Erregung über Handke

Als der Essay, Gerechtigkeit für Serbien. Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa, in der Süddeutschen Zeitung (in zwei Teilen, am 5./6. und am 13./14. Jänner 1996) erschienen ist, habe ich das nicht wahrgenommen, aber das Erscheinen in Buchform (Februar 1996) blieb mir nicht mehr verborgen und ich habe das Buch dann im Frühling desselben Jahres gelesen, folglich zu einer Zeit, als das Getöse im Feuilleton schon etwas abgeflaut war, wobei dieses, im Vergleich zum Social-Media-Gemeuchle von Heute, beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich ging. In meinen Unterlagen findet sich folgender Eintrag von damals (März 1996):

Die Empörung der journalistischen Zunft gegen den Essay von Peter Handke, der eine Reise nach Serbien zum Thema hat, liegt meines Erachtens nach nur zum Teil an den Inhalten, auch wenn die fundamentale Kritik an den »Fernfuchtlern«, wie er die Journalisten bezeichnet, an ihrer Sprache, ihren Bildern und Urteilen über den Jugoslawienkrieg, diese sicherlich nicht entzückte. Ich denke, was diese noch viel stärker in Erregung versetzte, ist die literarische Form, in der Handke seine Kritik »öffentlich« zum Ausdruck bringt, noch dazu im journalistischen Feld, in der Zeitung. Diese poetische Form ermöglicht auch einen anderen Blick auf die mediale Darstellung des Jugoslawienkrieges, der, wie jeder Krieg – jenseits des Schreckens auf den Schlachtfeldern – immer ein Krieg der Bilder ist. Handkes bedächtig vorgetragener, aber beharrlicher Blick ist ein gänzlich unjournalistischer Blick. Seine poetischen Betrachtungen von serbischen (jugoslawischen) Dörfern und Flusslandschaften, seine Beschreibungen von Begegnungen mit Menschen, die er trifft, von der Versorgungslage mit Lebensmitteln und sonstigen Gütern, sind Streifzüge durch die Peripherie, keine Frontbesuche, diese Bilder sind Kontrastbilder zu den medialen Bildern, die in den Zeitungsredaktionen und Fernsehstudios in Wien, Berlin und Paris und sonst wo in Europa fabriziert werden, und diese Bilder kommen, im Gegensatz zu jenen, gänzlich ohne Schuldzuweisungen aus. Handkes »Skandal« besteht darin, dass er den besserwisserischen Welterklärern in der Rolle des Dichters entgegentritt und diese mit scheinbar naiven Fragen konfrontiert. Dass das Ganze zum Furor gegen ihn geworden ist, hängt damit zusammen, dass er sein Entgegentreten immer nur als dichtender Akteur praktiziert, also immerzu auf seinen Text verweist, und sich jedweder Debatte verweigert, weil er diese als zutiefst verlogene (der einzig Schuldige steht längst fest) erkannt hat. Wenn Handke bei der Lesung im Akademietheater mit anschließender Publikumsbeteiligung auf die Äußerung eines Mannes aus dem Publikum, wäre er in Sarajevo gewesen, wäre er wohl »betroffener«, diesem ein »stecken sie sich ihre Betroffenheit in den Arsch« entgegenschleudert, dann manifestiert sich darin nicht nur die trotzige Haltung eines Mannes, dem vorgeworfen wird, in einem Bürgerkrieg Partei für die falsche Seite ergriffen zu haben, sondern auch das Wissen, dass jene, die ihm Parteilichkeit anlasten, von Anbeginn an kein Interesse an Jugoslawien, an den Motiven und Gründen und den Folgen des Krieges hatten und einzig die Serben für das Schlachten verantwortlich machen. Seine Wut auf dieses moralische Heuchlertum ist mehr als nachvollziehbar.

Soweit mein Eintrag aus jenen Tagen der Erregung, erkennbar auch im Erregungszustand zu Papier gebracht.

Jetzt fand ich das Transkript dieses Abends im Akademietheater (18. März 1996), von Konkret Online unter dem schönen Titel Handke und die Arschlöcher ins Netz gestellt (und mittlerweile leider herunter genommen) auf den ich dereinst Bezug genommen habe – da ich nicht dort war, kannte ich nur jene Passagen, die dann im Fernsehen zu sehen waren. So erfahre ich jetzt, was ich auch nicht wusste (wohl vergessen habe), dass es – nach der Lesung aus dem Text Gerechtigkeit für Serbien – ein anschließendes Gespräch zwischen den drei Peters (Turrini, Huemer und eben Handke) und dem Publikum gegeben hat. Handke, das kann man in einem kurzen Ausschnitt in einem YouTube-Video von diesem Abend sehen, geht auf der Theaterbühne hin und her, und er wirkt angesichts der Fragen aus dem Publikum (Warum er nicht nach Bosnien gefahren ist? Nicht nach Sarajewo? Warum nach Serbien?) zunehmend gereizt und angewidert. Grandioser Schluss: Auf den Vorhalt aus dem Publikum, so könne er sich nicht verhalten, er befinde sich doch im »öffentlichen Raum«, antwortet Handke: »So geht das!«

All die achtlos hingeworfenen oder in böswilliger Absicht verbreiteten Unterstellungen (zB Genozidleugner, Geschichtsrevisionist, etc.), die sich seit der Bekanntgabe und rund um die Vergabe des Literaturnobelpreises an Peter Handke in diversen Kommentaren – von den Infamien in den Social Media Plattformen ganz zu schweigen – in deutschsprachigen und internationalen Medien finden, sollte man am besten mit Nichtbeachtung strafen, und sich darüber freuen, dass es auch andere Stimmen gibt, die zwar nicht so laut sind, aber doch hörbar vernommen werden können (zB der Offene Brief Österreichischer Literaten, in dem diese die »Anti-Handke-Propaganda« verurteilen oder ein großartiger Standard-User-Blog-Kommentar von Ortwin Rosner, der das Grundübel der sogenannten Debatte auf den Punkt bringt: Viele können nicht lesen bzw. wollen offenbar immer nur eine eindeutige Lesart akzeptieren und sind unfähig, Ambivalenzen auszuhalten!) und vor allem Handke im Original (nach)lesen.


Gelassen bleiben

Beim Stöbern in alten Unterlagen fand ich einen Zettel, auf den ich u.a. folgenden Satz notiert hatte: »Turrini sagt, bei Im Gespräch bei Huemer, ihm sei die Welt abhandengekommen (Februar 1993)«.

Da ich null Erinnerung an dieses Gespräch hatte, recherchierte ich im Netz und bin auf der Website der Österreichischen Mediathek fündig geworden. Es fand im Rahmen der Ö1-Sendereihe Im Gespräch statt, kurz nach der Uraufführung von Peter Turrinis Stück Alpenglühen am Burgtheater in der Inszenierung von Claus Peymann. Der Autor schildert sehr eindringlich, dass er sich angesichts der »Widergabe der Realität in den Medien« zunehmend außerstande sehe, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. In diesem Sinne, aber auch, wie er eingestand, angesichts des Verlustes an politischen Konzepten infolge des Zusammenbruchs des Kommunismus, sei ihm »die Welt abhandengekommen«. Er erzählt vom Aufwachsen in einer »bildlosen Welt«. Um begreifen zu können, was um ihn herum vorging, musste er sich selbst Bilder ausdenken, weil es – außer den Nazibildern – keine Bilder gab, weder politische, noch aufklärerische, noch soziologische Bilder. »Um mich herum war nur Schweigen.« Als er in einem Wirtshaus die Erstausstrahlung des Der Herr Karl von Qualtinger/Merz sehen konnte, habe das zu seiner Politisierung beigetragen. Auch an Bilder aus dem Vietnamkrieg könne er sich noch ganz genau erinnern. Jetzt sei das völlig anders: Er könne Bilder aus dem Jugoslawienkrieg nicht mehr sehen, weil er weder als politischer Mensch, noch als Konsument darauf adäquat reagieren könne, löse sich in dieser Bilderflut doch alles auf und verkomme jedwede kritische Äußerung auf einen Impuls. »Welche Wirkung hat es noch, wenn die kritische Aussage zwischen Fischstäbchen, jugoslawischen Leichen und Tschibo-Kaffee eingebettet wird«.

Peter Huemer erinnert Turrinis Kritik an der Fernsehbilderüberflutung an Günther Anders‚ These von der Welt als Phantom und Matrize, die dieser in seinem Werk Die Antiquiertheit des Menschen (1961) explizit am Fernsehen zu erläutern versuchte. Das Fernsehen, so Anders, produziere eine Welt, die weder die Realität widerspiegle noch das Abbild davon (Phantom). Vielmehr schaffe es ein Pseudo-Abbild, das zu einer neuen Wirklichkeit (Matrize) werde, die zwischen Sein und Schein liege, wodurch die Menschen nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden könnten. Huemer versucht Anders/Turrini zu entkräften mit dem Verweis auf den Club 2 der späten 1970-er Jahre bzw. auf dessen Gestalter, die zu jener Zeit vom kritisch-aufklärerischen Potential dieser Sendung völlig überzeugt waren. Später mussten sie zur Kenntnis nehmen, dass sie sich getäuscht haben. Der Trugschluss rührte daher, dass das Publikum in seiner Mehrheit darin immer nur den Unterhaltungsaspekt gesehen habe, wäre es nicht so, gäbe es auch nicht so viele Talkshow-Formate bei den Privatsendern.

Das Gespräch fand, wie erwähnt, vor über 25 Jahren statt, zu einer Zeit, in der in Österreich noch der ORF als Monopolist agierte, in nur sehr wenigen Kabel- oder Satelliten-Haushalten einige deutsche Privatfernsehkanäle zu empfangen waren und das Internet lediglich eine Sache für Nerds war, um einen Begriff zu verwenden, den es damals noch gar nicht gab.

25 Jahre danach sieht Bernhard Pörksen in der digitalen Medienwelt Die große Gereiztheit. Der deutsche Medienforscher beschreibt darin anhand konkreter Beispiele, dass große Bevölkerungsteile von Dauererregung, Hysterie oder Paranoia erfasst werden, die zu Orientierungslosigkeit führe, weil viele Menschen im Lichte der ungeheuren Flut an sinnentleerten Informationen, Nachrichten und der Gleichrangigkeit von Meinungen und Wahrnehmungen, nicht mehr wüssten, wem und was sie noch glauben können. Sein Lösungsmodell für den Umgang mit der medialen Kakophonie ist die »redaktionelle Gesellschaft«, in der der Einzelne gleichsam zum investigativen Journalisten, Medienerziehung als eigenes Unterrichtsfach etabliert und die Social Media Plattformen transparenter werden sollten.

Nun ja, ich gestehe, ich verweigere mich der Welt der Social Media, soweit das eben geht – ich kann darin nur die »Tyrannei der Intimität« erkennen, um den amerikanischen Soziologen Richard Sennett zu zitieren, der mit diesen Worten den Einbruch des Privaten in die öffentliche Sphäre bereits in den 1970-er Jahren beschrieben hat –, bleibe medialen Hervorbringungen gegenüber skeptisch und orientiere mich ansonsten eher an der großen Gelassenheit, wie sie etwa der deutsche Publizist und Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger in seinem brillanten Essay, Das digitale Evangelium, auf Spiegel Online am 10. Jänner 2000 veröffentlicht, zum Ausdruck bringt. Er nimmt darin die diversen Digitalisierungsprophezeiungen jener Zeit – Freunde des Kaffeesudlesens konnten sich an einem reichlichen Buffet aus Weltuntergangsszenarien und Erlösungsphantasien bedienen – und auch eigene medientheoretische Überlegungen der letzten Jahrzehnte selbstironisch aufs Korn. Der Essay läuft auf den letztlich beruhigenden Schlussakkord hinaus, der auch als Antwort auf alle Mediendystopien zu verstehen ist:

»Die Fähigkeit, eine Pfeife vom Bild einer Pfeife zu unterscheiden, ist weit verbreitet. Wer Cybersex mit Liebe verwechselt, ist reif für die Psychiatrie. Auf die Trägheit des Körpers ist Verlass. Das Zahnweh ist nicht virtuell. Wer hungert, wird von Simulationen nicht satt. Der eigene Tod ist kein Medienereignis. Doch, doch, es gibt ein Leben diesseits der digitalen Welt: das einzige, das wir haben.«

P.S. Noch eine hübsche Geschichte aus dem hörenswerten Gespräch zwischen Turrini und Huemer: Turrini spricht über sein Frauenbild, das er als »zutiefst katholisch ruiniert« bezeichnet. Er erzählt, dass die ersten Frauenerfahrungen für Buben am Land sehr häufig im Rahmen der Messe stattfanden, wo auch Klosterschülerinnen waren. Während von oben, von der Kanzel herab, der Priester von Gott sprach, schlichen unten die Ministranten, er war einer von ihnen, zwischen den Bänken umher, um »das Weibliche« zu riechen. Seither, so Turrini, »ist der Fudgeruch und der Weihrauchgeruch für mich auf das Herrlichste miteinander verbunden.«


Maschinentheater oder der Holzhammer im Theater

»Ich, Sohn des Zeus, Dionysos, einst von Semele empfangen,
Kadmos‘ Tochter, deren Schoß der Strahl des Blitzes löste,
komme her ins Theberland …«

Der griechische Gott Dionysos (bei den Römern hieß er Bacchus) kehrt in Menschengestalt in seinen Geburtsort Theben zurück, um sich an seiner Verwandtschaft zu rächen, weil diese Zweifel an seiner Göttlichkeit gesät hatten. Er und seine Anhänger, die Bakchen, zerstören zunächst den Königspalast und morden alsdann den jungen König.

Soweit, in aller Kürze, der Plot von Euripides‘ Die Bakchen, etwa 400 v.Chr. geschrieben.

Dionysos gilt in der griechischen Götterwelt als Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase. Dionysos steht für das Rauschhafte, für die Triebe, für all das, was wir Menschen immer schon faszinierend und bedrohlich zugleich empfinden, er ist folglich Erlöser und Monster zugleich.

Die Nazis haben in ihrem »Willen zur Macht« das »Dionysische« in Stellung gebracht gegen alles, was sie verabscheut haben und aus der Welt schaffen wollten – unter Plünderung des oft widersprüchlichen Schrifttums Friedrich Nietzsches, der etwa in seinem frühen Werk, Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, dem rauschhaft-vitalen »Dionysischen« gegenüber dem ästhetisch-meditativen »Apollinischen« den Vorzug gegeben hat.

Eine gewaltige Hydraulikmaschine, die sich in den folgenden zwei Stunden bis zur Pause der Stück-Inszenierung von Ulrich Rasche langsam drehen und rauf und runtergehen wird, füllt die Bühne des Burgtheaters beinahe zur Gänze aus. Auf dieser Maschine, genauer, auf mehreren Laufbändern, schreiten die mit Headsets ausgestatteten Protagonisten gegen die Laufrichtung der Bänder an. Unablässig schreiten sie im immer gleichen Rhythmus, dabei Wörter abgehackt skandierend, Parolen brüllend (»Wir holen uns unser Land zurück«), und da dieses Brüllen gegen permanente Paukenschläge und Geigen Gefiedel anzukämpfen hat, ist mein Versuch, den Text zu verstehen, ein sinnloses Unterfangen. Aber das ist bei dieser Inszenierung ohnehin völlig egal. Denn nach wenigen Minuten, also nach dem Eingangsmonolog des Dionysos, dargebracht von Franz Pätzold, dem aus München mitgereisten Kušej-Starschauspieler, dessen Stimme sich in meinem Hirn sofort festgesetzt hat, den Auftritten seines Widerparts, des Königs von Theben, und der Bakchen, einer kriegerischen 19-köpfigen Chortruppe, ist völlig klar, was der Regisseur dem Publikum sagen will: Seht her, so sind die Rechtsextremen, alles niederbrüllend, gewalttätig und monströs-gefährlich, so sind sie, die Bewegungsführer von Pegida, AfD, FPÖ, Identitären etc. Was für eine bahnbrechende Erkenntnis!

Rasche mache »Maschinentheater«, wie es heißt, er synchronisiere Sprache, Bewegung und Musik und unterwerfe alles einem Rhythmus. Rasche macht Theater mit dem Holzhammer. Wir haben nach der Pause die Flucht ergriffen.

Rückkehr nach Reims

In seinem autobiografischen Essay Rückkehr nach Reims erzählt der Soziologe und Foucault-Biograf Didier Eribon von der Klassengesellschaft und insbesondere von den Folgen »sozialer Reproduktion«, die sich in Körper und Psyche der Angehörigen der unteren Schichten – die »Arbeiterklasse« zu nennen, sich die linken Parteien seit Jahrzehnten abgewöhnt haben – lebenslänglich einschreiben.

Wiewohl er um diesen sozialen Skandal immer wusste, gelang ihm die präzise Beschreibung, was er aus Menschen macht, was er aus ihm und seiner Familie gemacht hat, erst Jahrzehnte nach seinem Weggehen, nach seinem Bruch mit dem homophoben Vater und dessen Herkunftsmilieu. Er deutet diesen Bruch nicht psychologisch, sondern soziologisch:

»Ich habe es meinem Vater immer übel genommen, dass er genau das war, was er war, diese Verkörperung einer Arbeiterwelt (…). Der Schrecken, der mich damals packte, ging nicht von der handelnden Person aus, sondern von dem sozialen Umfeld, das solche Handlungen ermöglichte.«

Nach prekären Anfängen, immer wieder vom Scheitern bedroht, konnte er sich über die Jahre als Publizist und Theoretiker der Schwulenbewegung etablieren. Eribon beleuchtet diesen Aufstieg, der nur um den Preis der völligen Verleugnung der Herkunft möglich war, und er macht deutlich, wie das, was er für eine autonome und selbst gewählte Entscheidung erachtete (die Wahl des Studienortes, der Fächer, der Professoren etc.), nichts anderes war als »soziale Reproduktion«. Als Erster und Einziger in der Familie, der studierte, verfügte er über keinerlei »Kapital« (im Bourdieu’schen Sinn weder ökonomisches, noch soziales oder kulturelles), und klarerweise auch nicht über Beziehungen und Netzwerke, die für Angehörige der herrschenden Klasse selbstverständlich sind. (»Wir kommen in eine Welt, in der die Urteile längst gesprochen sind.«) Letztlich verhinderten nur Zufälle sein Scheitern.

Sein Fazit:

»Meine sexuelle Identität nahm ich trotz aller Beschimpfungen an und bekannte mich zu ihr, von meiner sozialen Herkunft und der durch diese bedingten Identität riss ich mich los. Man könnte sagen, dass ich in dem einen Bereich zu dem wurde, der ich bin, im anderen jedoch denjenigen zurückwies, der ich hätte sein sollen. Ich wurde von zwei sozialen Verdikten gebrandmarkt, einem sozialen und einem sexuellen. Solchen Urteilen entkommt man nicht. Diese beiden Einschreibungen trage ich in mir. Als sie in einem bestimmten Moment meines Lebens miteinander in Konflikt traten, musste ich, um mich selbst zu formen, die eine gegen die andere ausspielen.«

Dieser Essay findet vor allem auch deshalb so viel Aufmerksamkeit, weil er sich mit dem massiven Zulauf befasst, den der Front National innerhalb der einst links wählenden Arbeiterklasse erfährt. Eribon erinnert daran, dass widrige materielle Verhältnisse immer schon ein Nährboden für Ressentiments waren, dass Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, häusliche Gewalt und Homophobie zum emotionalen Haushalt der Arbeiterklasse gehörten, als diese noch kommunistisch oder sozialistisch wählte. Und er macht deutlich, dass der Aufstieg der Rechten nur deshalb möglich war, weil die Linke so kläglich versagt hat: Wenn linke Parteien den Begriff »Arbeiterklasse« aus ihrem politischen Sprachgebrauch verbannen, folglich auch die materielle Lage der Arbeiterinnen und Arbeiter nicht wahrnehmen bzw. keine glaubwürdigen politischen Antworten für eine Verbesserung derselben mehr anbieten, dann darf man sich nicht wundern, dass sich die Mehrheit der Arbeiterklasse frustriert in die Hände der Rechten begibt.

Noch ein Textausschnitt aus Eribons Essay, der eine ganze Bibliothek ersetzt:

»Wenn ich meine Mutter heute vor mir sehe mit ihrem geschundenen, schmerzenden Körper, der fünfzehn Jahre lang unter härtesten Bedingungen gearbeitet hat – am Fließband stehen, Deckel auf Einmachgläser schrauben, sich morgens und nachmittags höchstens zehn Minuten von jemandem vertreten lassen, um auf die Toilette gehen zu können –, dann überwältigt mich die konkrete, physische Bedeutung des Wortes ›soziale Ungleichheit‹. Das Wort ›Ungleichheit‹ ist eigentlich ein Euphemismus, in Wahrheit haben wir es mit nackter, ausbeuterischer Gewalt zu tun. Der Körper einer alternden Arbeiterin führt allen die Wahrheit der Klassengesellschaft vor Augen.«

Weitere Infos:
Klasse, Scham und die Linken (Luxemburg Lecture Berlin, 30.11.2016)
Warum die Arbeiterklasse nach rechts rückt (Didier Eribon in Deutschlandradio Kultur, 04.12.2016)
Ihr könnt nicht glauben, ihr wärt das Volk (Interview in „Zeit-Online“, 04.07.2016)

Früchte des Zorns

Im Unsichtbaren Kino im Wiener Filmmuseum beginnt John Fords „The Grapes of Wrath“ aus dem Jahr 1940, basierend auf dem im Jahr davor erschienen gleichnamigen Roman von John Steinbeck.
Gleich zu Beginn: Tom Joad (Henry Fonda) mit Kapperl! (Ich flüstere zu E.: »Jetzt weißt Du, warum ich Kapperl- und nicht Hutträger bin!«).

henry-fonda

Wann ich diesen Film zuletzt gesehen habe, weiß ich nicht mehr. Im Kino, soviel ist sicher, wohl vor über 20 Jahren. Ford / Steinbeck zeigen die Folgen der Weltwirtschaftskrise und der ökologischen Irrtümer in den 1930-er Jahren am Beispiel einer Bauernfamilie aus Oklahoma. Dürre und Sandstürme (Dust Bowl), Armut und Elend und Verlust der Farm und des Landes, das die Joads und andere Bewohner der Great Plains seit Generationen bestellten. (In anderen Filmen erinnert Ford daran, wie die Joads dieses Land von den Native Americans genommen haben.) Aufbruch nach Kalifornien (the land of milk and honey) über die gerade erst fertiggestellte Route 66. Hoffnung auf gut bezahlte Jobs. Aufwachen in Zeltlagern. Hungerlöhne. Elend. Aber auch die Chance auf den Ausweg aus dem Elend, auf eine menschenwürdige Existenz in Form der staatlichen Arbeitsbeschaffungsprogramme im Rahmen von Roosevelts New Deal.

Grandiose Bilder, Herz und Hirn packende Bilder in Schwarz-Weiß. E., (bislang) kein Freund »alter Filme« (so pflegt er SW-Filme zu bezeichnen), zeigte sich begeistert.

P.S. Weil einer der beiden Filmprojektoren den Geist aufgegeben hatte, wie man uns vor Filmbeginn mitteilte, traf das, was in Wikipedia zum Stichwort Überblendtechnik so schön beschrieben ist, eben gerade nicht zu:

„Die Kunst des Vorführers besteht auch darin, am Ende eines Aktes den Projektor mit dem folgenden Akt rechtzeitig zu starten und Bild und Ton umzuschalten, so dass die Zuschauer keinen Übergang bemerken.“

Wir nahmen die Pausen zwischen den Rollenwechseln im schwarzen Kino gelassen und bedanken uns postum bei John Ford, dass er uns solche Filmgeschenke hinterlassen hat!

ES muss raus …

Immer wieder taucht ein Deutscher (oder Österreicher) auf, der glaubt, sagen zu müssen, „was gesagt werden muss„, um im selben Atemzug darüber Klage zu führen, nie sagen zu können, „was gesagt werden muss„. Kostümiert als Dichter, zeitgleich in mehreren internationalen Tageszeitungen, oder in Form von Erklärungen oder im Schutz der Anonymität als Poster, sagen sie, „was gesagt werden muss“ nicht über Pakistan, Saudi Arabien, Iran, Afghanistan, Somalia etc., nein: Sie sagen, „was gesagt werden muss„, immer über Israel, immer über den Staat der Juden, „in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten – ein wachsend nukleares Potential verfügbar aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung zugänglich ist„. Sie sagen, „was gesagt werden muss„, immer „dem Land Israel, dem ich verbunden bin und bleiben will„, und sie sagen das, „was gesagt werden muss„, weil „die Atommacht Israel den ohnehin brüchigen Weltfrieden gefährdet durch das behauptete Recht auf den Erstschlag, der das von einem Maulhelden unterjochte und zum organisierten Jubel gelenkte iranische Volk auslöschen könnte, weil in dessen Machtbereich der Bau einer Atombombe vermutet wird„.

Wenn sie dann das gesagt haben, von dem sie meinen, dass es „gesagt werden muss„, und die veröffentlichte Meinung nahezu geschlossen das, „was gesagt werden muss„, als das benennt, was es ist, nämlich: Bullshit, dann wollen sie darin eine Medienkampagne erkennen und fühlen sich in ihrer Meinungsäußerungsfreiheit bedroht!

Die Obsession, mit Israel sich befassen zu müssen, teilt der Literaturnobelpreisträger mit Antisemiten aller Lager. Aber seine in Verse gekleidete perfide Unterstellung, Israel wolle das iranische Volk mittels eines (atomaren) Erstschlags „auslöschen„, sollte – abgesehen von der obszönen Verdrehung von Ursache und Wirkung – wohl auch als Versuch gelesen werden, aus der eigenen Verstrickung in die Menschheitsverbrechen herauszukommen. Es lässt sich besser leben, wenn die Opfer der Nazis selbst zu Nazis gemacht werden.

Henryk M. Broder, der vor rund 15 Jahren in seinem Buch „Der ewige Antisemit – Über Sinn und Funktion eines beständigen Gefühls“ den Antisemitismus vor allem innerhalb der Linken in all seinen Schattierungen offengelegt hat, beendete seine, unter der Überschrift „Günter Grass – Nicht ganz dicht, aber ein Dichter“ in der Tageszeitung Die Welt veröffentlichte Entgegnung auf das Grass’sche „Was gesagt werden muss“ mit folgenden Zeilen:

Die Deutschen werden den Juden nie verzeihen, was sie ihnen angetan haben. Damit im Nahen Osten endlich Frieden einkehrt und auch Günter Grass seinen Seelenfrieden findet, soll Israel „Geschichte werden“. So sagt es der iranische Präsident, und davon träumt auch der Dichter beim Häuten der Zwiebel.“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Jeder stirbt für sich allein

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Das Arbeiterehepaar Otto und Elise Hampel hat von 1940 bis zu seiner Verhaftung im Jahre 1942 rund 280 Postkarten und Flugblätter gegen Krieg und Nationalsozialismus fabriziert, die sie auf Stiegen oder Fensterbänken von Wohn- und Bürohäusern in Berlin deponierten – im Glauben, ihre Botschaften werden sich massenhaft verbreiten. Welch ein fataler Irrtum: Lediglich 18 Karten blieben verschwunden, die übrigen wurden von den Findern sofort an die Gestapo übergeben. Im Jänner 1943 sind die Hampels vom Präsidenten des NS-Volksgerichtshofes, Roland Freisler, wegen »Zersetzung der Wehrkraft« und »Vorbereitung zum Hochverrat« zum Tode verurteilt und am 8. April 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet worden.

Auf das Schicksal dieses Ehepaares ist der Schriftsteller Hans Fallada (eigentlich Rudolf Ditzen) im Jahre 1946 von seinem Freund Johannes R. Becher aufmerksam gemacht worden. Becher, später Kulturminister der DDR, war zu jener Zeit Präsident des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands. Der Kulturbund wirkte am antifaschistischen Gründungsmythos der DDR mit, Geschichten über Helden des antifaschistischen Widerstands waren daher höchst willkommen. Wenngleich sich Fallada zunächst zierte, weil er, wie er betonte, selbst »im Strom mitgeschwommen war«, hat der Stoff ihn doch außerordentlich angezogen: Schon schwer gezeichnet von jahrelanger Morphium- und Alkoholabhängigkeit schrieb Fallada 866 Typoskript-Seiten in nicht einmal vier Wochen.

Im Jahre 1947, kurz nach Falladas Tod, erschien der Roman unter dem Titel Jeder stirbt für sich allein im Aufbau-Verlag, freilich um jene Passagen bereinigt, die nicht so recht ins antifaschistische Heldenimage passten: Im Originalmanuskript zeichnet Fallada seine Protagonisten – in Analogie zu den Hampels (im Roman heißen sie Otto und Anna Quangel) – als ehemalige Sympathisanten der Nazis (Otto Quangel ist überzeugt, dass er die Position als Tischlermeister in einer Möbelfabrik nur »dem Führer« verdankt und seine Ehefrau war eine begeisterte Funktionärin in der NS-Frauenschaft), und selbst als Postkartenschreiber gegen die Nazis werden sie keine wirklichen Sympathieträger. Diese Passagen fanden sich in der Erstveröffentlichung ebenso wenig wie die Schilderungen des Umgangs mit potenziellen Verrätern innerhalb einer kommunistischen Widerstandszelle.

Nach dem großen Erfolg, den der Roman seit einigen Jahren vor allem in den USA und in Israel bei Kritik und Publikum erzielte, hat jetzt auch der Aufbau-Verlag nachgezogen und Hans Falladas Opus Magnum erstmals in der vom Autor hinterlassenen Fassung veröffentlicht. Sein präziser Blick auf den nationalsozialistischen Alltag während der ersten Kriegsjahre funktioniert sowohl als packender Kriminalroman (Figur des Nazi-Polizeikommissars Escherich!) als auch als soziologische Studie über die kleinen Leute, also über jene, die nach dem Zweiten Weltkrieg als »Mitläufer« oder »minder Belastete« entnazifiziert wurden.

Im Anhang finden sich Auszüge aus den Prozessakten gegen die historischen Vorbilder der Quangels und ein Nachwort zur Entstehungsgeschichte des Romans.

Geschichte der Dunkelheit

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»Ich gehe gerne auf den Fußballplatz. Ich höre gerne Rock ’n’ Roll, ich lese auch gerne Schriftsteller, die ganz anders arbeiten als ich. Aber ich kann nur so schreiben, wie ich schreibe.« (Gerhard Roth in einem wunderbaren Interview anlässlich des Erscheinens seines neuen Werks Orkus – Reise zu den Toten)

Kürzlich habe ich Gerhard Roths Buch Die Geschichte der Dunkelheit, 1991 erschienen, wieder gelesen. Der Autor hat darin den Bericht des Wiener Juden Walter Berger aufgezeichnet, der in der Leopoldstadt aufgewachsen und vor den Nazis nach England geflüchtet ist, wo er, nach mehreren vergeblichen Versuchen in die USA zu gelangen, der tschechischen Exilarmee beigetreten ist und auf Seiten der Alliierten gegen die Nazis gekämpft hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging er für eineinhalb Jahre in einen Kibbuz nach Israel, dann nach Deutschland, um schließlich wieder nach Wien in die Leopoldstadt zurück zu kehren (dank der Unterstützung des damaligen SPÖ-Vizekanzlers Bruno Pittermann, der Bergers Lehrer an der Privattechnischen Lehranstalt im Arsenal in den späten 1920-er Jahren gewesen war), in eine Leopoldstadt, in der die Spuren jüdischen Lebens fast gänzlich ausgelöscht waren.

Roths Aufzeichnungen der Lebenserinnerungen des Walter Berger, diese Odyssee durch das »Zeitalter der Extreme«, sind für mich vor allem ein wunderbares Buch über das Weitermachen – trotz alledem.

Gerhard Roth wird am 15. Mai im Burgtheater aus seinem neuen Buch lesen.

Urheberrecht verhindert Kreativität

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Der Künstler Shepard Fairey hat ein Foto des Associated Press Fotografen Mannie Garcia im Stile Andy Warhols bearbeitet, mit dem Schriftzug „Hope“ versehen und den PR-Strategen Obamas für den Präsidentschaftswahlkampf 2008 überlassen. Associated Press hat daraufhin wegen Verletzung des Copyrights geklagt. Der Rechtsstreit, der sich über mehrere Jahre hinzog, wurde am 13. Jänner 2011, also vor wenigen Tagen, außergerichtlich bereinigt, höchst überraschend überdies: Fairey wird die Tantiemen aus dem „Hope„-Poster mit der Nachrichtenagentur teilen und zugleich eine Posterserie produzieren – unter Verwendung von AP-Fotos. Das Original des „Hope„-Posters befindet sich mittlerweile im Bestand der Washingtoner National Portrait Gallery.

Im Rahmen einer vom SPÖ-Parlamentsklub organisierten Enquete zum Thema Neue Netzpolitik hat der deutsche Urheberrechtsexperte Till Kreutzer auch die „Hope„-Story zum Anlass genommen, um auf die Notwendigkeit einer völligen Überarbeitung des herrschenden Urheberrechtssystems (im Sinne einer Anpassung an die neuen digitalen Realitäten) hinzuweisen. Kreutzer, der seine Expertise auch als Mitarbeiter des Urheberrechts-Webportals iRights.info allen Interessierten zur Verfügung stellt, sieht die bestehenden Regeln vor allem als protektionistische Maßnahmen für analoge Geschäftsmodelle, deren Profiteure überwiegend die Verwerter und nicht die Kreativen seien.

Dass aber die Verteidiger des technologisch und gesellschaftlich Überholten nach wie vor den öffentlichen Diskurs über weite Stecken dominieren, zeigt sich nicht nur im Musik- und Filmbereich. Ein vor kurzem veröffentlichter Aufruf der IG Autorinnen Autoren, der Literar-Mechana und des Verlegerverbandes („Wer das Urheberrecht hat„) illustriert die Ignoranz der Proponenten gegenüber technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Der Aufruf, im Grunde ein Anti-Google und Anti-Internet-Manifest ohne Google oder das Internet beim Namen zu nennen („Interessen weltweit agierender Unternehmen in der digitalen Datensammlungs- und Datenverwertungswirtschaft (…) die an Kunst und Kultur nicht weiter interessiert sind, sondern nur an den Möglichkeiten, aus Nachnutzungen bereits bestehender Werke für sich Gewinn zu schlagen„), kann nur als Kapitulation der Interessensvertretung vor dem kreativen Potential der digitalen Technologien gewertet werden.

Wie viele Autorinnen und Autoren werden wohl den Kultur-Neugebauers Folge leisten?

Elvis, der Fußball und Flann O’Brien

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Peter Osgood war in den 1960-er und frühen 1970-er Jahren Stürmer des FC Chelsea, der von den Fans zum King of Stamford Bridge geadelt wurde. In 279 Spielen für den FC Chelsea schoss er 103 Tore. Am 1. März 2006 ist Osgood gestorben.

Und jetzt kommt’s: Am 1. Oktober 2006 wurde die Urne mit seiner Asche in einer feierlichen Zeremonie am Elfmeterpunkt vor der Shed End (jene Tribüne, wo sich früher die Hardcore Fans des Vereins versammelten) beigesetzt. „So, his spirit is always with us„, wie unser Guide, der den Nickname ELVIS trug und uns durch das Stadium führte, anmerkte.

Dieser wunderbare ELVIS könnte Flann O’Briens Der dritte Polizist entsprungen sein. In diesem phantastischen Roman wird die Atom-Austausch-Theorie, die angeblich auf einen Philosophen namens De Selby zurückgeht, absolut schlüssig erläutert auf Grund der tiefen und symbiotischen Beziehungen, die sich zwischen den im irischen Dorf lebenden Leuten und ihren Fahrrädern über die Jahre entwickelt haben:

Das Brutto- und Nettoresultat davon ist, dass die Persönlichkeit von Menschen, die die meiste Zeit ihres natürlichen Lebens damit verbringen, die steinigen Feldwege dieser Gemeinde mit eisernen Fahrrädern zu befahren, sich mit der Persönlichkeit ihrer Fahrräder vermischt – ein Resultat des wechselseitigen Austauschs von Atomen-, und sie würden sich über die hohe Anzahl von Leuten in dieser Gegend wundern, die halb Mensch und halb Fahrrad sind.

ELVIS ist einer jener beneidenswerten Menschen, dessen Beruf von seiner Leidenschaft gewählt wurde. Er ist nicht bloß ein wandelndes Lexikon, das ganz nebenbei alle Statistiken und sonstigen fußballerischen Wichtigkeiten (die diversen Trainer, Spieler, Spielerwechsel usw.) verinnerlicht und jederzeit abrufbar parat hat, die sich nicht fußball-affinen Menschen sowieso nie erschließen werden. Nein: Dieser ELVIS lebt den Fußball und der Fußball lebt ELVIS. Er hat einen 100% Fußballanteil, wodurch er so ganz nebenbei die Gültigkeit der Atom-Austausch-Theorie belegt und all jene Zweifler, die diese als Folge der Hingabe seines Schöpfers für irischen Whisky zu „erklären“ trachten, eines Besseren belehrt.