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Geschichte der Dunkelheit

Donnerstag, 14. April 2011 18:41

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Ich gehe gerne auf den Fußballplatz. Ich höre gerne Rock ’n’ Roll, ich lese auch gerne Schriftsteller, die ganz anders arbeiten als ich. Aber ich kann nur so schreiben, wie ich schreibe.“ (Gerhard Roth in einem wunderbaren Interview anlässlich des Erscheinens seines neuen Werks „Orkus – Reise zu den Toten„)

Kürzlich habe ich Gerhard Roths Buch „Die Geschichte der Dunkelheit„, 1991 erschienen, wieder gelesen. Der Autor hat darin den Bericht des Wiener Juden Walter Berger aufgezeichnet, der in der Leopoldstadt aufgewachsen und vor den Nazis nach England geflüchtet ist, wo er, nach mehreren vergeblichen Versuchen in die USA zu gelangen, der tschechischen Exilarmee beigetreten ist und auf Seiten der Alliierten gegen die Nazis gekämpft hat. Nach WK II ging er für eineinhalb Jahre in einen Kibbuz nach Israel, dann nach Deutschland, um schließlich wieder nach Wien in die Leopoldstadt zurück zu kehren (dank der Unterstützung des damaligen SPÖ-Vizekanzlers Bruno Pittermann, der Bergers Lehrer an der Privattechnischen Lehranstalt im Arsenal in den späten 1920-er Jahren gewesen war), in eine Leopoldstadt, in der die Spuren jüdischen Lebens fast gänzlich ausgelöscht waren.

Roths Aufzeichnungen der Lebenserinnerungen des Walter Berger, diese Odyssee durch das Jahrhundert der Extreme (Eric Hobsbawm), ist für mich vor allem ein wunderbares Buch über das Weitermachen – trotz alledem.

Gerhard Roth wird am 15. Mai im Burgtheater aus seinem neuen Buch lesen.

Thema: Geschichte, Literatur, Politik | Kommentare (0) | Autor:

Kurzer Nachtrag zu Eric Hobsbawm

Donnerstag, 24. Januar 2008 12:46

Eric Hobsbawm, der am 21. Jänner im Roten Salon des Wiener Rathauses von Bürgermeister Michael Häupl zum „Ehrenbürger der Stadt Wien“ ernannt wurde, ist tags darauf auch im Rahmen einer Veranstaltung der „Wiener Vorlesungen“ im Festsaal des Rathauses von Historikern geehrt worden. Die von über tausend Menschen besuchte Veranstaltung fand beachtliches Echo in den Medien – wie insgesamt der Besuch Hobsbawms in Wien.

Hier einige Links dazu:
Laudatio von Hubert Christian Ehalt (veröffentlicht in der Tageszeitung „Die Presse“)
Kurzer Bericht über die Veranstaltung (ebenfalls „Die Presse“)
Schönes Interview mit Eric Hobsbawm (aus „Spiegel-Online“)
Rezensionen wichtiger Publikationen des Historikers (aus „Perlentaucher“)

Thema: Allgemein, Geschichte | Kommentare (2) | Autor:

Eric Hobsbawm

Samstag, 12. Januar 2008 11:41

Der Historiker Eric Hobsbawm schreibt in seiner wunderbaren Autobiographie Gefährliche Zeiten – Ein Leben im 20. Jahrhundert, wie er im Alter von 15 Jahren im Berlin der Jahre 1932/33 zum Kommunisten geworden war und seiner Überzeugung aus „Trotz“ und „Stolz“, wie er betont, und ohne sich Illusionen über die Verhältnisse in den real existierenden Sozialismen nach Weltkrieg II zu machen, zeitlebens treu geblieben ist. Obzwar Hobsbawm gegen den Einmarsch der Roten Armee in Ungarn 1956 öffentlich Stellung bezog, verweigerte er sich der anti-kommunistischen Kalten-Kriegsfront, in der sich viele ehemalige Genossen einfanden. Der Autor unterscheidet zwischen den sich an der Macht befindlichen KPs und den kommunistischen Parteien im Westen, die sich in Opposition befanden und deren Mitglieder, je nach Land verschieden, mit Berufsverboten bzw. erheblichen beruflichen Nachteilen zu rechnen hatten. So blieben dem linken Historiker die universitären Tore auf Grund seiner Mitgliedschaft in der KP Großbritanniens bis spät in die 70-er Jahre verschlossen. Dass er dennoch eine große intellektuelle Karriere machen konnte, verdankte er liberal gesinnten Verlegern, die seine historischen Studien publizierten und seinem Faible für den Jazz. Seine Konzert- und Plattenkritiken erschienen in der Presse, freilich unter diversen Pseudonymen.

Warum blieb er trotz alledem Kommunist? Warum wollte er sich dennoch nicht von der Partei trennen? Zum einen, schreibt Hobsbawm, weil er gewissermaßen noch vor den stalinistischen Prozessen in sehr jungen Jahren kommunistisch sozialisiert worden war, und zum anderen, weil die Oktoberrevolution und die UdSSR – trotz aller unleugbaren Missstände und letztendlich ungeheuerlichen Verbrechen – das in der Geschichte der Menschheit einzige Projekt der Befreiung der Arbeiterklasse war. Vor diesem Hintergrund wird nachvollziehbar, dass Hobsbawm den Bruch Chruschtschows mit dem Stalinismus, den er in der berühmten Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU im Jahre 1956 vollzogen hat, als den Beginn des Niedergangs erfasst.

Am 22. Jänner ist Eric Hobsbawm auf Einladung der „Wiener Vorlesungen“ im Wiener Rathaus – und ich werde auch dort sein.

Thema: Allgemein, Geschichte, Politik | Kommentare (3) | Autor: