Beiträge vom März, 2009

Churnalism

Freitag, 27. März 2009 17:30

searchIn einem Blog-Eintrag berichtet Martin Blumenau über eine Diskussionsveranstaltung, an der auch der Guardian-Journalist Nick Davies teilgenommen hat. Für sein Buch „Flat Earth News“ hat Davies rund 2000 Berichte untersucht, die in englischen Qualitätszeitungen erschienen sind, also nicht in der Boulevardpresse, und dabei festgestellt, dass „über 60 Prozent der Texte ganz oder größtenteils aus Nachrichtenagenturen oder Werbeaussendungen übernommen worden waren – ohne dies aber zu kennzeichnen“, wie er in einem aufschlussreichen Zeit-Interview mit Joachim Riedl festhält.

Dazu eine kleine Geschichte:
Im Zuge einer kleinen Internetrecherche über das Informationsverhalten der „digital natives“ (Marc Prensky) bin ich kürzlich auf die Studie „Information Behaviour of the researchers of the future“ gestoßen, die vor rund einem Jahr erschienen ist. Das Centre for Information Behaviour and the Evaluation of Research (Ciber) am University College in London hat darin im Auftrag der British Library untersucht, wie Schüler mit digitalen Quellen umgehen und wie sie Informationen finden. Die Studienautoren haben zwar festgestellt, dass die sogenannte „Generation Google“ höchst oberflächlich im Netz recherchiere; zugleich halten sie aber auch fest, dass dieses rasche Querlesen von wenigen Suchergebnissen und die Ungeduld bei der Recherche keineswegs nur auf die Kids beschränkt sei, sondern sich bei allen Alters- und Berufsgruppen nachweisen lasse. Und: Die Informationskompetenz der „Generation Google“ sei genauso gut oder schlecht wie jene früheren Generationen!

Bei meiner Recherche fiel mir auf, dass die beiden deutschsprachigen Online-Medien, die über diese Studie kurz berichtet haben, nämlich die Süddeutsche und Die Presse, ihre Infos einer Aussendung der Pressetext-Austria Nachrichtenagentur entnommen haben, in der irrtümlich die Sheffield University als Studienautor angegeben wird. Beide Qualitätszeitungen haben diesen Schwachsinn einfach übernommen – ohne auf die (Desinformations)quelle hinzuweisen.

Davies hat für diese Form des Journalismus den Begriff des „churnalism geprägt, was sich von „to churn out“ (= ausstoßen) ableitet.

Thema: Allgemein | Kommentare (1) | Autor:

Schultraum

Mittwoch, 4. März 2009 19:37

t-shirt_lehrer

Alle LehrerInnengewerkschaften ließen heute im Rahmen einer Pressekonferenz mit der Ankündigung aufhorchen, nächste Woche Dienststellenversammlungen an allen Schulen abzuhalten, um der Forderung nach flächendeckender Einführung der Ganztagsschule in Österreich mehr Nachdruck zu verleihen. Bekanntlich hat ja eine von der Gewerkschaft durchgeführte repräsentative Umfrage gezeigt, dass eine Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer für die Ganztagsschule eintritt.

Die PädagogInnen haben es einfach satt, ständig als Faulenzer der Nation denunziert zu werden!„, sagte Eva Scholik, Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, gegenüber dem ORF. „Jede Berufsgruppe kann sich ganztägig im Beruf verwirklichen – nur nicht Lehrerinnen und Lehrer. Wir als Gewerkschafter unterstützen diese Forderung selbstverständlich. Daher: Gleiches Recht für alle! Ganztagsschule jetzt!

Um den großen gesellschaftlichen Herausforderungen besser Rechnung tragen zu können, „muss diese Ganztagsschule selbstverständlich zu einer gemeinsamen Schule für alle 6-15 jährigen Kinder ausgebaut werden„, unterstrich Scholik überdies.

Und dann bin ich aufgewacht …

P.S. Jedes Mal, wenn ein Vertreter der Lehrergewerkschaft in eine Fernsehkamera jammert, kann sich die Bildungsministerin die Hände reiben. Eine bessere Promotion für ihre Vorhaben (vgl. hier) kann sie nicht bekommen.

Thema: Politik | Kommentare (2) | Autor: