Internet unter ihrer Kontrolle, Werbung überall. Es herrscht eine lückenlose Datenüberwachung durch den Staat, Anonymität wird verboten. Konzerne wie Google und westliche Wertvorstellungen bestimmen die Zensur …

PC, Internet, TV und Telefon sind endgültig verschmolzen und mobil. Geräte in der Größe eines heutigen Handys sind Beamer und Laser-Keyboard …

Wie nie zuvor ist vor allem im Netz die Kontinuität von Vergangenheit und Zukunft gebrochen. Wir können nur sicher sein, dass wir nicht sicher sein können, ob irgendwas von dem, was wir als vergangen erinnern, in der Zukunft so bleiben wird, wie es war …

Nach der Verbannung der Pornografie aus dem Internet im Jahr 2016 verliert die Menschheit schlagartig das Interesse an der virtuellen Welt und wandert mehr und mehr ab. Schließlich existiert online nur noch eine einzige, letzte Seite: www.bringtdiePornographiezurück.com …

Gegenwärtig können nur kleine Bausteine der Natur teleportiert werden. Woran man nicht denkt, aber was allmählich zur Realität wird, ist der fortschreitende zur Teleportation der Menschen führende Prozess. Die zweite Realität, die Kopie unserer Welt, die in Form von Bildern auf den Servern hochgeladen wird, wird den Zugriff zu jedem Ort auf unserer Welt ermöglichen. Es reicht nur eine Brille aufzusetzen, um das Korallenriff oder wilde Natur eines Urwaldes zu bewundern …

Das Internet wird eines Tages in Verbindung mit Neurochips erlauben, sämtliche Informationen direkt ins Hirn zu laden (ähnlich, wie in Matrix, wobei das Internet selber der Operator sei) – entscheidend ist nur der Speicherplatz der Chips: Wissen wird also nicht durch Lernen vermittelt werden, sondern per Knopfdruck.

Realität und Virtualität verschmelzen. Wir tragen Cyberbrillen, über die wir jederzeit Informationen aus dem Web zu jedem Ort, jedem Gegenstand, jeder Person abrufen können. Wie heißt die nette junge Dame auf der anderen Straßenseite? Sie ist Single? Was sind ihre Hobbys und Leidenschaften, ich möchte sie ansprechen! …

2 Online-Welten: Eine Business (sauber, sicher aber teuer und total überwacht), der andere Rest (frei, billig aber unsicher und voll mit digitalem Müll).

Wir werden kybernetische Organismen sein die direkt von Hirn zu Hirn miteinander kommunizieren können. Das Hirn wird Server, Client, Protokoll und Benutzerschnittstelle in einem sein. Die 3D Bilder entstehen in unserem Kopf, wie ein gesteuerter Traum.

Und das hätte T. antworten können:

Internet 2020 – global für alle Menschen verfügbar, außerdem verlinkt mit Mond- und Orbitalstationen. Zugang über externe Geräte (Bildschirme) ebenso möglich wie über Körper-Implantate. Man kann via interaktiver Simulation alles lernen, das macht herkömmliche Bildungswege überflüssig …

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Google oder wie die Suchmaschine mit uns Geld verdient

Mittwoch, 16. Januar 2008 16:47

Es gibt Tage, die historische Einschnitte markieren, bisweilen sogar Epochenwenden einläuten, unabhängig davon, ob sie sich später in Geschichtsbüchern wider finden oder nicht. Der 7. September 1998 muss wohl als ein solcher gesehen werden, weil an diesem Tag die beiden Stanford-Studenten Larry Page und Sergey Brin ihre Testversion der Suchmaschine Google online gestellt haben. Im Verlauf von nicht einmal zehn Jahren sind nicht nur die Konten der Beiden und der Google-Aktionäre explosionsartig in die Höhe geschossen, sondern es hat sich eine neue Ökonomie etabliert, die erst durch die Suchmaschine und deren Funktionsweise ermöglicht wurde, und die in Google selbst einen ihrer größten Profiteure kennt.

Wie dieses Geschäftsmodell, das mittlerweile von vielen im Netz agierenden Unternehmen mehr oder weniger kopiert wird, im Detail funktioniert, beschreibt der Technologie-Journalist Nicholas G. Carr in einem höchst informativer Artikel in „Strategie + Business“, auf den ich im Perlentaucher aufmerksam gemacht wurde. Obzwar Carr gleich eingangs festhält, dass das Neue an Google gar nicht so neu sei, werde doch überwiegend durch Verkauf und Platzierung von Werbung Geld verdient, lohnt es die bahnbrechende Innovation der Google-Gründer näher zu betrachten, weil sie eine wichtige Voraussetzung bildet für das, was sich im Netz tummelt – für die großen Verkaufsportale wie Amazon oder eBay ebenso, wie für viele Web 2.0 Anwendungen.
Diese Innovation, so schreibt Carr, ist eine dreifache gewesen. Erstens haben die Google-Gründer die Struktur des Internets, den Hypertext, zum zentralen Kriterium ihrer Suchabfrage gemacht. Herkömmliche Suchmaschinen haben das Web nach Suchwörtern abgegrast. Googles’ Maschinen hingegen durchforsten das Web nach Links, wobei das Ergebnis der Suche, das Ranking, von der Anzahl der Linkverweise auf eine bestimmte Website maßgeblich bestimmt wird.
Die zweite Neuerung bestand darin, dass Google intelligente, eigens fürs Web konzipierte Werbeformen anbot (Adsense/Adwords), mit denen nicht nur Google Geld verdient, sondern – das nötige Know-How vorausgesetzt – potentiell jeder Nutzer. Dieser Aspekt wird in den gängigen Beschreibungen über die Funktionsweise von Google übergangen, da sie sich zumeist auf, no na, nicht zu unterschätzende Gefahren, die mit dem de facto Monopol verbunden sind, beschränken. Somit werden aber auch die Möglichkeiten übersehen, mit Google Geld zu verdienen, auch für den „kleinen“ Blogger. Die dritte Innovation betrifft die Geschwindigkeit, mit dem die Suchergebnisse ausgeworfen werden – ermöglicht durch ein über die ganze Welt verstreutes, tausende Hochleistungsrechner umfassendes Server- und Datennetz.

Was ich besonders beachtenswert finde, ist die Tatsache, dass bei jeder Suchabfrage, Daten generiert werden. Nun sind Daten bereits heute ein wichtiges Produktionsmittel. In Zukunft werden sie vielleicht sogar das Wichtigste sein. Es überrascht denn auch nicht, wenn Eric Schmidt, CEO von Google, in einem Interview mit der Financial Times davon spricht, dass man in noch größerem Umfang Nutzerdaten generieren wird, als bisher, um dem Einzelnen sagen zu können, welcher Job für ihn passend sei oder wie er seine Freizeit am Sinnvollsten verbringen könnte.

Das wahre Geheimnis des Erfolges von Google, aber auch von Unternehmen wie Amazon, besteht darin, dass sie „die kollektive Intelligenz der Nutzer für sich arbeiten lassen„, wie das der im Silicon Valley ansässige Trendforscher Tim O’Reilly, der Erfinder des Begriffs Web 2.0, in einem Zeit-Interview auf den Punkt gebracht hat – und ohne dass die Nutzer das auch merken, müsste man hinzufügen.

Gemäß dem Diktum von Brecht, wonach es gelte, sich ans schlechte Neue zu halten und nicht ans gute Alte, werde ich mich nun eingehender mit jenen Strategien beschäftigen, die ich brauche, damit nicht nur Google mit mir, sondern auch ich mit Google, Geld verdienen kann.

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