Archiv der Kategorie 'Literatur'

Breaking the rules

Donnerstag, den 31. Juli 2008

Sommer 1979. Ein Wirtshaus im Waldviertel. Im „Extrazimmer“ standen ein Billardtisch, zwei Flipperautomaten und ein „Wuzzler„, also die großen Trostspender für jene quälenden Momente, in denen der Heranwachsende sich kaum mehr in der Lage sieht, sein sexuelles Begehren mit dem Verweis auf das „Prinzip Hoffnung“ zu bändigen. Zwischen diesen Rettungsapparaturen stand auch ein alter Wurlitzer […]

Motortown

Freitag, den 18. April 2008

Der junge britische Dramatiker Simon Stephens, in der Tradition des britischen In-Yer-Face Theatre stehend, das den Anspruch hat, thematisch und sprachlich das Publikum zu schockieren, zeigt in seinem Stück Motortown, zurzeit am Akademietheater in einer Inszenierung von Andrea Breth zu sehen, einen Tag im Leben eines Soldaten der britischen Armee, der im irakischen Basra stationiert […]

Die Wohlgesinnten

Dienstag, den 1. April 2008

Die mediale Aufmerksamkeit, mit der Die Wohlgesinnten, so der deutsche Titel des Romans von Jonathan Littel, der vor zwei Jahren im französischen Original erschienenen ist und sowohl beim Publikum (rund 800.000 verkaufte Exemplare) als auch bei der Kritik (prämiert u. a. mit dem Prix Goncourt, dem wichtigsten französischen Literaturpreis, den der Autor aber dankend ablehnte) […]

Israel in Paris

Samstag, den 8. März 2008

Drei Tage in Paris gewesen. Beruflich. Wieder in jenem kleinen Hotel abgestiegen, unweit der Métro Station La Motte-Picquet-Grenelle (rund 20 Minuten zu Fuß vom Eifelturm entfernt), auf das ich bei meinem ersten Parisbesuch vor drei Jahren zufällig gestoßen bin. Auch wenn ich nicht viel Zeit zum Flanieren hatte, nach Montparnasse (Métro Station Edgar Quinet, gleich […]

Moral ist ganz einfach

Dienstag, den 19. Februar 2008

Ein wunderbarer Nachtragskommentar zur Reise des Berliner Ensembles nach Teheran (hier), der im Tagesspiegel erschienen ist, beschäftigt sich mit dem politischen Engagement von Künstlern. Der Autor nimmt eine präzise Trennung vor zwischen dem gut Gemeintem und dem Gutem, das mit Ersterem nichts gemein hat, und verdeutlicht überdies exemplarisch, wie leicht es im Grunde ist, auch […]

Mutter Courage im Ahmadinedjad-Land

Samstag, den 9. Februar 2008

Seit 1983 findet jedes Jahr das zehntägige Fadjr-Theaterfestival in Teheran statt, eines der größten Theaterevents im islamischen Raum, dass zu Ehren des Führers der islamischen Revolution Ajatollah Ruhollah Chomeini gegründet wurde. Da auf diesem Festival, das heuer vom 6. bis zum 16. Februar ablaufen wird, seit Jahren neben iranischen Produktionen auch internationale zu sehen sind, […]

Kind 44

Freitag, den 8. Februar 2008

Wie kann man als Individuum existieren, wenn der Ehemann, die Ehefrau, der Arbeitskollege, der Freund, der Nachbar, der Unbekannte in der Metro, schlicht jeder und jede, jederzeit zur existentiellen Bedrohung werden kann, ja zur Bedrohung werden muss, will er/sie nicht selbst seine/ihre Existenz bedrohen? Wie es möglicherweise war, unter einer solchen Angstglocke zu leben, erzählt […]

Bücherbörse

Montag, den 14. Januar 2008

In Wien findet seit etlichen Jahren, in Abständen von drei bis vier Monaten, eine Bücherbörse statt, also kein Flohmarkt für Bücher, sondern der größte Markt für gebrauchte und antiquarische Bücher in Österreich. Leser und Sammler von Büchern können gegen eine Eintrittsgebühr von 3 Euro in einem zigtausende Bücher umfassenden Angebot stöbern, das von antiquarischen Kostbarkeiten […]

Groundhog Day forever

Donnerstag, den 10. Januar 2008

Auf Martin Blumenau’ FM4-Log, mit dem ich, kaum im Büro und den PC hochgefahren, mein Tagwerk beginne, fand ich den schönen Satz „You’re no longer imprisoned by your times“, den Bruce Springsteen in einem Gespräch mit Win Butler von Arcade Fire fallen ließ. Springsteen bezog den Satz auf die heutige populäre Musik, die er befreit […]

Notizen zu Lion Feuchtwangers‘ "Die Geschwister Oppermann"

Dienstag, den 25. Dezember 2007

Ich las den Roman „Die Geschwister Oppermann“ von Lion Feuchtwanger. Stauend entnahm ich dem kurzen Nachwort, dass der Text im Frühjahr 1933 verfasst und bereits im November 1933 im Querido-Verlag in Amsterdam erschienen ist. Feuchtwanger befand sich auf einer Auslandsreise, als er von der Machtübernahme der Nationalsozialisten Anfang 1933 erfuhr; er sollte zeitlebens nicht mehr […]