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Der letzte der Ungerechten

Dienstag, 29. Oktober 2013 17:16

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Claude Lanzmann und Benjamin Murmelstein in Rom 1975

Was war das, was ich da gesehen habe im Gartenbaukino am Nationalfeiertag? Mit Sicherheit „einen der Höhepunkte der Viennale„, wie dessen Direktor vor Vorführungsbeginn anmerkte. Claude Lanzmann, Regisseur von Shoah, hat im Jahr 1975 den letzten, von den Nazis ernannten Judenältesten des KZ-Ghettos Theresienstadt, Rabbiner Dr. Benjamin Murmelstein, aufgesucht und mit ihm ein vielstündiges Gespräch über mehrere Tage hinweg geführt. Gedreht wurde in Rom, wo Murmelstein mit Frau und Sohn lebte.

Der einzige überlebende Judenälteste eines Nazi-Ghettos, Leiter der Auswanderungsabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien in den Jahren von 1938 bis zu seiner Deportation nach Theresienstadt im Jänner 1943 (in dieser von den Nazis geschaffenen Funktion hatte er eng mit Adolf Eichmann zusammenzuarbeiten) und nach dem Krieg von Überlebenden als Kollaborateur beschuldigt, war Lanzmanns erster Interview-Partner für den Shoah-Film; er hat dieses Gesprächsmaterial dann aber nicht für diesen Film verwendet.

Das Rohmaterial übergab der Regisseur dem Steven Spielberg Film and Video Archive im United States Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C., mit der Auflage, es für die Forschung zur Verfügung zu stellen (Gesprächssequenzen). Nach einer Vorführung dieses Interview-Materials im Wiener Filmmuseum im Jahre 2007 hat der Filmproduzent Danny Krausz (DOR-Film), wie er im Gartenbaukino sagte, den anwesenden Lanzmann überredet, doch einen Film über Benjamin Murmelstein zu machen. Dieser Film, mitfinanziert von der DOR-Film, hatte unter dem Titel Der letzte der Ungerechten (Originaltitel: Le Dernier des injustes) in Cannes im Frühjahr seine Weltpremiere.

Was soll ich sagen, außer: Hingehen!

Er ist das absolute Gegenteil eines Kollaborateurs. Er war brutal, hatte eine große Schnauze, war ungemein schlagfertig – genau das erlaubte es ihm auch, den Nazis Paroli zu bieten.
(Claude Lanzmann über Benjamin Murmelstein in einem Interview mit der FAZ)

Hier noch Infos zum Hintergrund:

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ES muss raus …

Freitag, 6. April 2012 22:26

Immer wieder taucht ein Deutscher (oder Österreicher) auf, der glaubt, sagen zu müssen, „was gesagt werden muss„, um im selben Atemzug darüber Klage zu führen, nie sagen zu können, „was gesagt werden muss„. Kostümiert als Dichter, zeitgleich in mehreren internationalen Tageszeitungen, oder in Form von Erklärungen oder im Schutz der Anonymität als Poster, sagen sie, „was gesagt werden muss“ nicht über Pakistan, Saudi Arabien, Iran, Afghanistan, Somalia etc., nein: Sie sagen, „was gesagt werden muss„, immer über Israel, immer über den Staat der Juden, „in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten – ein wachsend nukleares Potential verfügbar aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung zugänglich ist„. Sie sagen, „was gesagt werden muss„, immer „dem Land Israel, dem ich verbunden bin und bleiben will„, und sie sagen das, „was gesagt werden muss„, weil „die Atommacht Israel den ohnehin brüchigen Weltfrieden gefährdet durch das behauptete Recht auf den Erstschlag, der das von einem Maulhelden unterjochte und zum organisierten Jubel gelenkte iranische Volk auslöschen könnte, weil in dessen Machtbereich der Bau einer Atombombe vermutet wird„.

Wenn sie dann das gesagt haben, von dem sie meinen, dass es „gesagt werden muss„, und die veröffentlichte Meinung nahezu geschlossen das, „was gesagt werden muss„, als das benennt, was es ist, nämlich: Bullshit, dann wollen sie darin eine Medienkampagne erkennen und fühlen sich in ihrer Meinungsäußerungsfreiheit bedroht!

Die Obsession, mit Israel sich befassen zu müssen, teilt der Literaturnobelpreisträger mit Antisemiten aller Lager. Aber seine in Verse gekleidete perfide Unterstellung, Israel wolle das iranische Volk mittels eines (atomaren) Erstschlags „auslöschen„, sollte – abgesehen von der obszönen Verdrehung von Ursache und Wirkung – wohl auch als Versuch gelesen werden, aus der eigenen Verstrickung in die Menschheitsverbrechen herauszukommen. Es lässt sich besser leben, wenn die Opfer der Nazis selbst zu Nazis gemacht werden.

Henryk M. Broder, der vor rund 15 Jahren in seinem Buch „Der ewige Antisemit – Über Sinn und Funktion eines beständigen Gefühls“ den Antisemitismus vor allem innerhalb der Linken in all seinen Schattierungen offengelegt hat, beendete seine, unter der Überschrift „Günter Grass – Nicht ganz dicht, aber ein Dichter“ in der Tageszeitung Die Welt veröffentlichte Entgegnung auf das Grass’sche „Was gesagt werden muss“ mit folgenden Zeilen:

Die Deutschen werden den Juden nie verzeihen, was sie ihnen angetan haben. Damit im Nahen Osten endlich Frieden einkehrt und auch Günter Grass seinen Seelenfrieden findet, soll Israel „Geschichte werden“. So sagt es der iranische Präsident, und davon träumt auch der Dichter beim Häuten der Zwiebel.“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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Marie Jahoda

Freitag, 2. März 2012 19:06

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Als ich gestern abends mit dem Auto unterwegs war, lief auf Ö1 eine Sendung aus dem Jahre 1996, die mich schon damals tief beeindruckt hatte. Jetzt, 25 Jahre später, hat mich diese Reise ins „Jahrhundert der Extreme“ (Eric Hobsbawn) derart in den Bann gezogen, dass ich mir einen Parkplatz suchte, um ihr meine ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Es war ein Gespräch mit Marie Jahoda, das Doris Stoisser im Rahmen der Ö1 „Im Gespräch„-Sendereihe mit der damals 89-jährigen Sozialwissenschaftlerin geführt hatte. Jahoda hatte wenige Wochen zuvor einen Schlaganfall erlitten. Hätte man das nicht vor Sendungsbeginn erfahren, man hätte beim Zuhören nichts bemerkt: Selten habe ich jemand so analytisch-präzise und zugleich so verständlich sprechen gehört, wie die fast 90-jährige Marie Jahoda. Faszinierend erzählt sie über Marienthal und ihre „privilegierte“ Kindheit („privilegiert“ deshalb, wie sie betonte, weil sie von ihren Eltern geliebt und gefördert wurde), über die Zeit in der Illegalität (als Mitglied der „Revolutionären Sozialisten“ hat sie das austrofaschistische Regime für neun Monate in der Rossauer Kaserne inhaftiert), die Emigration nach Großbritannien (von 1937 bis 1945) und in die USA (von 1945 bis 1958) und ihre sozialwissenschaftlichen Arbeiten (insbesondere über Vorurteile) in Großbritannien.

Marie Jahoda ist vor allem als zentrale Autorin der Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ bekannt, die im Jahre 1933 veröffentlicht wurde. Die Marienthal-Studie gilt dank der innovativen Verknüpfung unterschiedlicher sozialwissenschaftlicher Methoden und der für Laien verständlichen Darlegung der Forschungsergebnisse als einer der wichtigsten Texte der modernen Sozialwissenschaften. Von zeitloser politischer Brisanz ist freilich der zentrale Befund der Studie: Lang andauernde Arbeitslosigkeit führt zu Resignation, Apathie und Untätigkeit und nicht, wie von linken Theoretikern erhofft, zu Auflehnung und Politisierung nach Links. Ein Befund, der sich wenige Jahre danach bestätigen sollte: Die „ermüdeten“ Bewohner Marienthals (Ortsteil von Gramatneusiedl), überwiegend sozialdemokratisch sozialisierte Arbeiter, sind nahezu geschlossen zu den Nazis übergelaufen. (Über die Marienthal-Studie und seine Autorinnen und Autoren gibt es eine hervorragende Website, die vom Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich erstellt wurde).

Beim Zuhören dieser Sendung wurde mir bewusst, wie nahe uns alle mit Marienthal zusammenhängenden Probleme sind – und zugleich wie (denk)fern uns andere Lösungsansätze geworden sind als jene, die propagiert und umgesetzt werden: Seit Gründung der Europäischen Union waren noch nie so viele Menschen ohne Arbeit wie heute. Neben Griechenland bluten Spanien (jeder zweite unter 25-jährige ohne Job!) oder Portugal auf Grund der aberwitzigen Auflagen, die ihnen die Regierungschefs der anderen Mitgliedsstaaten diktieren, ja, diktieren müssen, weil sie die Spielräume der Finanzmärkte nicht einschränken können oder wollen – was weiß ich! In der gesamten Union werden staatliche Ausgaben zurückgenommen und Budgetsparprogramme beschlossen, die mit Sicherheit die Arbeitslosigkeit werden weiter ansteigen lassen.

Jahoda plädiert für andere Ansätze, etwa für die Verkürzung des Achtstundentages auf einen Sechsstundentag, freilich bei vollem Lohnausgleich. Solche grundvernünftige Optionen werden nicht mehr artikuliert – von niemandem mehr. Wenn wir das, aber nicht bald tun, dann ist zu befürchten, dass die nationalistischen Schlägerpartien allerorts in Europa uns wieder dorthin bringen, wo wir nie wieder hinwollten.

Hier noch ein kurzer Video-Ausschnitt der Rede Marie Jahodas auf dem SPD-Parteitag in München am 21. April 1981, in der sie über die psychosozialen Folgen der Arbeitslosigkeit spricht. Unter den Zuhörern befindet sich auch Bruno Kreisky, der in seinen Memoiren davon erzählt, dass er als unpolitischer 14-jähriger zu einem Vortrag der damals 17-jährigen Jahoda gegangen und als Sozialist nach Hause gekommen war. Sein bekannter Ausspruch, „Ein paar Milliarden Schulden mehr bereiten mir weniger schlaflose Nächte als ein paar hunderttausend Arbeitslose!„, ist im Grunde genommen die politische Antwort auf die Erkenntnisse der Marienthal-Studie.

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Geschichte der Dunkelheit

Donnerstag, 14. April 2011 18:41

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Ich gehe gerne auf den Fußballplatz. Ich höre gerne Rock ’n’ Roll, ich lese auch gerne Schriftsteller, die ganz anders arbeiten als ich. Aber ich kann nur so schreiben, wie ich schreibe.“ (Gerhard Roth in einem wunderbaren Interview anlässlich des Erscheinens seines neuen Werks „Orkus – Reise zu den Toten„)

Kürzlich habe ich Gerhard Roths Buch „Die Geschichte der Dunkelheit„, 1991 erschienen, wieder gelesen. Der Autor hat darin den Bericht des Wiener Juden Walter Berger aufgezeichnet, der in der Leopoldstadt aufgewachsen und vor den Nazis nach England geflüchtet ist, wo er, nach mehreren vergeblichen Versuchen in die USA zu gelangen, der tschechischen Exilarmee beigetreten ist und auf Seiten der Alliierten gegen die Nazis gekämpft hat. Nach WK II ging er für eineinhalb Jahre in einen Kibbuz nach Israel, dann nach Deutschland, um schließlich wieder nach Wien in die Leopoldstadt zurück zu kehren (dank der Unterstützung des damaligen SPÖ-Vizekanzlers Bruno Pittermann, der Bergers Lehrer an der Privattechnischen Lehranstalt im Arsenal in den späten 1920-er Jahren gewesen war), in eine Leopoldstadt, in der die Spuren jüdischen Lebens fast gänzlich ausgelöscht waren.

Roths Aufzeichnungen der Lebenserinnerungen des Walter Berger, diese Odyssee durch das Jahrhundert der Extreme (Eric Hobsbawm), ist für mich vor allem ein wunderbares Buch über das Weitermachen – trotz alledem.

Gerhard Roth wird am 15. Mai im Burgtheater aus seinem neuen Buch lesen.

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Pop fetzt Nazis weg

Mittwoch, 2. September 2009 18:48

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Frage: Andere Filme über die Nazi-Zeit versuchen, Wirklichkeit über authentische Requisiten zu schaffen. Operation Walküre mit Tom Cruise musste unbedingt im Bendler-Block gedreht werden

Waltz: Das ist das Gegenteil von dem, das ich meine. Solche Filme sind nicht nur kein Kunstwerk, sie sind auch keine Geschichtsbetrachtung. Sie sind, im besten Fall, Unterhaltung. Dadurch entsteht keine Wahrheit, sondern Selbstgerechtigkeit. Wir erklären unsere Geschichte für erledigt, indem wir uns mithilfe solcher Authentizitätsversicherungen auf der richtigen Seite wähnen. Wir lassen die Wunde nicht mehr aufreißen.
(Christoph Waltz in einem faszinierenden Interview in der Zeit-Online)

In dem köstlichen „Kaiser Nero„-Sketch von Gerhard Polt ärgert sich ein Vater über seinen Buben, weil dieser in der Schule im Fach Geschichte einen Fünfer bekommen hat. Für den Vater unerklärlich, müsse doch jeder längst wissen, wie der Polt-Vater im unnachahmlichen bayrischen Dialekt mosert, „dass der Peter Ustinov der Kaiser Nero war„.

Die Polt’sche Figur hat klarerweise recht, weil in Zeiten der elektronischen Massenmedien jedwede Erinnerung an vergangene Zeiten ausschließlich über von diesen Medien produzierte Bilder hergestellt wird. Was den jugendlichen Kinogängern der 1950-er und 1960-er Jahre ihr Ustinov-Nero war, ist den 2000-ern Bruno Ganz und dessen Hitler-Spiel in „Der Untergang„.

Die Ausschnitte, die ich gesehen hatte, reichten mir völlig: Ich hatte keine Lust, mich dieser Hitler-als-Mensch-Kopie im Kino auszusetzen; einmal davon abgesehen, dass es schlicht widerlich ist, die sadistische Mörderbagage just in dem kurzen Moment ihres Daseins darzustellen, in der es ihr schlecht erging. Es hat mich auch nicht gewundert, dass ich nach dem Kinostart von „Der Untergang“ von Leuten, die den Film gesehen hatten, Sätze hörte, wie „Bruno Ganz spielt so gut, dass ich plötzlich verstanden habe, warum so viele Menschen von Hitler fasziniert sein konnten.

In der faschistischen Ästhetik stirbt der Held, um zum ewigen Bild zu werden, zu jenem Märtyrer, der immer im Geiste mitmarschiert. Die Todesbilder des Postfaschismus haben diesen Vorgang nur dämonisiert oder mit Bedauern verbunden. So blieb das Bild als fixe Idee. Der „Hitler in uns“, „Mensch Hitler“, die unsterbliche Bestie: das nicht abgeschlossene Bild, das die postfaschistische Gesellschaft fürchtet und von dem sie zugleich besessen ist. Vor allem die deutsche Kultur war und ist auf eine unaufklärbare Weise „Hitler-süchtig.“ (Georg Seeßlen im Spiegel)

Diesen Dämonisierungen ist jetzt der Garaus gemacht worden, und zwar mit den Mitteln des amerikanischen Kinos, und von Quentin Tarantino und seinem famosen „Inglourious Basterds„. Historische Authentizität? Fuck off! Stattdessen: Kino als Möglichkeitsraum, in dem der einen Geschichte-Erzählung ganz andere Stories entgegengeschleudert werden. Tarantino, der ehemalige Videothekar, der seit seinem Erstlingswerk Reservoir Dogs den Fundus der populärkulturellen Produktionen kreativ plündert, wie kaum ein anderer, bemüht in diesem Film den Italo- (Sergio Leone) und Spätwestern (Sam Peckinpah) ebenso wie all die Nazi-Trash-Movies, die Comics sowieso, aber auch die großen Melodramen. Herausgekommen ist ein radikaler Wurf, der all die um historische Wahrheit bemühten Filme als das entlarvt, was sie sind: Kitsch.

Once upon a time in Nazi occupied France …“ So beginnt Tarantinos Meisterwerk, gesehen im schönsten Kino Wiens, im Gartenbau, in der Originalfassung mit Untertiteln, was bei diesem Film übrigens von ganz zentraler Bedeutung ist, bildet doch die Sprache, der Gebrauch und die Macht der unterschiedlichen Sprachen, Dialekte und Idiome, welche die Protagonisten sprechen, die Essenz des Films.

Herausragend: Christoph Waltz als SS-Offizier Hans Landa. Hat man je zuvor solch einen teuflisch-bösen, genialen, weil opportunistischen Massenmörder auf der Leinwand gesehen? Eine Jahrhundertperformance. Aber auch die anderen Schauspielerinnen (grandios: Mélanie Laurent) und Schauspieler (August Diehl: Angstschweiß; Til Schweiger: ja, auch der!) agieren virtuos.

Meine Lieblingssequenz: Shoannah Drehfuß (gespielt von Mélanie Laurent), einzige Überlebende des Massakers an ihrer Familie (genauer: SS-Landa, Herr über Leben und Tod, lässt sie entkommen), schminkt sich für ihren großen Auftritt. Sie legt die Kriegsbemalung an, dazu klingt „Cat People (Putting out the fire)“ von David Bowie (schreibt irgendwer bessere Popsongs?).

Und im Dunkel des Kinos feuere ich mit größter Lust gemeinsam mit den beiden Basterds die Magazine ihrer Maschinengewehre leer.

Übrigens hätte es wirklich beinahe eine „Basterds„-Truppe gegeben, und zwar aus Hollywood, wie Georg Seeßlen in der Jungle World angemerkt hat.

Schöne Kritik von Christian Fuchs

P.S.
Das Filmmuseum zeigt im September eine Retrospektive von einem anderen Kinobessessenen, von Martin Scorsese. Neben einigen Großtaten aus seinem Werk, wie Taxi Driver, Mean Streets“ oder The Age of Innocence, freue ich mich ganz besonders auf seine Streifzüge durch das amerikanische und das italienische Kino (A Personal Journey with Martin Scorsese through American Movies und Il mio viaggio in Italia / My Voyage to Italy), in denen der Meister Ausschnitte aus seinen Lieblingsfilmen kommentiert und damit seine Einflüsse offenlegt.

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EU-Wahl

Dienstag, 2. Juni 2009 20:03

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Am nächsten Sonntag finden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt – und heute im ORF die erste und einzige Diskussionsrunde der Spitzenkandidaten. Ist vielleicht auch besser so, möchte man beinahe anmerken, angesichts der „Themen“ der vergangenen Tage und Wochen.

Nicht erst seit diesem Wahlkampf präsentieren uns die meisten Parteien und die Billigmedien Europa als feindliches Territorium, von dem gefährliche Bedrohungen (z.B. organisierte Kriminalität, Neoliberalismus, Ausländer usw.) ausgehen, vor dem Volk und Heimat geschützt werden müssten. Politiker der beiden Regierungsparteien sprechen in der Regel ja nur „gegen die Europäische Union“ oder „von einer anderen Europäischen Union„. Manchmal beschleicht mich der Verdacht, sie möchten uns glauben machen, das Land befände sich noch in der Sondierungsphase, so als ob die Entscheidung, Beitritt oder Nicht-Beitritt, noch zur Debatte stünde.

Einzig die Rechten, die mit Kalkül die „Los-von-Brüssel„-Keule schwingen, und die Grünen verweigern sich dieser Chuzpe. Während Letztere allerdings den einzigen EU-Parlamentarier in ihren Reihen, der sich in ganz Europa einen Namen gemacht hatte, in die Politpension geschickt und damit alles andere denn eine Wahlempfehlung für sich abgegeben haben, steuern die Rechten, eine hemmungslose Hetzkampagne fahrend, einem Wahlerfolg entgegen.

Warum das so sein wird, hat – neben der skizzierten EU-Haltung der Regierungsparteien – auch mit der An Schritt vire, zwa Schritt zruck-Politik der SPÖ zu tun: Wenn der Bundeskanzler den rechten Hetzern ein SHUT UP! entgegen knallt, ist das einmal uneingeschränkt zu begrüßen; wenn er dann aber im Sauseschritt ins Burgenland eilt, um sich für die Verlängerung des Assistenzeinsatzes des Bundesheeres auszusprechen, befördert er erst recht wieder das „(Verun-)Sicherheitsgeschäft“ der Rechten.

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Empörung ist zu wenig

Donnerstag, 28. Mai 2009 18:54

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Graf hat sich nicht spontan geäußert. Er hat überlegt einen hetzerischen Artikel verfasst. Er hat gewusst, was er tut. In der FPÖ brennen keine Sicherungen durch. Es geschieht etwas ganz anderes. Zum ersten Mal nach langer Zeit wird auf Verkleidungen kein Wert mehr gelegt. Man zeigt sich, wie man ist, und man spricht, wie man denkt. Das Blau ist ab, weil man glaubt, sich wieder braun leisten zu können. Das ist das Besorgniserregende. Weil SPÖ und ÖVP ihre klaren Grenzen zur extremen Rechten aufgegeben haben, weil angebiedert statt ausgegrenzt wird, fühlen sich Burschen wie Graf und Wehrsportler wie Strache sicher.„(Peter Pilz in seinem heutigen Blog-Eintrag)

Die Grünen haben eine Online-Petition gestartet, wo man für den Rücktritt des dritten Nationalratspräsidenten unterschreiben kann. Dass die FPÖ politisch ausgegrenzt gehört, weil sie, wie Michael Völker in einem Standard-Kommentar notiert, „eine zutiefst destruktive Kraft (ist), die hetzt, mit Neid arbeitet, die Vorurteile benützt und verstärkt, die Feindbilder propagiert, die Andersdenkende verfolgt, die Menschen fertigmacht„, sich also selbst aus dem zivilisierten demokratischen Diskurs nimmt, dürfte allmählich auch von den Regierungsparteien (zumindest auf Bundesebene) verstanden worden sein – die Grünen haben in dieser Frage immer klar Position bezogen.

Diese Trennlinie einzuziehen, kann aber nur ein erster, wenn auch unbedingt notwendiger Schritt sein. In einem Gespräch, das ich auf der Website des Gedenkdienstes gefunden habe, skizziert Willi Meryin, Gewerkschafter und Vorsitzender des Mauthausen Komitee Österreich, eine konkrete gesellschaftliche Problemstellung, die nicht nur mit Empörungsdiskursen zu bewältigen sein wird:

Mein Sohn hatte im Kindergarten einen besten Freund. Mein Sohn ist dann in eine Mehrstufenklasse gekommen. Lauter alternative, anti-faschistische Lehrer. Anti-Diskriminierungsprojekte, Workshops, keine Noten, alle ‚per Du‘ – eine Super-Schule. Wie viele Türken waren in dieser Schule? Keine. Es war nämlich eine Ganztagesschule, wo nur Kids hindürfen, von denen beide Elternteile berufstätig sind, was bei vielen türkischen Familien nicht der Fall ist. Das hat aber geheißen, dass in der Nebenschule der Anteil türkischer Kinder 80% war. Dort war auch der beste Kindergartenfreund meines Sohnes. Die haben natürlich keine anti-rassistischen Projekte gehabt. Die waren halt nicht in Mauthausen. Das sind dann aber eher die Leute, die auf den Lehrstellenmarkt kommen. (…) Wir können ja heute auch nicht zu einem Lehrling hingehen und sagen: ‚Du bist nicht sozial benachteiligt.‘ Er ist es und er weiß es. Und wir müssen ihm nicht nur eine Perspektive aufzeigen, wir müssen sie ihm auch ermöglichen.

Ansonsten kann ich nur auf einen älteren Blog-Eintrag verweisen.

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Der Blick voraus in die Vergangenheit

Freitag, 15. Mai 2009 20:54

kluge_portraitIm Jahre 1927 hat der sowjetische Filmemacher Sergei Eisenstein rund 60.000 Meter Film für seine Version der Oktoberrevolution abgedreht. Mit allen Freiheiten ausgestattet, das Politbüro hinter sich, Geld spielt keine Rolle – in Moskau wird das elektrische Licht ausgeschaltet, falls der Meister das für notwendig hält -, kurz: er kann agieren wie Cecil B. deMille in Hollywood. Und dann kommt der Befehl, binnen weniger Tage den Film Oktober auf eine Länge von 100 Minuten (2000 Filmmeter) zu schneiden.
Eisenstein ist Perfektionist. Er beherrscht mehrere Sprachen und verfasst seine Texte (= einzelne Sätze) bewusst mehrsprachig, immer auf der Suche nach größmöglicher Präzision der Begriffe. Er arbeitet Tag und Nacht, nimmt Aufputschmittel, er arbeitet bis die körperlichen Mühen ihm die Sehkraft rauben. Eisenstein wird für einige Wochen blind sein.

Diese Geschichte erzählt die russische Filmhistorikerin Oksana Bulgakowa, die sich der Aufarbeitung von Leben und Werk des großen sowjetischen Filmemachers verschrieben hat, gleich zu Beginn von „Nachrichten aus der ideologischen Antike. Marx – Eisenstein – Das Kapital„, einem fast zehnstündigen Filmprojekt, in dem Alexander Kluge eine andere Idee Eisensteins aufgegriffen hat, eine unverwirklicht gebliebene, nämlich einen Film über „Das Kapital“ von Karl Marx herzustellen.

Marx ist Material für die Schulpause, nicht für die Schulstunde.“ (Alexander Kluge)

Nachrichten aus der ideologischen Antike. Marx – Eisenstein – Das Kapital“ ist eine Montage aus Dialogen und Interviews, Filmsequenzen, Bildern, Texten und Musik, von der gestern spätnachts auf SWR eine etwa 90-minütige Kompilation ausgestrahlt wurde.

Marx ist 1818 geboren (…) in einer Zeit, in der es Sklaverei und Kinderarbeit gab. Dies alles wird beseitigt, der Achtstundentag erobert. 1942 ist Marx 124 Jahre alt: Da haben wir Auschwitz. Wenn ich nun wählen sollte zwischen Kinderarbeit, Sklaverei und Auschwitz, würde ich nicht den Fortschritt wählen. Es gibt auch einen Fortschritt des Bösen. Es geht nicht von selbst zur Aufklärung hin.“ (Kluge in einem FAZ-Interview)

Wer zum ersten Mal einen fürs Fernsehen produzierten Beitrag von Alexander Kluge sieht, wird zunächst an eine Bildstörung denken, vor allem auch deshalb, weil diese Irritationen eben nicht auf ARTE sondern im deutschen kommerziellen Fernsehen stattfinden. Sendungen wie 10 vor 11, Primetime Spätausgabe oder News & Stories, sind erratische Blöcke im Einheitsbrei.

Kluge beherrscht als Geschäftsführer der DCTP mittlerweile jene Sendeflächen im Privatfernsehen (RTL, SAT 1 und Vox), die gesetzlich für „unabhängige Dritte“ freizuhalten sind, ein Zugeständnis, dass die SPD der Kohl-CDU bei der Einführung des kommerziellen Fernsehens im Jahre 1984 abgetrotzt hat. Diese Sendeflächen werden alle fünf Jahre neu ausgeschrieben und sind äußerst begehrt. Kluge hat es über die Jahre bestens verstanden, die meisten Konkurrenten (Spiegel, Süddeutsche, Stern, Neue Züricher Zeitung, BBC Worldwide) ins DCTP-Boot zu holen, und als de facto Monopolist konnte er in dieser Nische ein mittlerweile höchst profitables Geschäftsmodell aufbauen (vgl. hier und hier).

Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät.“ (Marx in der Einleitung von „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie„. In: Karl Marx / Friedrich Engels: Werke Band I. Dietz Verlag, Berlin/DDR 1976, S.378 (MEW-Online)

Einer der Partner, mit dem Kluge über viele Jahre hinweg immer wieder seine für ihn typischen Dialoge, die alles andere als ein Frage-Antwort-Spiel sind, geführt hat, war Heiner Müller. Die Kluge-Müller-Fernsehgespräche, die einen ungemein anregenden Einblick in die Arbeits- und Denkweisen beider Figuren geben, sind im Internet frei zugänglich (Videos, Transkriptionen und Zusatzinfos).

Den ganzen Kluge-Film über „Das Kapital“ gibt es auf drei DVDs für 30,80 Euro.

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Die Kopfnuss

Freitag, 6. Februar 2009 14:12

the_statementGestern lief auf 3sat „The Statement – Am Ende einer Flucht“ von Norman Jewison aus dem Jahre 2003 mit Michael Caine in der Rolle eines französischen Nazi-Kollaborateurs und Kriegsverbrechers, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg dank der Unterstützung katholischer Ordensbrüder der Strafverfolgung entziehen konnte. Tilda Swinton, heurige Jury-Vorsitzende der Berlinale, spielt eine Richterin, die 50 Jahre danach der Flucht ein Ende bereitet.

Der Thriller ist nicht nur wegen der darstellerischen Brillanz seiner beiden Protagonisten höchst sehenswert, sondern vor allem auch deshalb, weil er sich mit dem Weiterleben von faschistischen und antisemitischen Strömungen im Nachkriegsfrankreich beschäftigt. Die französische Staatsdoktrin basierte auf dem Mythos der Résistance, die Nazi-Kollaboration und das Vichy-Regime wurden ausgeblendet. So wie hierzulande die politische Nachkriegselite die Moskauer-Erklärung zum Anlass nahm, um den Mythos vom ersten Opfer der Nazi-Aggression auszuhecken.

Dies erklärt wohl auch, weshalb in Frankreich faschistische Pfaffen wie Marcel Lefebvre und die von ihm gegründete Priesterbruderschaft St. Pius X. und säkuläre Ableger wie Le Pen ihr Unwesen treiben konnten.

Lefebvre und seine Anhänger kamen in Konflikt mit der Kirche im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils, dessen Modernismus und Liberalismus sie nicht mittragen wollten. Vor allem waren es jene Zeilen der Erklärung „Nostra Aetate„, die Papst Paul VI im Jahre 1965 veröffentlichen ließ, die die Bruderschaft in Rage versetzten:

Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen. Gewiß ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, daß niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht. Im Bewußtsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle Verfolgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Haßausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben.

Was hier schwulstig und geschraubt daher kommt, war eine Revolution innerhalb der römisch-katholischen Kirche: Die Absage an die Ideologie von der „unaufhebbaren Kollektivschuld der Juden“ an der Kreuzigung des Jesus von Nazaret, die Absage an den „Gottesmord„-Irrsinn, der den Antijudaismus und die Verfolgung der Juden durch die römisch-katholische Kirche nahezu zwei Jahrtausende hindurch legitimiert hatte.

Diese Aussage zum Verhältnis von Juden und Christen ging den Fanatikern um Lefebvre absolut gegen den Strich.

Wenn jetzt in den Medien ernsthaft erörtert wird, Josef Alois Ratzinger könnte von seinen Beratern falsch informiert oder gar bewusst getäuscht worden sein über die Ansichten der Priesterbruderschaft, dann kann man sich nur wundern. Ratzinger, der von 1981 bis 2005 Präfekt der „Kongregation für die Glaubenslehre“ war, somit Boss der obersten Kirchenbehörde, deren Aufgabe darin besteht, die Kirche vor abweichenden Glaubensvorstellungen zu schützen, zu unterstellen, er hätte nicht alles über die Lefebvre-Brüder gewusst, beleidigt lediglich die Intelligenz dieses Mannes, die von den gleichen Medien, die diesen Unsinn verzapfen, bei jeder Gelegenheit gerühmt wurde. Ratzinger wusste, was er tat.

Immerhin haben die Deutschen eine Kanzlerin, die dem Landsmann eine ordentliche Kopfnuss verpasst hat.

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Galeano und die toten Juden

Donnerstag, 22. Januar 2009 21:47

Eduardo Galeano ist ein angesehener Mann. Der Journalist und Schriftsteller, mit uruguayanischem Pass, wurde zur Ikone der Linken, nachdem im Jahre 1971 sein anti-kolonialistisches Werk, Die offenen Adern Lateinamerikas, veröffentlicht worden war.

Eduardo Galeano ist ein kämpferischer Mann. Von der Militärjunta ins spanische Exil getrieben, hat der mittlerweile wieder in Uruquay lebende Autor immer wieder Bücher publiziert und seine Artikel und Kommentare werden von linken US-amerikanischen und britischen Publikationen, wie The Progressive, The Nation oder New Internationalist, aber auch etwa von der deutschen TAZ, gerne gedruckt.

Über einen TAZ-Blog ist sein jüngster Text, der auf einer uruquayanischen Website veröffentlich wurde, zugänglich (hier die deutsche Übersetzung), ein Kommentar, der sich mit dem Krieg Israels gegen die Hamas beschäftigt, und den Galeano, wie er am Ende anmerkt, seinen „jüdischen Freunden, die von durch Israel beratenen lateinamerikanischen Diktaturen ermordet wurden„, widmet.

Dieser Kommentar, der auf dem TAZ-Blog unkommentiert blieb, ist ein perfides anti-israelisches Pamphlet (Galeano bezeichnet das Vorgehen der israelischen Armee gegen die Hamas als „Ausrottungskrieg„, als „Operation ethnischer Säuberung„), in dem Israel und die USA („Obermacher-Weltmacht„) für alle Übel dieser Welt verantwortlich gemacht und, der abstrusen Argumentation folgerichtig, die Palästinenser zu Widerstandskämpfer und Opfer des „israelischen Staatsterrorismus“ stilisiert werden.

Über jemanden, der den islamistischen Selbstmord- und Raketenterror als Manifestation der „Verzweiflung“ bezeichnet und damit legitimiert, der überall die „Manipulationsmassenmedien“ am Werk sieht und der überdies noch die Schamlosigkeit besitzt, dieses Machwerk toten Juden zu widmen, bräuchte man keine Worte mehr verlieren. Wer so argumentiert, nimmt sich selbst aus einer ernsthaften politischen Debatte.

Doch Galeano ist kein namenloser Spinner, sondern ein linker Strahlemann, und, ich fürchte, seine Positionen werden von vielen globalisierungskritischen Linken und Friedensbewegten (hier ein Beispiel) geteilt – wenn nicht gar von einer Mehrheit. Deshalb muss man sich mit den Galeanos dieser Welt und mit ihren grauenhaften Ansichten auseinandersetzen. Ihr dualistisches Weltbild kennt nur abgrundtief böse Täter und absolut unschuldige Opfer, in deren Namen sie ihre Glaubenssätze selbstgerecht absondern. Um diesem Blendwerk, das sie über alle Konflikte und Auseinandersetzungen stülpen, zu entsprechen, müssen die Verbrechen und Unmenschlichkeiten, die von den Unterdrückten dieser Erde begangen werden, ebenso geleugnet werden wie alle fortschrittlichen Forderungen und Handlungen der Unterdrücker.

Im Grunde sind die Galeanos dieser Welt Gläubige, säkularisierte zwar, aber ihren frommen Brüdern und Schwestern wesensgleich, anerkennt doch beider Denken nur eine einzige Wahrheit, die absolute nämlich.

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