TV Tatorte

krug_breuer_01

Als TV-Krimifan bin ich klarerweise ein Tatort-Junkie: Falls ich an einem Tatort-Sonntag nicht zu Hause sein sollte, wird der Videorecorder programmiert, und auch mit den alten Folgen, die in den „Dritten“ (SWR, NDR, WDR …) Programmen in schöner Regelmäßigkeit wiederholt werden, wird so verfahren. Also im Durchschnitt komme ich auf zwei Tatort-Folgen pro Woche.

Der Tatort ist die mit Abstand am längsten laufende Fernsehserie im deutschsprachigen Raum – und nach wie vor auch die beliebteste: rund sieben Millionen sind bei der Erstausstrahlung dieser Qualitätsproduktion des öffentlich-rechtlichen Fernsehens dabei. Die erste Tatort-Folge wurde 1970 gesendet und am kommenden Sonntag wird die 722. Folge ausgestrahlt – wie immer um 20.15 Uhr im Ersten (ARD) und zeitgleich auf ORF 2. Alle wichtigen Infos zu den Tatort-Krimis gibt’s hier und hier.

Natürlich habe ich auch meine besonderen Lieblinge: Von den „alten“ Folgen sind das die Duisburger mit Schimanski (Götz George) und Thanner (Eberhard Feik) und die Hamburger mit Stoever (Manfred Krug) und Brockmöller (Charles Breuer). Mit Letzteren wurde auch eine Tatort-Folge produziert, die mir besonders in Erinnerung geblieben ist. Es war die Folge 414, wie ich der Website „Tatort Fans – die inoffiziellen Homepage“ entnommen habe (dort ist so ziemlich alles über alle Tatort-Folgen zu finden), in der ein „Häuslbauer“ (Ulrich Mühe) einem Immobilienbetrüger auf den Leim gegangen ist und samt Frau (Susanne Lothar) und Kindern am Traum vom eigenen Haus kaputt geht. Unvergessen dieser Hamburger Tatort, unvergessen wie der Ausnahmekönner Ulrich Mühe.

Von den jetzigen Ermittler-Teams stehe ich vor allem auf die Kieler Borowski (Axel Milberg) und Jung (Maren Eggert), die Ludwigshafener Odenthal (Ulrike Folkerts) und Kopper (Andreas Hoppe), die Kölner Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) und die neuen Dresdner Saalfeld (Simone Thomalla) und Keppler (Martin Wuttke!!!).

Nun ist das Besondere an den Tatorts nicht das Aufgreifen „gesellschaftlich relevanter Themen“ per se – relevante Themen greifen die Fernsehmacher mittlerweile alle auf, auch die Privaten in ihren Talkshows. Das Besondere an den Tatorts ist das WIE dieser Thematisierung, nämlich im besten Sinn aufklärerisch, offene Diskussion und Reflexion über gesellschaftliche Problemstellungen, verpackt in eine Kriminalgeschichte!

Ein gelungenes Beispiel dafür lieferte die Folge vom letzten Sonntag zu den Themen Zwangsheirat und Ehrenmorde. Das Drehbuch stammte von Seyran Ate? und Thea Dorn (Hier ein Interview dazu mit den beiden Autorinnen). Der Film behandelt den Konflikt zwischen der westlich-urbanen und der muslimisch-traditionellen Welt, und zwar innerhalb einer deutschen Unternehmerfamilie mit türkisch-muslimischen Background, also innerhalb einer Familie, die es im „bürgerlichen“ Sinne geschafft hat und vermeintlich „integriert“ ist.

Die Tatort-Folge zeigte, wie man diese bisanten Themen, die zumeist nur mit rassistischen Konnotationen oder im Toleranz-Wischiwaschi diskutiert werden, ernsthaft erörtern kann: Emanzipatorisch und laizistisch!

Autor:
Datum: Freitag, 13. Februar 2009 23:30
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Film, Geschichte, Politik

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

2 Kommentare

  1. 1

    Vielen Dank, ich kann es nur unterstützen. Die Tatorte sind wirklich wirklich gut. Wobei ich als Münsterraner natürlich den Münster Tatort am besten finde.

    Grüße aus der Tatort Stadt Münster

    Gerald

  2. 2

    Die Tatortfolgen , außer die Münsterserie, sind aus meiner Sicht gähnend bis stinkend langweilig. Zielgruppe: Hauptsächlich 60 bis 90 Jahre. Low Budget und keine neuen Ideen. Zur Abwechslung könnte vielleicht mal zur besten Sendezeit gegen 20 Uhr 15 keine deutsche Serienbilligproduktion ausgestrahlt werden. Aber jeden Abend um die selbe Zeit das gleiche Strickmuster. Deutsche Low Budget- Schnulz-Liebeskomödien, Krimis etc. Die ARD Intendanten könnten bei umgerechnet 9 Milliarden GEZ-Einnahmen/Jahr mal eine etwas aufwendigere und interessanter Produktion ausstrahlen. Wäre fair gegenüber dem Verbraucher, der zahlt ja ab kommendem Jahr pauschal kräftig ein. Ach ja: Ein anderer öffentlich rechtlicher Sender hat sich über die Mediathek weiter professionalisiert. Eine Entwicklung, die bei der ARD völlig vorbeizieht.

    Auf einen weiteren langweiligen Fernsehabend
    Gruß Martin

    P.S: Ein Raab Zitat: „Alles was die ARD scheiße findet, wird ein Kracher“

Kommentar abgeben