Beitrags-Archiv für die Kategory 'Film'

Der Blick voraus in die Vergangenheit

Freitag, 15. Mai 2009 20:54

kluge_portraitIm Jahre 1927 hat der sowjetische Filmemacher Sergei Eisenstein rund 60.000 Meter Film für seine Version der Oktoberrevolution abgedreht. Mit allen Freiheiten ausgestattet, das Politbüro hinter sich, Geld spielt keine Rolle – in Moskau wird das elektrische Licht ausgeschaltet, falls der Meister das für notwendig hält -, kurz: er kann agieren wie Cecil B. deMille in Hollywood. Und dann kommt der Befehl, binnen weniger Tage den Film Oktober auf eine Länge von 100 Minuten (2000 Filmmeter) zu schneiden.
Eisenstein ist Perfektionist. Er beherrscht mehrere Sprachen und verfasst seine Texte (= einzelne Sätze) bewusst mehrsprachig, immer auf der Suche nach größmöglicher Präzision der Begriffe. Er arbeitet Tag und Nacht, nimmt Aufputschmittel, er arbeitet bis die körperlichen Mühen ihm die Sehkraft rauben. Eisenstein wird für einige Wochen blind sein.

Diese Geschichte erzählt die russische Filmhistorikerin Oksana Bulgakowa, die sich der Aufarbeitung von Leben und Werk des großen sowjetischen Filmemachers verschrieben hat, gleich zu Beginn von „Nachrichten aus der ideologischen Antike. Marx – Eisenstein – Das Kapital„, einem fast zehnstündigen Filmprojekt, in dem Alexander Kluge eine andere Idee Eisensteins aufgegriffen hat, eine unverwirklicht gebliebene, nämlich einen Film über „Das Kapital“ von Karl Marx herzustellen.

Marx ist Material für die Schulpause, nicht für die Schulstunde.“ (Alexander Kluge)

Nachrichten aus der ideologischen Antike. Marx – Eisenstein – Das Kapital“ ist eine Montage aus Dialogen und Interviews, Filmsequenzen, Bildern, Texten und Musik, von der gestern spätnachts auf SWR eine etwa 90-minütige Kompilation ausgestrahlt wurde.

Marx ist 1818 geboren (…) in einer Zeit, in der es Sklaverei und Kinderarbeit gab. Dies alles wird beseitigt, der Achtstundentag erobert. 1942 ist Marx 124 Jahre alt: Da haben wir Auschwitz. Wenn ich nun wählen sollte zwischen Kinderarbeit, Sklaverei und Auschwitz, würde ich nicht den Fortschritt wählen. Es gibt auch einen Fortschritt des Bösen. Es geht nicht von selbst zur Aufklärung hin.“ (Kluge in einem FAZ-Interview)

Wer zum ersten Mal einen fürs Fernsehen produzierten Beitrag von Alexander Kluge sieht, wird zunächst an eine Bildstörung denken, vor allem auch deshalb, weil diese Irritationen eben nicht auf ARTE sondern im deutschen kommerziellen Fernsehen stattfinden. Sendungen wie 10 vor 11, Primetime Spätausgabe oder News & Stories, sind erratische Blöcke im Einheitsbrei.

Kluge beherrscht als Geschäftsführer der DCTP mittlerweile jene Sendeflächen im Privatfernsehen (RTL, SAT 1 und Vox), die gesetzlich für „unabhängige Dritte“ freizuhalten sind, ein Zugeständnis, dass die SPD der Kohl-CDU bei der Einführung des kommerziellen Fernsehens im Jahre 1984 abgetrotzt hat. Diese Sendeflächen werden alle fünf Jahre neu ausgeschrieben und sind äußerst begehrt. Kluge hat es über die Jahre bestens verstanden, die meisten Konkurrenten (Spiegel, Süddeutsche, Stern, Neue Züricher Zeitung, BBC Worldwide) ins DCTP-Boot zu holen, und als de facto Monopolist konnte er in dieser Nische ein mittlerweile höchst profitables Geschäftsmodell aufbauen (vgl. hier und hier).

Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät.“ (Marx in der Einleitung von „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie„. In: Karl Marx / Friedrich Engels: Werke Band I. Dietz Verlag, Berlin/DDR 1976, S.378 (MEW-Online)

Einer der Partner, mit dem Kluge über viele Jahre hinweg immer wieder seine für ihn typischen Dialoge, die alles andere als ein Frage-Antwort-Spiel sind, geführt hat, war Heiner Müller. Die Kluge-Müller-Fernsehgespräche, die einen ungemein anregenden Einblick in die Arbeits- und Denkweisen beider Figuren geben, sind im Internet frei zugänglich (Videos, Transkriptionen und Zusatzinfos).

Den ganzen Kluge-Film über „Das Kapital“ gibt es auf drei DVDs für 30,80 Euro.

Thema: Film, Fotografie, Geschichte, Literatur, Musik, Politik | Kommentare (1) | Autor:

Abzocke

Samstag, 11. April 2009 18:34

lupeUm von meinem PC das Filmstreaming-Portal kino.to ansteuern zu können, muss ich zunächst einmal den Online-Guard meines Antivirenprogramms ausschalten, der mich vor Websites, wo Abzocke, Viren und Trojaner lauern, schützen soll. Auf Kino.to angekommen, findet man tausende TV-Serien und Kinofilme, klarerweise auch solche, die erst jüngst ins Kino gekommen sind bzw. bei uns noch gar nicht laufen. Die Domainendung „.to“ verweist auf das Königreich Tonga, einen Inselstaat im Südpazifik, nahe der Datumsgrenze gelegen. Deshalb sehen wir hierzulande TV-Bilder von feiernden Insulanern alljährlich am Neujahrstag, dürfen die Tonganer das Neue Jahr doch schon rund 11 Stunden vor uns begrüßen.

Die Server von kino.to sollen sich in Russland befinden, in der Europäischen Union ist ein derartiger Dienst nämlich nicht erlaubt. Die Kids, die das Portal begeistert nutzen, dürfte dies freilich nicht wirklich interessieren. Sehr wohl aber die Art und Weise, wie sich kino.to und andere derartige Portale finanzieren. In einem Bericht von Focus-Online wird nämlich ein typisches Beispiel von Internet-Abzocke angeführt:

Kürzlich wurde Besuchern von Kino.to mit geschickt gestalteten Werbebannern die Vireninfektion des eigenen PCs vorgetäuscht. Ein Klick auf die gefälschte Sicherheitswarnung führte auf eine Website, die dem Nutzer ein kostenloses Anti-Viren-Programm zur Desinfektion des Rechners versprach. Mit der Registrierung schloss das ahnungslose Opfer ungewollt ein Zweijahresabo für 316 Euro ab.“

Aber auch ein anderer bekannter Abzocker ist auf Kino.to aktiv: Im Partnerprogramm des Filmstreaming-Portals scheint nämlich Opendownload.de auf, ein so genannter Downloaddiensteanbeiter, der Gratissoftware auf seinem Server zum Download anbietet, also Software, die im Internet kostenfrei zu kriegen ist, wie etwa Musik- und Videoplayer, der Adobe Acrobat Reader oder die Open Source Software Open Office.
Wer diesen „Dienstleister“ in Anspruch nimmt, also in einem Online-Formular Namen, Adresse etc. hinterlässt, schließt damit gleich einmal ein Jahresabo für 96 Euro ab und verzichtet obendrein auf sein Widerrufsrecht.

Opendownload.de ist zwar schon im Fokus der Konsumentenschützer und der zuständige Minister Rudolf Hundsdorfer hat angekündigt, sich innerhalb der Europäischen Union für schärfere Bestimmungen einzusetzen. Das wird freilich noch länger dauern. Bis dahin können Geschädigte einen vom österreichischen Internet-Ombudsmann zur Verfügung gestellten Musterbrief ausfüllen und per Post (eingeschrieben!) an die in Deutschland ansässige Firma schicken. Dann heißt es cool bleiben und die diversen Mahn- und Drohschreiben mit Gelassenheit ertragen. Irgendwann sollten diese aufhören – so hoff’ ich doch.

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Revanche

Dienstag, 24. Februar 2009 21:02

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Johannes Krisch und Ursula Strauss © Lukas Beck

Am Tag vor der Oscar-Verleihung habe ich mir Götz Spielmanns Revanche, der in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert war, im schönsten Kino der Stadt, im Gartenbaukino, angesehen. Ich fürchte, es war der erste österreichische Film, für den ich ins Kino gelaufen bin. Das soll nicht heißen, dass ich heimische Filme grundsätzlich nicht mag, aber ich assoziiere sie halt nicht mit KINO sondern mit Fernsehen (=ORF), Video und neuerdings DVD. KINO heißt für mich USA, Frankreich und dann der Rest der Welt – aber nicht die Leopoldstadt oder das Waldviertel. Ich weiß, eine ignorante und völlig vertrottelte Haltung, für die ich auch nicht die kaputten strukturellen Bedingungen für österreichische Filme (wenig Geld, kaum Kopien, kurze Zeit in den Kinos, nahezu null Promotion etc.) verantwortlich machen kann.

Warum ich dennoch ins Kino gegangen bin, hing einfach mit der Oscar-Nominierung zusammen. Ich dachte mir: Wenn ein österreichischer Film für einen Auslandsoscar nominiert wird, dann muss er verdammt gut sein. Aber wenn ein österreichischer Film für einen Auslandsoscar nominiert wird, obwohl im Jahr davor ein österreichischer Film mit dieser Auszeichnung bedacht worden war, dann kann es sich bei diesem Film nur um einen Jahrhundertbeitrag zur Geschichte des Films handeln. (So chauvinistisch dämlich werden die Damen und Herren der Auswahljury wohl eh nicht sein).

Der Film ist ein Meisterwerk. Spielmann holt die griechische Tragödie ins Waldviertel. Stimmige Bilder, brillante Dialoge, wunderbare Menschendarsteller. Keine Todesfalle Heimat und keine Depressionswüste, sondern präzise Blicke auf soziale Realitäten. Schonungslos, aber nicht ausweglos: bei Spielmann lebt das Prinzip Hoffnung – trotzalledem.

Kurzum: Unbedingt ansehen – und unbedingt im KINO ansehen! Die Option Kino, die sich jetzt noch bietet, wahrnehmen, und nicht auf Fernsehen oder DVD warten.

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TV Tatorte

Freitag, 13. Februar 2009 23:30

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Als TV-Krimifan bin ich klarerweise ein Tatort-Junkie: Falls ich an einem Tatort-Sonntag nicht zu Hause sein sollte, wird der Videorecorder programmiert, und auch mit den alten Folgen, die in den „Dritten“ (SWR, NDR, WDR …) Programmen in schöner Regelmäßigkeit wiederholt werden, wird so verfahren. Also im Durchschnitt komme ich auf zwei Tatort-Folgen pro Woche.

Der Tatort ist die mit Abstand am längsten laufende Fernsehserie im deutschsprachigen Raum – und nach wie vor auch die beliebteste: rund sieben Millionen sind bei der Erstausstrahlung dieser Qualitätsproduktion des öffentlich-rechtlichen Fernsehens dabei. Die erste Tatort-Folge wurde 1970 gesendet und am kommenden Sonntag wird die 722. Folge ausgestrahlt – wie immer um 20.15 Uhr im Ersten (ARD) und zeitgleich auf ORF 2. Alle wichtigen Infos zu den Tatort-Krimis gibt’s hier und hier.

Natürlich habe ich auch meine besonderen Lieblinge: Von den „alten“ Folgen sind das die Duisburger mit Schimanski (Götz George) und Thanner (Eberhard Feik) und die Hamburger mit Stoever (Manfred Krug) und Brockmöller (Charles Breuer). Mit Letzteren wurde auch eine Tatort-Folge produziert, die mir besonders in Erinnerung geblieben ist. Es war die Folge 414, wie ich der Website „Tatort Fans – die inoffiziellen Homepage“ entnommen habe (dort ist so ziemlich alles über alle Tatort-Folgen zu finden), in der ein „Häuslbauer“ (Ulrich Mühe) einem Immobilienbetrüger auf den Leim gegangen ist und samt Frau (Susanne Lothar) und Kindern am Traum vom eigenen Haus kaputt geht. Unvergessen dieser Hamburger Tatort, unvergessen wie der Ausnahmekönner Ulrich Mühe.

Von den jetzigen Ermittler-Teams stehe ich vor allem auf die Kieler Borowski (Axel Milberg) und Jung (Maren Eggert), die Ludwigshafener Odenthal (Ulrike Folkerts) und Kopper (Andreas Hoppe), die Kölner Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) und die neuen Dresdner Saalfeld (Simone Thomalla) und Keppler (Martin Wuttke!!!).

Nun ist das Besondere an den Tatorts nicht das Aufgreifen „gesellschaftlich relevanter Themen“ per se – relevante Themen greifen die Fernsehmacher mittlerweile alle auf, auch die Privaten in ihren Talkshows. Das Besondere an den Tatorts ist das WIE dieser Thematisierung, nämlich im besten Sinn aufklärerisch, offene Diskussion und Reflexion über gesellschaftliche Problemstellungen, verpackt in eine Kriminalgeschichte!

Ein gelungenes Beispiel dafür lieferte die Folge vom letzten Sonntag zu den Themen Zwangsheirat und Ehrenmorde. Das Drehbuch stammte von Seyran Ate? und Thea Dorn (Hier ein Interview dazu mit den beiden Autorinnen). Der Film behandelt den Konflikt zwischen der westlich-urbanen und der muslimisch-traditionellen Welt, und zwar innerhalb einer deutschen Unternehmerfamilie mit türkisch-muslimischen Background, also innerhalb einer Familie, die es im „bürgerlichen“ Sinne geschafft hat und vermeintlich „integriert“ ist.

Die Tatort-Folge zeigte, wie man diese bisanten Themen, die zumeist nur mit rassistischen Konnotationen oder im Toleranz-Wischiwaschi diskutiert werden, ernsthaft erörtern kann: Emanzipatorisch und laizistisch!

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Polt kommt!

Samstag, 31. Januar 2009 13:18

Das unpackbare „Longline“ zur Einstimmung auf den Besuch des Autors, Kabarettisten und Filmemachers Gerhard Polt in Wien (heute und morgen im Burgtheater, und montags in der Ottakringer Brauerei).
Und hier noch ein Interview, das Denis Scheck anlässlich des Erscheinens des Buchs „Drecksbagage“ mit dem großen Polt geführt hat.

Wenn schon resignieren, dann vital: Man geht ins Wirtshaus, trinkt a guats Bier und isst a guats Schnitzel.

Thema: Allgemein, Film, Literatur, Politik | Kommentare (0) | Autor:

Todesstrafe in den USA

Dienstag, 13. Januar 2009 1:02

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Wenn ein schreckliches Verbrechen begangen wurde, wollten wir, dass die Polizei den Kerl erwischt, ihn einsperrt, und – wen das Verbrechen schwer war – auf den elektrischen Stuhl schickt. Das hielten wir für besser. Dann waren wir zufrieden.„(George Ryan, Gouverneur des Bundesstaates Illinois von 1999 bis 2003)

Mit diesen Worten beschreibt der Republikaner George Ryan die Denkungsart der Mehrheit der Leute aus seinem Heimatort Kankakee, rund 80 km südwestlich von Chicago gelegen, eine Denkungsart, die auch die seine war, beinahe ein Leben lang. Doch kurz vor Ablauf seiner Amtszeit muss er darüber entscheiden, ob die Todesurteile gegen 171 Häftlinge, die in den Todeszellen der Gefängnisse von Illinois seit vielen Jahren auf ihre Hinrichtung warten, aufgehoben und in „lebenslänglich“ umgewandelt werden sollen.

Der jahrzehntelange Befürworter der Todesstrafe wird zum entschiedenen Gegner des staatlich sanktionierten Mordes. Die Nachforschungen junger Journalismusstudenten, die einzelne Fälle untersucht haben, konnten ihn davon überzeugen, dass viele Todesurteile auf Grund von Folter, Beweisfälschung und Ergebnisdruck der Ermittlungsbehörden zustande gekommen waren.

Der Dokumentarfilm „Deadline“ von Kathy Chevigny und Kirsten Johnson, im Jahre 2004 beim Sundance Film Festival für den Grossen Preis nominiert, nimmt diesen Fall zum Anlass, um das US-amerikanische Justizsystem (siehe auch hier) radikal in Frage zu stellen. Die zentrale Message des Filmes manifestiert sich im folgenden Statement des Juristen und Gründers der „Equal Justice Initiative of Alabama„, Bryan Stevenson:

Den Anstand einer Gesellschaft bewertet man nicht anhand der Art wie sie ihre Reichen behandelt oder ihre allseits Beliebten. Man bekommt keine Punkte, wenn man diese Menschen fair oder verantwortungsvoll behandelt. Man bewertet auch nicht die Verbindlichkeit des Gesetzes anhand seiner Anwendung gegenüber jenen, die man sowieso immer unterstützt. Man bewertet nicht die Integrität einer Gesellschaft anhand der Art wie sie mit ihren Mächtigen umgeht. Die Integrität einer Gesellschaft, ihren Anstand und wie sie zum Gesetz steht, bewertet man anhand der Art wie sie die Leute behandelt, die sie hasst.

Seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA im Jahre 1976 sind bisher 1136 Menschen hingerichtet worden (allein in Texas 423 und in Virginia 103), und über 3300 Menschen warten in den so genannten Todeszellen auf ihre Hinrichtung oder Begnadigung.

Die Doku ist hier auf ARTE+7 noch einige Tage zu sehen, und wird überdies am 18. Jänner um 01.50 auf ARTE nochmals ausgestrahlt.

Und hier noch ein Videovortrag von Stevenson zur Rassen- und Klassenjustiz in den USA.

Thema: Allgemein, Film, Geschichte, Politik | Kommentare (0) | Autor:

Hohe Warte

Donnerstag, 4. Dezember 2008 21:46

Ein Gustostückerl aus Willkommen Österreich von letzter Woche: Hermes zu Besuch in der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodyamik („Hohe Warte„), und der „einschlägige Anruf“ mit dem abschließenden „ich bitte das, an die Hohe Warte weiterzugeben„.

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Eine neue „Hepburn“?

Dienstag, 11. November 2008 22:11

Im Jahre 2001 wollte die Deutsche Post AG eine Briefmarke mit dem Bildnis der Hollywood-Legende Audrey Hepburn herausgeben. Die Sondermarke war gedruckt, doch kurz vor Ausgabe der Marke verweigerte Hepburns Sohn seine Zustimmung: Das Motiv der Marke, ein Bildnis der Schauspiel-Ikone mit Zigarettenspitze aus „Breakfast at Tiffany’s, befand der Sohnemann für nicht geeignet. Die Veröffentlichung musste gestoppt und die Auflage vernichtet werden. Freilich, welch große Überraschung, nicht die gesamte Auflage: In den Folgejahren sind vier Exemplare aufgetaucht. Damit ist die „Hepburn„-Marke noch seltener als die Blaue Mauritius, und sie gilt als die wertvollste Briefmarke der modernen Philatelie. Auf der „Wiener Internationalen Postwertzeichen Ausstellung“ (WIPA 2008) konnte vor Kurzem eine „Hepburn„-Marke besichtigt werden, die bei einer Briefmarkenauktion den stolzen Preis von 135.000 Euro erzielt hatte.

Möglicherweise ist auf der WIPA auch eine österreichische Variante der „Hepburn„-Marke entstanden. Schuld trägt auch in diesem Fall eine Postverwaltung, und zwar die Österreichische Post. Auch wenn das Unternehmen auf Grund des kolportierten Strategiepapiers, in dem die Schließung von einigen hundert Postämtern und sonstige Unsinnigkeiten angedacht werden, zur Zeit ausschließlich für Negativschlagzeilen sorgt, sollte nicht vergessen werden, dass die Österreichische Post in den letzten Jahren vor allem in der Unternehmenssparte „Briefmarken und Philatelie“ für Furore sorgt, und zwar weltweit mit einzigartigen Produktinnovationen, etwa kleinen Kristallen auf Sondermarken, und mit der Idee, personalisierte Briefmarken zu produzieren („Meine Marke„), konnte sie ein höchst profitables neues Geschäftsmodell etablieren.

Auf der WIPA hat die Post wieder eine Weltneuheit präsentiert: In Zusammenarbeit mit der Österreichischen Staatsdruckerei und der Firma Xerox wurde die selbstklebende personalisierte Marke vorgestellt. Ausstellungsbesucher konnten Marken zum Nennwert von 55 oder 65 Cent vor Ort produziert lassen und sofort mitnehmen – in einer Auflage von maximal 100 Stück, zu 20 Stück je Bogen. Da es sich um einen Pilotversuch handelte, der bis zum 10. Oktober befristet war, dürften nicht allzu viele von diesen selbstklebenden Marken produziert worden sein. Wie viele Briefmarkensammler sich mit ihrem Konterfei auf einer dieser selbstklebenden Marken verewigt sehen wollten, weiß wohl nur die Post selbst und dies dürfte, Weltneuheit hin oder her, wohl auch nur für ein paar Spezialsammler von Belang sein.

Bis auf eine Ausnahme: Die selbstklebende Marke, die ein auf der WIPA gemachtes Foto des legendären Hollywood-Stars hier), hat sich auch eine selbstklebende Marke in der Auflage von 100 Stück anfertigen lassen. Da wir doch annehmen dürfen, dass nicht im Nachhinein weitere „Schell-Marken“ fabriziert worden sind, werden von dieser wohl nur ganz wenige Stück in den Umlauf gelangen, hat doch Maximilian Schell die gesamte Auflage mitgenommen. Wie auch immer, ein Exemplar hat er einem guten Freund von mir geschenkt, der mir erlaubt hat, dieses kostbare Stück gewissermaßen weltexklusiv hier der Öffentlichkeit vorzustellen. Sollte hier eine neue „Hepburn“ zu sehen sein?

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Piazza Lenin

Sonntag, 2. November 2008 18:00

Die Emilia Romagna, eine Region in Norditalien mit den Zentren Bologna, Modena, Parma und Ravenna, gilt als Hochburg der Linken in Italien. Die Partito Comunista Italiano (PCI) hat hier nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang in vielen Kommunen mit absoluter Mehrheit regiert. Dass Bernardo Bertoluccis großes Epos Novecento (1900) in dieser Region gedreht wurde, verwundert daher nicht.

In der Stadt Reggio Emilia, inmitten der Emilia Romagna, fand im Jahre 1960 eine große Kundgebung statt, die sich gegen eine drohende Regierungsbeteiligung der neofaschistischen Movimento Sociale Italiano wand. Die Demonstation endete blutig. Mehrere ehemalige Widerstandskämpfer kamen bei den Zusammenstößen mit den Faschisten ums Leben.

Söhne ehemaliger Widerstandskämpfer (Resistenza) waren es auch, die im Jahre 1969 aus Enttäuschung über die Politik der PCI beschlossen, in den Untergrund zu gehen. Die Geburtsstunde der Brigate Rosso, der Roten Brigaden, die vor allem in der Emilia Romagna von breiten Teilen der Bevölkerung zunächst durchaus mit Sympathien bedacht wurden. Die zahllosen Morde, die die Brigate Rosso in den folgenden Jahren an politischen Gegnern, an Richtern und Staatsanwälten, an deren Leibwächtern und Chauffeuren, verübt haben und vor allem die Entführung und Ermordung von Aldo Moro, Parteichef der Democrazia Cristiana, der sich für die Zusammenarbeit mit der PCI einsetzte und um Aussöhnung zwischen den verfeindeten Lagern der Linken und der Rechten bemüht war („Historischer Kompromiss), haben den Weg in den politischen Untergrund als mörderischen Irrsinn entlarvt.

Der italienische Regisseur Gianfranco Pannone lässt in seinem Dokumentarfilm Il sol dell’avvenire die Geschichte der Brigate Rosso von einigen ihrer ehemaligen Mitglieder erzählen. Vierzig Jahre danach treffen sich die zu langjährigen Haftstrafen Verurteilten in eben jenem Gasthaus nahe Reggio Emilia, in dem sie den Entschluss, in den Untergrund zu gehen, gefasst haben, und erläutern ihre Version der Ereignisse.

Der Film, der im heurigen Jahr auf dem Filmfestival von Locarno erstmals der Öffentlichkeit vorgeführt wurde, hat im Italien Berlusconis zu heftigen Debatten geführt, und der italienische Kulturminister Sandro Bondi wollte ihn am liebsten sogleich vernichtet sehen. Bei der Vorführung des Films im Rahmen der Viennale wies der Regisseur darauf hin, dass die Biographie Bondis selbst für die „skurrile Einzigartigkeit“ Italiens stehe: Bondi, der als stalinistischer Kommunist seine berufliche Laufbahn begonnen hat, sei zu einem glühenden Berluscones, wie die Italiener die Bewunderer Silvio Berlusconis nennen, mutiert.

Der Film zeigt übrigens auch eines der ganz wenigen Denkmäler Lenins, das außerhalb der Sowjetunion bzw. der von ihr kontrollierten Staaten, errichtet wurde. Es steht in Cavriago, einem kleinen Ort unweit von Reggio Emilia, wo es den Hauptplatz des Ortes, die Piazza Lenin, ziert.

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Strange Fruit

Sonntag, 26. Oktober 2008 13:19

Auf Arte lief eine hervorragende Doku über Black Music, „Schwarz und Stolz – Die Geschichte der schwarzen Musik“ des französischen Regisseurs Marc-Aurele Vecchione. Darin wird die Geschichte der afroamerikanischen Musik von den Worksongs bis zum HipHop mit den gesellschaftlichen Entwicklungen seit dem 17. Jahrhundert in USA kurzgeschlossen. Große Empfehlung für diese Dokumentation, die gespickt ist mit hochinteressanten Zeitdokumenten und raren Konzertmitschnitten.

Billie HolidayStrange Fruit

Southern trees bear strange fruit,
Blood on the leaves and blood at the root,
Black bodies swinging in the southern breeze,
Strange fruit hanging from the poplar trees.

Die Doku wird am 2. November um 09.45 Uhr und am 13. November um 03.00 Uhr wiederholt! Möglicherweise gibt es sie aber auch auf ARTE 7+ zu sehen, wo ausgewählte Sendungen sieben Tage lang im Netz hängen (länger ist leider gesetzlich nicht erlaubt). Also hin und wieder auf http://www.arte.de vorbei schauen. Es lohnt sich in jedem Fall!

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