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Kriegsbilder

Mittwoch, 5. August 2009 18:17

broomberg_chanarin

© Broomberg/Chanarin

Als die beiden Kriegsfotografen dem Redakteur der Zeitung, in dessen Auftrag sie in das irakische Kriegsgebiet gefahren waren, das mitgebrachte Bildmaterial vorlegten, war dieser über das, was er da zu sehen bekam, nicht erfreut. Keine Kampfszenen, keine Explosionen, keine Toten. Sondern abfotografierte Wandzeichnungen, die von kurdischen Gefangenen stammten, die im Hauptquartier von Saddam Husseins Bath-Partei gefoltert und gemordet wurden.

Die beiden Kriegsfotografen Adam Broomberg und Oliver Chanarin zeigen ganz andere Bilder von den Kriegsschauplätzen dieser Welt. Im Jahre 2008 waren sie als “embeddeds” mit britischen Truppen in Afghanistan unterwegs. In einem kurzen Bericht, den ich in der 3sat-Kulturzeit gesehen habe, erzählen sie davon, wie sie diese Strategie der Vereinnahmung der Journalisten, die mittlerweile von allen Kriegsparteien forciert wird, unterlaufen. So haben sie in Afghanistan jeden Tag ein Stück Fotopapier 20 Sekunden lang der Sonne ausgesetzt. Nur die Titel der so entstandenen Bilder verweisen auf Kriegsereignisse (”The day nobody died“).

Auf ihrer Website finden sich weitere Beispiele für diese Haltung.

Thema: Fotografie, Geschichte, Politik | Kommentare (0) | Autor: admin

Thurnher und das Web

Donnerstag, 18. Dezember 2008 20:24

Vor einigen Jahren fand im Museumsquartier eine Podiumsdiskussion statt. Irgendwie ging’s um neue Medien und Internet, ich kann mich nicht mehr so genau ans Thema erinnern. In Erinnerung blieb mir allerdings der verbale Schlagabtausch zwischen Franz Manola, damals für ORF.at verantwortlich, und Armin Thurnher, damals wie heute Chefredakteur beim Falter. Manola pries die Blogosphäre, sprach von der Macht einzelner Blogger in den USA, und vertrat die Ansicht, Karl Kraus wäre, wenn es ihn denn heutzutage noch gäbe, mit seiner “Fackel” im Netz.

Thurnher hielt dagegen, Karl Kraus sei der exemplarische Antipode zu den Bloggern. Er sei doch ein Genauigkeitsfanatiker gewesen, der seine Nächte in der Druckerei verbracht und den Setzer zur Verzweiflung gebracht habe, weil ihm ein falsch gesetzter Beistrich genauso so getroffen habe, wie der Verlust eines ganzen Buchmanuskripts. Für Kraus sei eben die Form die Sache gewesen, ein wesentlicher Aspekt, der sich in der Idee des Qualitätsjournalismus widerspiegle. Den Webloggern sei diese Idee allerdings völlig fremd.

Im Lichte dessen ist Armin Thurnhers jüngster Kommentar im Falter mit dem Titel “Warum ich mich weigere, das Internet als Medium wirklich ernst zu nehmen“ nur folgerichtig. (Folgerichtig steht der Kommentar auch nicht im Web.)

Einer der wichtigsten Printjournalisten des Landes hat ein trotziges Anti-Internet-Manifest geschrieben, eine kulturpessimistische Klage gegen das Netz der Netze, das er vor allem als “Kombination von egomanischen Ich-AGs der Blogosphäre mit hemmungslosen Diensteleistern (von Pornoindustrie bis Glückspiel) und Massen von habituellen Selbstvermummern” zu beschreiben versucht. Nicht nur das Urheberrecht gehe vor die Hunde, sondern auch die vom Bürgertum erkämpfte Freiheit, sich “als Personen offen mit ihrer Identität zu ihren Grundsätzen und Äußerungen (zu) bekennen“, weil “Myriaden von Postern (…) die sich nicht aus der Deckung zu wagen brauchen und hinter Pseudonymen verstecken können“.

Als Beleg für die feigen Poster führt er an, dass alle Internet-Foren heimischer Massenmedien nach Haiders Tod geschlossen werden mussten, weil die anonymen Poster “nicht an sich halten konnten“.

Während ich das schreibe, denke ich, schau’ doch kurz auf Blumenaus FM4-Blog vorbei, der hat sicher schon was dazu geschrieben … Hat er (hier), und für ihn klingt Thurnhers Text “wie die Resolution der Protestversammlung der Kutscher gegen die nahende Dampfeisenbahn“.

Sein Fazit:

Thurnher nennt die Blogs “egomanische Ich-AGs”, ich nenne sie klassisches Geschichtenerzählen, das jedermann zugängliche Äquivalent zum Autoren-Kino. Diese Themenstellung benötigt nichts außer einer plastischen Beschreibung von Erlebtem und der offenen Zurschaustellung von Gedanken.

That’s it, und ob Karl Kraus Blogger gewesen wäre, weiß ich nicht, großes Autorenkino war er aber in jedem Fall. Und übrigens: Die “Fackel” hängt als digitale Version im Netz. Hier registrieren, und los geht’s.

Thema: Allgemein, Literatur, Politik | Kommentare (4) | Autor: admin

The Yes Men

Samstag, 15. November 2008 0:07

This guy’s just a garbage man. There ought to be limits to freedom. Of course I don’t appreciate it — and you wouldn’t either.
(George Walker Bush)

Not amused war der Herr Präsident, als er die Bekanntschaft mit “The Yes Men” machte. Wobei, Bekanntschaft, wäre zu viel gesagt: Bush kannte die Kerle ja nicht, die für seine gefakte Website (http://www.gwbush.com) verantwortlich waren, auf der er während seines ersten Wahlkampfes im Jahre 2000 allerlei Bosheiten über sich selbst zu lesen bekam.

Schade, dass es diese Seite nicht mehr gibt; aber auch die jüngste Intervention von “The Yes Men” kann sich sehen lassen: Letzten Mittwoch ließen sie eine täuschend ähnliche Sonderausgabe der New York Times in einer Auflage von 1,2 Millionen Exemplare in New York, Los Angeles, San Francisco, Chicago, Philadelphia und Washington von tausenden Helfern kostenlos verteilen. Die Ausgabe, datiert mit 4. Juli 2009, “Iraq War ends” als Headline, nahm Barack Obamas Wahlkampfankündigungen ernst und imaginierte eine Welt ohne Guantánamo und mit Krankenversicherung für alle Amerikaner. Die mediale Intervention, die auch als Website existiert, ging rund um den Globus.

The Yes Men” sind gewissermaßen digitale Situationisten, die den Herren der digitalen Ökonomie so manchen Streich spielen. Bekannt geworden sind sie im Jahre 1999, als sie die Website der Welthandelsorganisation (World Trade Organisation - WTO) nachbauten und darauf u.a. die Wiedeinführung der Sklaverei anregten - als wirksamste Strategie zur Bekämpfung der Armut in Afrika. Einige Jahre später im Jahre 2004, am 20. Jahrestag der Giftkatastrophe im indischen Bhopal, gab ein Mitglied des Kollektivs ein Interview für BBC World. Als Sprecher von Dow-Chemical kündigte er an, dass sein Unternehmen die Familien der Opfer der Chemiekatastrophe mit mehr als 12 Milliarden Dollar entschädigen werde. Die Aktionäre von Dow-Chemical schmissen die Nerven weg, der Kurs sackte kurzfristig dramatisch ab.

Im Web und auf Youtube sind weiter Aktionen der “Yes”-Männer dokumentiert.

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Good News

Dienstag, 8. Juli 2008 18:38

Das Europäische Parlament respektive eine Mehrheit von Parlamentariern der beiden Ausschüsse, die für die Behandlung des Telekom-Richtlinienpakets (Anpassung von insgesamt fünf Richtlinien, mit denen der Markt für elektronische Kommunikationen innerhalb der Europäischen Union neu geregelt werden soll) zuständig sind, haben dem Vorhaben, Internet-Sperren nach französischem Modell in der Europäischen Union einzuführen, eine – zumindest vorläufige - Absage erteilt! Vorläufig deshalb, weil die Abstimmung zum Telekom-Richtlinienpaket im Plenum des Europäischen Parlaments erst im September stattfinden wird. Dennoch: Ein wichtiger Etappensieg!

Was war geplant? In einer konzertierten Aktion wollten internationale Medienkonzerne und ihnen nahestehende Abgeordnete eine EU-weite Filterung des Internets erwirken. Über etliche Textabänderungen zum Vorschlag der Europäischen Kommission zum Telekom-Richtlinienpaket sollten die Internet Provider dazu verpflichtet werden, den gesamten Internet Traffic permanent zu kontrollieren und den Zugang von Usern, die Urheberrechtsverstöße begehen, zu kappen, um nicht von der Medienindustrie systematisch geklagt zu werden (vgl. dazu auch das Interview mit der Politikwissenschaftlerin Monica Horten auf der ORF-Futurezone und ihre Einwände gegen diese Vorhaben, sowie die Websites der französischen Netzaktivisten La Quadrature du Net und die Blogger von Netzpolitik, deren Website ich in meine Linkliste aufgenommen habe).

Erich Möchel von der ORF-Futurezone hat die Tragweite der geplanten Vorhaben auf den Punkt gebracht:

“Dabei geht es nicht einfach um Filesharer, die nicht lizenzierte Mediendateien tauschen. Der gesamte Datenverkehr im Netz soll systematisch und vollautomatisch überwacht werden. Das hat auch unmittelbare Auswirkungen auf die Datenübermittlung von Firmen, auf den E-Commerce und E-Government. Einem total überwachten Netz ist nicht mehr zu trauen.”

Übrigens: Auch alle österreichischen EU-Abgeordneten von SPÖ, ÖVP und Grünen, haben sich gegen diese Vorhaben ausgesprochen.

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Artikel 19

Freitag, 29. Februar 2008 19:49

Im Dezember 1997 hat die OSZE, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (vormals KSZE), den so genannten Beauftragten für die Freiheit der Medien mit Sitz in Wien eingerichtet. Seither fungiert der Medienbeauftragte (15 Mitarbeiter) als Watchdog der Medienfreiheit, indem er Verstöße der Mitgliedstaaten der OSZE gegen die Intention von Artikel 19 der “Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte” der Vereinten Nationen (”Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“) publik macht und die Bösewichte beim Namen nennt.

Heute hatte ich die Gelegenheit, einer Konferenz beizuwohnen, die anlässlich des zehn jährigen Bestehens des Medienbeauftragten in der Wiener Hofburg stattfand. Der gegenwärtige Medienbeauftragte, der ungarische Journalist, Schriftsteller und Jurist Miklós Haraszti skizzierte in seinem Statement die elementaren Bedrohungen, denen Journalisten und Medienvertreter ausgesetzt sind: Neben der direkten, physischen und lebensbedrohenden Gewalt gegen Journalisten nehmen in vielen Staaten des ehemaligen Ostblocks Formen der Kriminalisierung von Medienleuten zu, also gesteuerte Kampagnen gegen Journalisten mit dem Ziel, deren Glaubwürdigkeit zu untergraben.

Zu diesen eindeutig gegen die Medienfreiheit gerichteten staatlichen Aktivitäten gilt es aber auch die unter dem Logo des Anti-Terror-Kampfes lancierten Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen (Datenspeicherung, Bundestrojaner etc.) zu bedenken – mit allen negativen Implikationen auf das Journalisten zustehende Recht auf die Vertraulichkeit der journalistischen Quellen. Haraszti führte aber auch etliche von den Medien selbst zu verantwortende Faktoren an, die den Geist von Artikel 19 tendenziell untergraben. Er sprach die (Selbst-)Kommerzialisierung der Medien an, womit er nicht nur die Zunahme von würdelosen Formaten in den elektronischen Medien meinte, sondern vor allem den wachsenden Trend, Beiträge zu bestellen und zu bezahlen. Journalisten würden derartige Produkte dem Leser/Seher nicht als Werbung kenntlich machen, sondern als seriöse Information verkaufen.

Konstanty Gebert, Auslandskorrespondent der größten, überregionalen polnischen Tageszeitung, der links-liberalen Gazeta Wyborcza, hat diesen Bezahljournalismus am Beispiel Russland illustriert. Für Gebert (1953 in Warschau geboren, 1968 im Zuge der antisemitischen Säuberungen in Polen aus dem Gymnasium geworfen, Solidarnosc-Aktivist der ersten Stunde, Chefredakteur der jüdischen Monatsschrift MIDRASZ) ist mit der Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja auch die Presse- und Meinungsfreiheit in Russland liquidiert worden. Politkowskaja sei die letzte Journalistin von Rang gewesen in einem ansonsten völlig korrupten Mediensystem. In Russland sei es Usus, so Gebert, dass Journalisten gegen Bezahlung Beiträge verfassen, in denen sie politische Gegner oder wirtschaftliche Konkurrenten anschwärzen. Diese Praxis, die allgemein bekannt sei, habe das Grundvertrauen von Journalist und Leser zerstört:

Wenn Journalisten schreiben, weil sie sich der ‚Wahrheit verpflichtet haben’, und von staatlichen oder ökonomischen Machthabern in ihrer Arbeit behindert werden, dann gehen die Leser auf die Straße, weil sie sich in ihrem Informationsrecht eingeschränkt sehen. Wenn Journalisten aber im Auftrag und im Interesse derer schreiben, die sie bezahlen, dann wird niemand auf die Straße gehen, wenn diese Journalisten in ihrer Arbeit behindert werden, weil der Leser bereits vorher jedwedes Interesse an dieser Art von Journalismus verloren hat.

Deshalb rege sich im Russland des Wladimir Putin auch so wenig Widerstand, wenn der Staatsapparat gegen wahrheitssuchende Journalisten vorgehe. Gebert betonte, dass es diese Form von Korruption in der ganzen Welt gebe. Der Unterschied bestehe seiner Meinung aber darin, dass korrupte Journalisten in demokratischen Staaten zur Verantwortung gezogen werden würden, während sie in Russland das Mediensystem konstituieren.

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