Abzocke

lupeUm von meinem PC das Filmstreaming-Portal kino.to ansteuern zu können, muss ich zunächst einmal den Online-Guard meines Antivirenprogramms ausschalten, der mich vor Websites, wo Abzocke, Viren und Trojaner lauern, schützen soll. Auf Kino.to angekommen, findet man tausende TV-Serien und Kinofilme, klarerweise auch solche, die erst jüngst ins Kino gekommen sind bzw. bei uns noch gar nicht laufen. Die Domainendung „.to“ verweist auf das Königreich Tonga, einen Inselstaat im Südpazifik, nahe der Datumsgrenze gelegen. Deshalb sehen wir hierzulande TV-Bilder von feiernden Insulanern alljährlich am Neujahrstag, dürfen die Tonganer das Neue Jahr doch schon rund 11 Stunden vor uns begrüßen.

Die Server von kino.to sollen sich in Russland befinden, in der Europäischen Union ist ein derartiger Dienst nämlich nicht erlaubt. Die Kids, die das Portal begeistert nutzen, dürfte dies freilich nicht wirklich interessieren. Sehr wohl aber die Art und Weise, wie sich kino.to und andere derartige Portale finanzieren. In einem Bericht von Focus-Online wird nämlich ein typisches Beispiel von Internet-Abzocke angeführt:

Kürzlich wurde Besuchern von Kino.to mit geschickt gestalteten Werbebannern die Vireninfektion des eigenen PCs vorgetäuscht. Ein Klick auf die gefälschte Sicherheitswarnung führte auf eine Website, die dem Nutzer ein kostenloses Anti-Viren-Programm zur Desinfektion des Rechners versprach. Mit der Registrierung schloss das ahnungslose Opfer ungewollt ein Zweijahresabo für 316 Euro ab.“

Aber auch ein anderer bekannter Abzocker ist auf Kino.to aktiv: Im Partnerprogramm des Filmstreaming-Portals scheint nämlich Opendownload.de auf, ein so genannter Downloaddiensteanbeiter, der Gratissoftware auf seinem Server zum Download anbietet, also Software, die im Internet kostenfrei zu kriegen ist, wie etwa Musik- und Videoplayer, der Adobe Acrobat Reader oder die Open Source Software Open Office.
Wer diesen „Dienstleister“ in Anspruch nimmt, also in einem Online-Formular Namen, Adresse etc. hinterlässt, schließt damit gleich einmal ein Jahresabo für 96 Euro ab und verzichtet obendrein auf sein Widerrufsrecht.

Opendownload.de ist zwar schon im Fokus der Konsumentenschützer und der zuständige Minister Rudolf Hundsdorfer hat angekündigt, sich innerhalb der Europäischen Union für schärfere Bestimmungen einzusetzen. Das wird freilich noch länger dauern. Bis dahin können Geschädigte einen vom österreichischen Internet-Ombudsmann zur Verfügung gestellten Musterbrief ausfüllen und per Post (eingeschrieben!) an die in Deutschland ansässige Firma schicken. Dann heißt es cool bleiben und die diversen Mahn- und Drohschreiben mit Gelassenheit ertragen. Irgendwann sollten diese aufhören – so hoff’ ich doch.

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Datum: Samstag, 11. April 2009 18:34
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