Beiträge vom Juni, 2008

Digitaler Fußball

Freitag, 20. Juni 2008 16:25

Klaus Theweleit, fußballinfiziert seit Kindertagen, hat in seinem Buch „Tor zur Welt – Fußball als Realitätsmodell„, das im Jahre 2004 erschienen ist, den Versuch unternommen, die Veränderungen bzw. Auswirkungen der digitalen Medien auf das System Fußball zu beschreiben. Die „digitalen“ Fußballer, die in ihrer Freizeit Fußball mit der Playstation oder dem GameCube spielen, agieren unglaublich schnell – kein Vergleich zu den Stehpartien der 70-er und 80-er Jahre, wie man sich vor EURO-Beginn wieder einmal überzeugen konnte, als die ARD alte Spiele im Nachtprogramm wiederholt hat -, eine Ballberührung und ab geht die Wuchtel zum nächsten Spieler (Kurzpassspiel), und, auch das ein grundlegender Unterschied zu anno dazumal, die Teams reagieren wesentlich rascher auf Veränderungen während eines Spiels. Keine starre, von Anpfiff bis Abpfiff durchgezogene Taktik, sondern flexible, auf die jeweiligen Spielerfordernisse angepasste Modelle prägen das Spiel im 21. Jahrhundert.

Das hängt damit zusammen, dass die Spieler wesentlich teamorientierter agieren, als dies früher der Fall war: Digitale Spieler sind im Prinzip auf jeder Position, vorne oder hinten, einsetzbar. Mittlerweile ist es bei Spitzenteams völlig normal geworden, dass Stürmer als Verteidiger agieren und umgekehrt. Hans Krankl oder Anton Polster hätten niemals den eigenen Strafraum betreten, Frank Ribery oder Wesley Sneijder hingegen sind überall zu finden. Klassisch agierende Mannschaften, also Teams, die auf Ball halten und Spiel beruhigen setzen, haben gegen eine solche, immer offensiv ausgerichtete Lesart des Spiels keine Chance mehr. Die Bilanz nach der Vorrunde der EURO 2008 belegt das eindeutig: Betonierer und Zerstörer Marke Griechenland sind ebenso draußen wie jene Teams, die mit zu wenig Risiko in die Spiele gegangen sind.

„Verschiedene Spielsysteme werden zunehmend kombiniert. Denkende Spieler erkennen das jeweils Nötige und schalten entsprechend um. Holländische, spanische, französische, englische, deutsche, italienische, brasilianische ,Tugenden’ liegen in Spielern aller Länder vor. Sie verfügen über ein Arsenal von Spielweisen – abgespeichert in ihrer Bewegungsstruktur. So wie alle Zeiten gleichzeitig im Computer vorliegen.“

Im Lichte dessen ist es daher völlig absurd, wenn nach wie vor, wie von den meisten ORF-Kommentatoren hirnlos vorgequatscht und von der Mehrheit der österreichischen Fußballzuseher hirnlos nachgequatscht, der deutschen Mannschaft nachgesagt wird, sie käme nur mit Glück und auf Grund der „deutschen“ Tugenden (Kraft und Kampf) bei der EURO weiter. Sicherlich haben die Spieler die nötige Kraft und Ausdauer. Und, auch klar: Sie gehen mit Leidenschaft in Zweikämpfe. Bloß: Das machen auch die anderen großen Teams dieser Europameisterschaft, die Holländer, die Türken, die Italiener, die Portugiesen usw. Aber, seit Jürgen Klinsmann und jetzt unter dem großartigen Joachim Löw, spielen sie auch den wunderbaren Kombinationsfußball, den frühere deutsche Mannschaften nicht einmal in Ansätzen spielen konnten.

Also: Schluss mit dem Deutschen-Bashing im Fußball, lieber mitfeiern, wenn sie gut spielen.

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Maschinenwinter

Donnerstag, 19. Juni 2008 18:46

„Sterben müssen alle; es kommt nur drauf an, dass man vorher wenigstens einmal den Moment erwischt hat, an dem es gilt: Hau auf die Trommel, sag die Wahrheit, trau dich, zu lieben.“

„Es verhält sich dabei im Kulturellen wie mit der Industrie auf anderen Sektoren: je urtümlicher, agrarischer, zurückgebliebener das Ganze, desto Hungersnot, Schmutz und Stammeskrieg. Also auch: je weniger Fernsehen und Popmusik, desto Dorfpfarrer, Krippenspiel, Tabu und Scherbengericht.“

Der, der solche Sätze hinknallt, heißt Dietmar Dath, war SPEX-Chefredakteur, danach Feuilleton-Redakteur der FAZ, und lebt heute als freier Schriftsteller und Übersetzer. Der Suhrkamp-Verlag hat soeben das jüngste Werk des im Heavy Metal-Kino-Science-Fiction-Universum beheimateten Autors veröffentlicht, den Essay: „Maschinenwinter. Wissen, Technik, Sozialismus. Eine Streitschrift„.

Hier ein Auszug aus den zweiten Kapitel („Moral„):

„Selbstverständlich ist eine Gesellschaft unanständig, in der jemand mehr Wohnraum besitzen als bewohnen kann und Behausungen also leer stehen, damit beim Finanzamt Verluste angegeben werden können, in deren Schatten anderswo, im Warmen, Feuchten und Unsichtbaren, große Gewinne gedeihen. Selbstverständlich ist eine Gesellschaft schweinisch, die einerseits für ihre Spitzensportler Laufschuhe mit eingebauten Dämpfungscomputern bereitstellt, andererseits aber alten Frauen mit Glasknochen die Zuzahlung zum sicheren Rollstuhl verweigert und einen Pflegenotstand erträgt, für den sich tollwütige Affenhorden schämen müssten. Selbstverständlich ist eine Gesellschaft obszön, in der Zahlungsmittelengpässe, Liquiditätskrisen und Bankenbeben vorkommen, weil, wie im Sommer und Winter 2007 geschehen, plötzlich deutlich wird, dass Kredite, die man armen Amerikanern aufgeschwatzt hat, damit sie sich Eigenheime kaufen, die sie sich unmöglich leisten können, tatsächlich nicht zurückgezahlt werden. Selbstverständlich ist eine Gesellschaft widerlich, die all diese Dinge sogar in ihren leidlich gepolsterten Gewinnergegenden zulässt; vom Elend der sogenannten Peripherie, will man eh nichts mehr hören.

Unanständig, schweinisch, obszön, widerlich: Davon rede ich nicht.
Moral ist Glückssache und setzt Deckung der wichtigsten Lebensbedürfnisse voraus; meistens hat man andere Sorgen. Ich rede aber davon, dass das alles nicht vernünftig ist und deshalb nicht funktionieren kann. Wer es sich kalten Herzens, wachen Auges anschaut und dann noch ruhig zu verneinen imstande ist, dass möglich sein muss, die Dinge besser einzurichten, ist nicht böse, sondern entweder faul genug, sich betrügen zu lassen, oder vom Geburtszufall ausgelost worden, die im Ganzen seltene, vorläufig aber noch ganz einträgliche Elendsgewinnlerei betreiben zu dürfen, an der dieses Ganze krankt.

Weil Unglück alle treffen könnte, sollten sie idealiter einander dagegen beistehen – das stand in dem Vertrag, den man Sozialstaat nannte. Er war ein Kompromiss zwischen einerseits denen, die ihren Reichtum mit Hilfe ihres Reichtums mehren, und andererseits denen, die nichts haben, was Reichtum schafft, sondern im glimpflichsten Fall ein bisschen Eigentum zum persönlichen Verbrauch.

Gelehrte räuspern sich, wollen mal eben den Grenznutzen der lebendigen Arbeit wissen und rechnen aus: 1 + 1 = 3 für sehr hohe Werte von 1. Man nennt das verniedlichend „Neoliberalismus“; es ist Voodoo: Irgendeine unbekannte Magie soll diesem lächerlichen Abrakadabra zufolge Unternehmen, deren Walten „dereguliert“, also keinen anderen Schranken als denen von Angebot und Nachfrage mehr unterworfen ist, mittelfristig bei über Angebot und Nachfrage ausgehandelten „fairen Löhnen“ zur Einstellung herumlungernder Unnützer animieren, damit nicht alles auseinanderfällt. In Wirklichkeit passiert das nirgends, wo die genannten Schranken fallen. Denn natürlich stimmt jeder Aufsichtsrat, dessen Mitglieder noch bei Trost sind, jederzeit für eine Beschäftigungs-, Innovations- und Rationalisierungspraxis, die den maximalen Profit erwirtschaftet, statt dafür, aufsässige Autobrandstifter aus der französischen Vorstadt mit attraktiven Aufstiegschancen zu bestechen, damit sie nicht wüten. Alle wissen das. Inzwischen gibt es selbst bei Ökonomen, denen nie einfallen würde, die bestehende Unordnung anzutasten, einen Namen dafür: jobless growth. Gemeint ist ein wirtschaftliches Kennzahlenwachstum, das keine Arbeitsplätze mehr abwirft.“

Hier noch Darth himself

So, und jetzt werde ich mir den Essay besorgen – danach vielleicht mehr …

Thema: Allgemein, Politik | Kommentare (0) | Autor:

Zidane

Mittwoch, 18. Juni 2008 18:45

Ehe gestern die Équipe tricolore von den Italienern aus dem EURO 2008 Turnier verabschiedet wurde, konnte ich dem unvergleichlichen Zinédine Zidane bei der Arbeit zusehen. 17 Kameras filmten den Ballartisten am 23. Mai 2005 während des gesamten Primera División Spiels zwischen Real Madrid und dem FC Villareal. Zidane, wie er scheinbar teilnahmslos herumsteht. Wie er über den Rasen geht, schlurfend bisweilen. Wie er schwitzt und spuckt. Wie er den Ball mit Handzeichen einfordert, wie er ihn leichtfüßig annimmt, um ihn gleich wieder an einen besser postierten Mitspieler weiter zu leiten oder um ihn mitzunehmen auf einen, vom tosenden Beifall der Zuseher begleiteten Tanz in den gegnerischen Strafraum. Großes Kino!

Zidane – Ein Porträt im 21. Jahrhundert“ von Douglas Gordon und Philippe Parreno (Soundtrack von Mogwai) ist auch auf DVD erhältlich.

Und hier, aus einem YouTube-Video, einige Tanzszenen zum Staunen:

Thema: Allgemein, Film | Kommentare (0) | Autor:

Wattstax

Dienstag, 17. Juni 2008 21:25

Als am 11. August 1965 in Watts, einem nahezu ausschließlich von Afroamerikanern bewohnten Stadtteil von Los Angeles, zwei junge Schwarze im Zuge einer Fahrzeugkontrolle von Polizisten der California Highway Patrol, die für ihre rassistischen Übergriffe berüchtigt war, verhaftet wurden, brachen schwere Unruhen aus, die nach sechs Tagen von der Nationalgarde niedergeschlagen wurden. Die Folgen: 34 Tote, tausende Verwundete und rund 4000 Verhaftete in sechs Tagen – ein Jahr später wurde die Black Panther Party gegründet.

Davon habe ich noch nie etwas gehört. Ebenso wenig wusste ich, dass am 20. August 1972 im Los Angeles Memorial Coliseum ein von Stax Records organisiertes Konzert mit Black Music Größen (z. b. The Dramatics, Staple Singers, The Bar-Kays, Carla & Rufus Thomas und Isaac Hayes) vor über 100.000 Zusehern stattfand, in Erinnerung an die Watts-Unruhen. Das Konzert wurde von Mel Stuart filmisch dokumentiert, kam unter dem Titel „Wattstax“ 1973 in die Kinos und bekam 1974 einen Golden Globe in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“.

Dieses Black Music Juwel zeigt ARTE heute Abend um 22.20 Uhr (Wiederholung am 19. Juni um 03.00 Uhr), und mein Videorecorder wird rotieren.

Hier die Interpreten und Songs in der Reihung der Auftritte im Film:

• „What You See Is What You Get“ (The Dramatics)
• „Oh La De Da“ (Staple Singers)
• „We the People“ (Staple Singers)
• „Star-Spangled Banner“ (Kim Weston)
• „Lift Ev’ry Voice and Sing“ (Kim Weston)
• „Respect Yourself“ (Staple Singers)
• „Someone Greater Than I“ (Jimmy Jones)
• „Lying on the Truth“ (Rance Allen Group)
• „Peace Be Still“ (The Emotions)
• „Old-Time Religion“ (William Bell, Louise McCord, Debra Manning, Eric Mercury, Freddy Robinson, Lee Sain, Ernie Hines, Little Sonny, the Newcomers, Eddie Floyd, the Temprees, Frederick Knight)
• „Son of Shaft/Feel It“ (The Bar-Kays)
• „I’ll Play The Blues For You“ (Albert King)
• „Jody’s Got Your Girl and Gone“ (Johnnie Taylor)
• „Walking the Back Streets and Crying“ (Little Milton)
• „I May Not Be What You Want“ (Mel and Tim)
• „Pick Up the Pieces“ (Carla Thomas)
• „Do the Funky Chicken“ (Rufus Thomas)
• „If Loving You Is Wrong, I Don’t Want to be Right“ (Luther Ingram)
• „Theme from Shaft“ (Isaac Hayes)
• „Soulsville“ (Isaac Hayes)

Und hier ein Ausschnitt: Isaac Hayes mit seinem „Theme from Shaft“:

„Wattstax“ läuft auf ARTE übrigens im Rahmen des Programmschwerpunktes „Freedom“, der der Bürgerrechtsbewegung in den USA gewidmet ist, und noch Dokus über Martin Luther King, Sidney Poitier und Malcolm X bereithält.

Thema: Allgemein, Geschichte, Musik, Politik | Kommentare (0) | Autor:

Vive la France

Montag, 16. Juni 2008 18:12

Was mich an den bisherigen EURO 2008 Spielen so freut, ist die Tatsache, dass durchwegs jene Teams gewonnen haben, die offensiven Kombinationsfußball spielen und nicht die Jammerlappen, die sich hinten hineinstellen und auf Abwarten spielen. Ich behaupte einmal: Hätte Josef Hickersberger gegen die Kroaten nicht solch eine Angsthasenformation als Startelf auflaufen lassen – immerhin sechs defensiv ausgebildete Spieler –, die Kroaten müssten heute gegen die Polen um den Einzug ins Viertelfinale zittern.
Man kann nur hoffen, dass sich der österreichische Teamchef nach dem Polenspiel, wo er herrlich „Hollywood“ (Ernst Happel) spielen ließ, neuerlich zu einer „Alles-oder-Nichts“ Formation durchringen kann.

Die bisherigen Spiele zeigten jedenfalls eindringlich, dass Spiele deshalb verloren gingen, weil zu zaghaft und zu wenig risikobereit gespielt wurde. Jüngstes Beispiel: Die Begegnung zwischen den Tschechen und den Türken. Als der tschechische Coach Karel Brückner seinen Spielgestalter Jaroslav Plasil herausnahm und einen defensiven Verteidiger hineinholte, in der irrigen Hoffnung, den Vorsprung (2:0) über die Runden zu bringen, bekamen die Türken sofort Oberwasser. Trotz der vielen Mehrfachverletzten am Platz, man denke etwa an den beinahe Ganzkörperbandagierten Servet, bekamen die Türken aber so was von Oberwasser, und der Halbtote Servet und der groß aufspielende Nihat trieben die Ihren unaufhörlich in die Tschechische Hälfte, wo sie das schier Unmögliche realisierten: Sie verwandelten ein 0:2 in ein 3:2 – und stehen verdientermaßen im Viertelfinale.

Klarerweise sind daher auch die griechischen Bunkerkönige draußen. Ihr totaler Anti-Kick war schon bei der EURO 2004 in Portugal nicht anzusehen, aber was damals sich irgendwie ausging, geht heute absolut nicht mehr. Und Bunkermeister Rehhagel will weiter machen. Einfach irre!

Die Niederländer haben bislang am Überzeugendsten gespielt, vor allem, weil sie, erstens, Wesley Sneijder haben und, zweitens, bislang aus fast jeder Chance ein Goal gemacht haben, auch gegen die Franzosen, die ihnen mindestens ebenbürtig, phasenweise, meiner Meinung nach, sogar überlegen waren. Aber die Oranjes schossen die Tore, prachtvolle noch dazu, und man konnte sich nur kurz im Glauben wiegen, die Franzosen könnten noch den Ausgleich erzielen, nämlich eine halbe Minute lang, dann zog Arjen Robben ab. Und damit sind wir beim dritten Vorteil gegenüber anderen Teams: Sie haben die beste Ersatzbank (Van Persie, Vennegoor of Hesselink, Robben etc.).

Nichtsdestotrotz freue ich mich auf ein Wiedersehen mit den Franzosen im Halbfinale. Denn ein zweites Mal schaffen’s die Oranjes nicht, so meine (Wunsch)Prognose.

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Here’s the money

Donnerstag, 12. Juni 2008 23:30

Anfang des Jahres wurde der für rund 100 Millionen Euro völlig neugestaltete ÖBB-Bahnhof Wien-Nord / Praterstern eröffnet. Die riesige Glasfassade soll Offenheit und Transparenz signalisieren und, nach der EURO 2008, soll auch noch der Vorplatz mit einem großen Glasdach überzogen werden
Verantwortlich für den Neubau zeichnet, so wie für alle Bahnhofsneugestaltungen (Schlagwort „Bahnhofsoffensive“), die ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH., eine 100% Tochter der ÖBB-Infrastruktur Bau AG, die selbst wiederum eine 100% Tochter der ÖBB Holding AG ist. Die ÖBB-Holding fungiert seit der mit 1. Jänner 2005 in Kraft getretenen Reorganisation der ÖBB als Leitgesellschaft von insgesamt sieben wirtschaftlich eigenständigen und selbst verantwortlichen Aktiengesellschaften und GmbHs. Dieses Kernprojekt der abgewählten Schwarz-Blauen-Regierung soll „die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Bahn langfristig sichern„, um die lobenden Worte zu zitieren, die sich zur Umstrukturierung nach wie vor auf der ÖBB-Website finden.

Ein am 15. Mai 2008 veröffentlichter Rechnungshofberichts zur ÖBB-Immobiliengebarung widersprecht dieser Version allerdings aufs Schärfste. Die Prüfer beanstanden mangelnde Transparenz, fehlende öffentliche Ausschreibungen bei Jobvergaben und Liegenschaftsverkäufen sowie bei der Bestellung von Gutachtern und Sachverständigen.
Im Rechnungshofbericht zeigt sich vor allem aber auch, wer die Gewinner der ÖBB-Neu sind: Neben den zig Führungsetagenjobs, die im Zuge dieser Neuorganisation geschaffen und die hauptsächlich mit Ex-Kabinettsmitarbeitern der FPÖ/BZÖ-Infrastrukturminister besetzt wurden, hat, no na, auch die ÖVP wichtige Vorstandsposten mit ihren Leuten besetzt.

Beispielhaft ein Auszug aus dem Rechnungshofbericht, der sich mit der Bestellung und der Bezahlung der Geschäftsführerin der ÖBB-Immobilienmanagment Gesellschaft mbH widmet:

„Die ÖBB–alt schrieben am 24. Juli 2004 die Funktion eines Geschäftsführers der ÖBB–Immobilienmanagement Gesellschaft mbH nach dem Stellenbesetzungsgesetz öffentlich aus. Mit der Evaluierung der Bewerbungsunterlagen wurde ein Personalberatungsunternehmen beauftragt. Über dessen Auswahl und Beauftragung konnten von der für Personalangelegenheiten zuständigen ÖBB–Dienstleistungs Gesellschaft mbH keine Unterlagen vorgelegt werden. Die bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 24. August 2004 eingelangten 49 Bewerbungsunterlagen unterzog das Personalberatungsunternehmen einer Vorselektion anhand der im Ausschreibungstext genannten Kernkompetenzen. Es empfahl für einen weiteren Evaluierungsschritt neun Kandidaten, von denen sich letztlich drei für ein Hearing durch das Präsidium des Aufsichtsrates der Österreichische Bundesbahnen–Holding Aktiengesellschaft qualifizierten. Über die Evaluierung von neun Kandidaten lag eine Honorarnote des Personalberatungsunternehmens vom November 2004 in der Höhe von 45.900 EUR (einschließlich USt) vor.
Nach Auskunft der ÖBB–Dienstleistungs Gesellschaft mbH zog der — nach übereinstimmender Meinung des Präsidiums — einzige den Anforderungen der ausgeschriebenen Funktion entsprechende Kandidat seine Bewerbung noch vor seiner Bestellung zum Geschäftsführer der ÖBB–Immobilienmanagement Gesellschaft mbH mündlich zurück. (…) In der Folge beauftragte das Präsidium des Aufsichtsrates der Österreichische Bundesbahnen–Holding Aktiengesellschaft mündlich das bereits im Ausschreibungsverfahren befasste Personalberatungsunternehmen mit der Fortsetzung der Suche nach geeigneten Interessenten für die Funktion des Geschäftsführers. Eine schriftliche Unterlage hinsichtlich der vertraglichen Konditionen sowie seiner Vorgaben lag nicht vor. Das Personalberatungsunternehmen präsentierte die kaufmännische Geschäftsführerin der Immobilienmanagementgesellschaft des Bundes mbH als einzige „topqualifizierte Kandidatin für die Position“. Ihre Gehaltsvorstellung umfasste 230.000 EUR Jahresbruttobezug, einen zusätzlichen Bonus bis zu 50% des Jahresbruttobezuges, eine Pensionskassendotierung (10% des Jahresbruttobezuges) und einen Dienstwagen.“

Die mit Wirkung vom 1. Jänner 2005 zur Geschäftsführerin bestellte ehemalige Mitarbeiterin (eine frühere Kabinettsmitarbeiterin der ehemaligen ÖVP-Umweltministerin Marlies Fleming) wurde vom ÖBB-Chef Huber geholt.
Der Rechnungshof führt in seinem Bericht weiter aus:

„Als Entgelt für ihre gesamte Tätigkeit erhielt die Geschäftsführerin einen Jahresbruttobezug, der ungefähr dem Bezug des Ersten Präsidenten des Nationalrates entsprach. Erhöhungen waren im Ausmaß der Gehaltsentwicklung von in der Gesellschaft beschäftigten Angestellten vorgesehen. Weiters überwies der Arbeitgeber für die Dauer des Anstellungsvertrages einen monatlichen Beitrag in Höhe von 10 % des regelmäßig gebührenden Monatsbruttobezuges (und auch von den Sonderzahlungen) in eine Pensionskasse zum Zwecke einer zusätzlichen Altersversorgung. Außerdem kam die Gesellschaft für die Prämien einer privaten Unfallversicherung im dienstlichen und außerdienstlichen Bereich auf. Darüber hinaus waren die Geschäftsführerin und die mit ihr im gemeinsamen Haushalt lebenden Personen berechtigt, den für Dienstfahrten zur Verfügung gestellten PKW auch für private Zwecke zu benützen. Zusätzlich erhielt die Geschäftsführerin eine Bonifikation von höchstens 50% des Jahresbruttobezuges des letzten Geschäftsjahres in Abhängigkeit des Grades der Erreichung von Zielsetzungen, die mit dem gemäß Gesellschaftsvertrag zuständigen Organ (Generalversammlung/ Aufsichtsrat) jährlich im Vorhinein schriftlich zu vereinbaren waren. Die Geschäftsführerin erfüllte die für das Jahr 2006 vereinbarten Ziele zu 98,1% und erhielt dafür die entsprechende Bonifikation. Die vereinbarten Ziele umfassten so genannte Businessziele (z.B. Budgeterreichung oder –überschreitung des ÖBB–Konzerns) im Umfang von 45% des Gesamtziels. Weitere Ziele zum Teilausmaß von 10% stellten Themen des Personalmanagements (z.B. Urlaubsabbau und individuell mit Mitarbeitern vereinbarte Ziele) dar. Die restlichen mit 45% bewerteten Teilziele betrafen vor allem konkrete Projekte und unternehmensinterne Vorhaben. Darüber hinaus erhielt die Geschäftsführerin einen zusätzlichen Sonderbonus von 20% des Bruttojahresbezuges des Geschäftsjahres 2006 „aufgrund der über die vereinbarten Ziele hinaus erbrachten Leistungen“. Damit lag das Jahreseinkommen der Geschäftsführerin um 52% über dem Jahresbruttobezug des Bundeskanzlers. Es lag aber auch deutlich über den durchschnittlichen Einkommen der Vorstandsmitglieder der Muttergesellschaft, der ÖBB–Infrastruktur Bau Aktiengesellschaft, denen die maßgeblichen Entscheidungen der Geschäftsführerin zur Genehmigung vorzulegen waren.“

Mit andern Worten:
Die Geschäftsführerin, die mit 1. Juli 2008 zur Geschäftsführung der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien stoßen wird, kam auf einen jährlichen Bruttoverdienst von 414.000 Euro + 41.400 Euro private Pensionsvorsorge + Auto samt Chauffeur für dienstliche Fahrten und für die private Nutzung. Das vorzeitige Ausscheiden wird mit Sicherheit in Form einer Abfertigung versüßt werden.
Was wird sich ändern? Die Dame wird wohl durch eine der SPÖ nahestehende Person ersetzt werden – die Konditionen werden wohl die gleichen bleiben.

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Walkin‘ ‚til I’m clean out of sight

Donnerstag, 12. Juni 2008 21:14

Leider war ich nicht dabei, als der immer junge Dylan am 10. Juni in der Wiener Stadthalle gastierte. Freunde, die dort waren, schwören, dass es großartig gewesen sei.
Zum Trost für alle anderen, die auch nicht dabei waren, zwei grandiose Hörbeispiele aus den Schätzen des BobDylan TV auf YouTube:
Blood In My Eyes (1993)
Tangled Up In Blue (1974)

Und hier noch das wunderbare „Not Dark Yet“ aus dem „Time Out Of Mind“ Album aus dem Jahr 1997

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