Beiträge vom März, 2008

Stop the bomb

Freitag, 28. März 2008 15:06

Am 3. und 4. Mai findet auf dem Campus der Universität Wien (Altes AKH, Hof 2, Hörsaal C1) eine internationale Konferenz statt, die sich mit dem iranischen Atomprogramm beschäftigen wird. Organisiert wird die Veranstaltung von STOP THE BOMB – Bündnis gegen das iranische Vernichtungsprogramm.

Infos und Programm finden sich auf der Website.

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Ich klone, also bin ich

Dienstag, 25. März 2008 22:57

In der Ausstellung „Schaulust – Die Kunst des Sehens und des Täuschens„, die ich in der Kunsthalle Krems besucht habe, finden sich viele Exponate, die sich mit optischen Irritationen und visuellen Manipulationen auseinandersetzen. Neben Marcel DuchampsRotoreliefs“ (bedruckte Kartonscheiben, die durch einen Elektromotor bewegt werden und die Illusion von Räumlichkeit erzeugen) oder bewusste optische Täuschungen von Op-Art-Künstlern wie Victor Vasarely haben mich vor allem zwei Fotografien von Martin Liebscher fasziniert. Die rund 5 Meter breiten und etwa 1,5 m hohen Fotografien zeigen Personen – bei der Arbeit im Büro das eine, beim Camping-Urlaub das andere. Der Witz dieser Fotografien erschließt sich beim zweiten Blick, wenn man erkennt, dass es sich bei den in unterschiedlichen Posen dargestellten Personen um ein und dieselbe Person handelt, nämlich um Martin Liebscher, den Künstler himself.

Auf seiner Website finden sich noch etliche andere Beispiele seines digitalen Klonens, etwa auf der Skipiste oder als Philharmonisches Orchester, aber auch seine UFO-Fotografien und Städtepanoramabilder.

Erfrischend der Mann.

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Obama über Rassismus

Samstag, 22. März 2008 20:13

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Das Bild hinter dem Foto

Freitag, 14. März 2008 19:44

Hans Petschar, Historiker und Leiter des Bildarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek, hat ein Buch mit dem Titel Anschluss – Eine Bildchronologie, veröffentlicht, in dem sich bislang unveröffentlichtes Fotomaterial findet, das rund um den Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland zwischen März und Mai 1938 entstanden ist. Es sind dies Bilder jenseits der Propaganda, also zum Teil private Aufnahmen und zum Teil Fotos, die aus der Hand von NS-Fotografen stammen, aber zensuriert wurden (das Cover des Buches zeigt Hitler mit Augenringen, fiebrig-glasigem Blick und Zahnlücke im offenem Maul).

Das Buch weist auf einen interessanten Umstand hin, den der Autor auch im Rahmen der CLUB 2 Diskussion am letzten Mittwoch angesprochen hat: Die Bilder aus der NS-Zeit, die wir im Kopf haben, etwa von den jubelnden Massen am Heldenplatz, sind zu fast hundert Prozent von Nazi-Propagandisten hergestellte. Dieser „späten Rache des Nationalsozialismus an der Geschichte„, wie Petschar formuliert, will er Fotos entgegenstellen, die nicht zur Gänze von der Goebbel’schen-Propagandamaschinerie kontrolliert werden konnten (hier findet sich eine große Auswahl dieser Fotos).

Abgesehen vom legitimen Anspruch des Historikers auf möglichst große Quellenvielfalt werde ich bei der Betrachtung des Fotomaterials nicht wirklich schlau, was hier der Goebbel’schen Propagandamaschinerie entgegengestellt werden soll, und wozu überhaupt?

Die Fotos, insbesondere jene, die Demütigungen und Erniedrigungen abbilden, denen sich Jüdinnen und Juden unmittelbar nach dem Anschluss ausgesetzt sahen – ob nun von NS-Fotografen oder von privater Hand hergestellt -, sind, und das muss man wohl unterstellen, Fotos von Tätern bzw. aus der Perspektive von Tätern, die wir Heutigen mit dem Ausdruck des Entsetzens wahrnehmen, weil wir das darauf Gezeigte als Untaten dechiffrieren. Wohlgemerkt, wir Heutigen erkennen das Gezeigte als Untaten; die Fotografen hingegen haben den Auslöser betätigt, weil sie die Aktionen begrüßt haben und ihnen durch die Fotografie gewissermaßen eine höhere Weihe geben wollten (vgl. dazu auch hier).

Susan Sontag, die sich immer wieder mit der Fotografie beschäftigt hat, hat das einmal so auf den Punkt gebracht:

Die Voraussetzung für eine moralische Beeinflussung durch Fotos ist die Existenz eines relevanten politischen Bewusstseins. Ohne die politische Dimension wird man Aufnahmen von der Schlachtbank der Geschichte höchstwahrscheinlich nur als unwirklich oder als persönlichen Schock empfinden.“

Ein (historisches) Foto ist immer eine Konstruktion, es ist immer Propaganda im weitesten Sinn. Wir sollten uns daher immer wieder an Jean Luc Godards Kritik aus den Zeiten des Vietnamkrieges erinnern, als er den Kriegsfotografen vorwarf, sie seien Verbrecher, weil sie nicht eingegriffen haben, um das Unrecht, das sie mit ihrer Kamera fest gehalten haben, zu verhindern. Diese Kritik zielt im Kern genau auf jenen Teil der Realität, der sich gewissermaßen als nicht sichtbarer Mehrwert in das fotografische Bild eingeschrieben hat: Den Fotografen und seine Motive hinter der Kamera.

Dieser Mehrwert erschließt sich aber nicht aus dem Foto selbst, sondern einzig dadurch, dass man den Kontext erhellt. Erst dann kann man Fotos sehen. Susan Sontag hat daher über die Fotografie erzählt, sie hat die Bilder gegen Worte getauscht, und nebstbei einen der hellsichtigsten Sätze geschrieben, den ich je über die Fotografie gelesen habe:

Das Problem besteht nicht darin, dass Menschen sich anhand von Fotos erinnern, sondern dass sie sich nur an die Fotos erinnern.“

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Sometimes in April

Montag, 10. März 2008 22:29

Kurt Cobains Selbstmord war die Schlagzeile der meisten Fernseh- und Radiostationen der westlichen Welt am Morgen des 6. April 1994. Dass an jenem Tag ein Kleinflugzeug beim Landeanflug auf den Flughafen der ruandischen Hauptstadt Kigali mit Boden-Luft-Raketen abgeschossen wurde, sodass die Crew und alle Passagiere, darunter der ruandische Staatspräsident und sein burundischer Amtskollege, getötet wurden, sollte die Weltöffentlichkeit zwar tags danach erfahren, welche entsetzlichen Folgewirkungen dieser Anschlag mit sich bringen würde, war den Medien nicht bewusst – die Experten in der UNO, in den Nachrichten- und Gemeindiensten der großen Nationen wussten allerdings sehr wohl, dass man nun mit dem Schlimmsten zu rechen hatte.

Der großartige Spielfilm „Sometimes in April“ von Raoul Peck (vgl. auch hier), im Nachtprogramm von ARTE gelaufen, versucht anhand der fiktiven Geschichte zweier Brüder, dem Hutu-Offizier Augustin, der mit einer Tutsi verheiratet ist, und dem Radiomoderator Honoré, der beim Radiosender Radio-Télévision Libre des Mille Collines (RTLM) beschäftigt ist, das von langer Hand geplante, propagandistisch aufbereitete und mit unfassbarer Brutalität vollzogene Genozid der Hutu an den Tutsi und gemäßigten Hutu darzustellen. Von April bis Mitte Juli 1994 wurden zwischen 800.000 und 1 Millionen Menschen (beinahe drei Viertel aller in Ruanda lebenden Tutsi) ermordet, fast die Hälfte abgeschlachtet mit Macheten.

Neben der Propagandawaffe Radio (in einem Land mit rund 40% Analphabetenquote das wichtigste Massenmedium) – der Radiosender RTML hat durch Hass- und Hetzparolen gegen die Tutsi (der Film verzichtet mit Fortdauer auf die akustische Wiedergabe der Mordparolen, sie bleiben aber ständig präsent als stumme Untertitel) maßgeblich zur propagandistischen Vorbereitung und Umsetzung des Völkermordes beigetragen, wird in diesem Film vor allem auch das Nichthandeln der Vereinten Nationen, der USA, Frankreichs und Großbritanniens präzise angesprochen, genauer, die ganz bewusste Desinformation der Öffentlichkeit, indem mit Begriffen wie „Chaos“ oder möglichen „genozidalen Akten“ operiert wurde, um keine Handlungen setzen zu müssen (laut UN-Konvention muss bei Völkermord militärisch interveniert werden).

Auf Wikipedia findet sich ein exzellenter Artikel, der den Völkermord in Ruanda, seine Ursachen in Kolonialismus und De-Kolonialismus verortet, und seine Auswirkungen auf die gegenwärtigen Verhältnisse in ganz Zentralafrika in den wesentlichen Details darstellt. Als weiterführende Lektüre, vor allem zur Rolle der Medien, kann die Publikation The Media and the Rwanda Genocide, die auch als vollständige Online-Version zugänglich ist, empfohlen werden.

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Israel in Paris

Samstag, 8. März 2008 15:21

Drei Tage in Paris gewesen. Beruflich. Wieder in jenem kleinen Hotel abgestiegen, unweit der Métro Station La Motte-Picquet-Grenelle (rund 20 Minuten zu Fuß vom Eifelturm entfernt), auf das ich bei meinem ersten Parisbesuch vor drei Jahren zufällig gestoßen bin.

Auch wenn ich nicht viel Zeit zum Flanieren hatte, nach Montparnasse (Métro Station Edgar Quinet, gleich neben dem kleinen Friedhof Montparnasse gelegen, wo sich unter anderen die Gräber von Sartre, Beauvoir, Beckett und Susan Sontag befinden) ins Café Odessa musste ich. Ich trank ein Bier im „Freien“ bei rund 5 Grad plus (Heizstrahler, eine super Erfindung!), wie fast alle Besucher, weil die Regierung per Gesetz mit Anfang des Jahres ein generelles Rauchverbot für Gaststätten verfügt hat, was augenscheinlich dazu führt, dass die Tische und Stühle vor den Bistros, Brasserien, Cafés und Restaurants voll sind, während sich nur wenige, nicht rauchende Gäste ins Innere der Lokale verirren. Dann ging ich runter zum Boulevard Saint-Germain, über die Seine bis zum Louvre, und dann schnurgerade durch den Jardin des Tuileries bis zum Place de la Concorde. Nachdem ich diesen Riesenplatz, in den man den Wiener Heldenplatz wohl zehnmal hineinpacken könnte, endlich überquert hatte, kam ich in die Avenue des Champs-Élysées.

Was für ein mächtiges Symbol, dachte ich, als ich sah, dass die 1,5 km lange und 70 Meter breite Prachtstraße, die vom Place de la Concorde bis hinauf zum Arc de Triomphe reicht, rechts und links mit hunderten französischen und israelischen Flaggen gesäumt war. Die Grande Nation erinnert an die Gründung des Staates Israel vor 60 Jahren.

Im Nachhinein erfahre ich, dass der konkrete Anlass für die Flaggenparade der Salon du Livre ist, die größte Buchmesse der französischsprachigen Welt. Jedes Jahr versammeln sich in Paris Autoren und Verlage aus Frankreich, Kanada, den nordafrikanischen Staaten und anderen französischsprachigen Ländern, und, wie bei anderen Buchmessen auch üblich, jedes Jahr wird ein Gastland eingeladen. Für 2008 ist das Israel, aus Anlass des 60. Jahrestages seiner Staatsgründung.

Große Überraschung: Die Arabische Liga hat längst zum Boykott der Buchmesse aufgerufen, und Algerien, der Libanon, Marokko und Tunesien werden nicht teilnehmen.

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Quotenkampf

Sonntag, 2. März 2008 19:19

1984 wird der vierjährige Gregory Villemin in einem Fluss in den ostfranzösischen Vogesen tot aufgefunden. Im Zuge monatelanger Untersuchungen von Gendarmerie und Staatsanwaltschaft wird ein Verwandter des Kindes verhaftet, aber nach längerer Untersuchungshaft aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen. Jean-Marie Villemin, der Vater des ermordeten Buben, hält ihn dennoch für den Täter. Er wird ihn erschießen und sich unmittelbar nach der Tat der Polizei stellen. Auch Gregorys Mutter, Christine Villemin, wird der Tat verdächtigt und in Untersuchungshaft genommen. Obzwar nach elftägigem Hungerstreik wieder entlassen, wird die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die Frau erst nach acht Jahren einstellen.

Dieses Verbrechen, das in den 80-er und frühen 90-er Jahren in Frankreich großes Aufsehen erregt hat, und bis heute ungeklärt ist, haben Raoul Peck (Regie) und Pascal Bonitzer (Drehbuch) in einem sechsstündigen Fernsehfilm bearbeitet. Auf ARTE in sechs Teilen ausgestrahlt, wird Mysteriöser Kindesmord – Die Affäre Villemin zur präzisen Studie über Funktionsweise und Wirkung der Massenmedien. Zeitungs- Fernseh- und Radiojournalisten von überregionalen wie regionalen Medien, nicht nur die Yellow Press, stürmen den Ort und verfolgen die Bevölkerung für mehrere Monate, bewaffnet mit Mikrofonen und Kameras. Sie verstärken Gerüchte, setzen bewusst Halbwahrheiten und Lügen in Umlauf und verleiten die Ermittlungsbehörden zu folgenschweren Fehlern und Nachlässigkeiten.

Die Folgen 4-6 dieser faszinierenden Fernseh-Miniserie, die auch als Thriller perfekt funktioniert, werden am Samstag, den 8. März, ab 14.00 Uhr auf ARTE wiederholt. Unbedingte Empfehlung!

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