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Elvis, der Fußball und Flann O’Brien

Dienstag, 28. Juli 2009 18:07

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Peter Osgood war in den 1960-er und frühen 1970-er Jahren Stürmer des FC Chelsea, der von den Fans zum King of Stamford Bridge geadelt wurde. In 279 Spielen für den FC Chelsea schoss er 103 Tore. Am 1. März 2006 ist Osgood gestorben.

Und jetzt kommt’s: Am 1. Oktober 2006 wurde die Urne mit seiner Asche in einer feierlichen Zeremonie am Elfmeterpunkt vor der Shed End (jene Tribüne, wo sich früher die Hardcore Fans des Vereins versammelten) beigesetzt. “So, his spirit is always with us“, wie unser Guide, der den Nickname ELVIS trug und uns durch das Stadium führte, anmerkte.

Dieser wunderbare ELVIS könnte Flann O’Briens Der dritte Polizist entsprungen sein. In diesem phantastischen Roman wird die Atom-Austausch-Theorie, die angeblich auf einen Philosophen namens De Selby zurückgeht, absolut schlüssig erläutert auf Grund der tiefen und symbiotischen Beziehungen, die sich zwischen den im irischen Dorf lebenden Leuten und ihren Fahrrädern über die Jahre entwickelt haben:

Das Brutto- und Nettoresultat davon ist, dass die Persönlichkeit von Menschen, die die meiste Zeit ihres natürlichen Lebens damit verbringen, die steinigen Feldwege dieser Gemeinde mit eisernen Fahrrädern zu befahren, sich mit der Persönlichkeit ihrer Fahrräder vermischt - ein Resultat des wechselseitigen Austauschs von Atomen-, und sie würden sich über die hohe Anzahl von Leuten in dieser Gegend wundern, die halb Mensch und halb Fahrrad sind.

ELVIS ist einer jener beneidenswerten Menschen, dessen Beruf von seiner Leidenschaft gewählt wurde. Er ist nicht bloß ein wandelndes Lexikon, das ganz nebenbei alle Statistiken und sonstigen fußballerischen Wichtigkeiten (die diversen Trainer, Spieler, Spielerwechsel usw.) verinnerlicht und jederzeit abrufbar parat hat, die sich nicht fußball-affinen Menschen sowieso nie erschließen werden. Nein: Dieser ELVIS lebt den Fußball und der Fußball lebt ELVIS. Er hat einen 100% Fußballanteil, wodurch er so ganz nebenbei die Gültigkeit der Atom-Austausch-Theorie belegt und all jene Zweifler, die diese als Folge der Hingabe seines Schöpfers für irischen Whisky zu “erklären” trachten, eines Besseren belehrt.

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Digitaler Fußball

Freitag, 20. Juni 2008 16:25

Klaus Theweleit, fußballinfiziert seit Kindertagen, hat in seinem Buch “Tor zur Welt – Fußball als Realitätsmodell“, das im Jahre 2004 erschienen ist, den Versuch unternommen, die Veränderungen bzw. Auswirkungen der digitalen Medien auf das System Fußball zu beschreiben. Die “digitalen” Fußballer, die in ihrer Freizeit Fußball mit der Playstation oder dem GameCube spielen, agieren unglaublich schnell - kein Vergleich zu den Stehpartien der 70-er und 80-er Jahre, wie man sich vor EURO-Beginn wieder einmal überzeugen konnte, als die ARD alte Spiele im Nachtprogramm wiederholt hat -, eine Ballberührung und ab geht die Wuchtel zum nächsten Spieler (Kurzpassspiel), und, auch das ein grundlegender Unterschied zu anno dazumal, die Teams reagieren wesentlich rascher auf Veränderungen während eines Spiels. Keine starre, von Anpfiff bis Abpfiff durchgezogene Taktik, sondern flexible, auf die jeweiligen Spielerfordernisse angepasste Modelle prägen das Spiel im 21. Jahrhundert.

Das hängt damit zusammen, dass die Spieler wesentlich teamorientierter agieren, als dies früher der Fall war: Digitale Spieler sind im Prinzip auf jeder Position, vorne oder hinten, einsetzbar. Mittlerweile ist es bei Spitzenteams völlig normal geworden, dass Stürmer als Verteidiger agieren und umgekehrt. Hans Krankl oder Anton Polster hätten niemals den eigenen Strafraum betreten, Frank Ribery oder Wesley Sneijder hingegen sind überall zu finden. Klassisch agierende Mannschaften, also Teams, die auf Ball halten und Spiel beruhigen setzen, haben gegen eine solche, immer offensiv ausgerichtete Lesart des Spiels keine Chance mehr. Die Bilanz nach der Vorrunde der EURO 2008 belegt das eindeutig: Betonierer und Zerstörer Marke Griechenland sind ebenso draußen wie jene Teams, die mit zu wenig Risiko in die Spiele gegangen sind.

“Verschiedene Spielsysteme werden zunehmend kombiniert. Denkende Spieler erkennen das jeweils Nötige und schalten entsprechend um. Holländische, spanische, französische, englische, deutsche, italienische, brasilianische ,Tugenden’ liegen in Spielern aller Länder vor. Sie verfügen über ein Arsenal von Spielweisen – abgespeichert in ihrer Bewegungsstruktur. So wie alle Zeiten gleichzeitig im Computer vorliegen.”

Im Lichte dessen ist es daher völlig absurd, wenn nach wie vor, wie von den meisten ORF-Kommentatoren hirnlos vorgequatscht und von der Mehrheit der österreichischen Fußballzuseher hirnlos nachgequatscht, der deutschen Mannschaft nachgesagt wird, sie käme nur mit Glück und auf Grund der “deutschen” Tugenden (Kraft und Kampf) bei der EURO weiter. Sicherlich haben die Spieler die nötige Kraft und Ausdauer. Und, auch klar: Sie gehen mit Leidenschaft in Zweikämpfe. Bloß: Das machen auch die anderen großen Teams dieser Europameisterschaft, die Holländer, die Türken, die Italiener, die Portugiesen usw. Aber, seit Jürgen Klinsmann und jetzt unter dem großartigen Joachim Löw, spielen sie auch den wunderbaren Kombinationsfußball, den frühere deutsche Mannschaften nicht einmal in Ansätzen spielen konnten.

Also: Schluss mit dem Deutschen-Bashing im Fußball, lieber mitfeiern, wenn sie gut spielen.

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Zidane

Mittwoch, 18. Juni 2008 18:45

Ehe gestern die Équipe tricolore von den Italienern aus dem EURO 2008 Turnier verabschiedet wurde, konnte ich dem unvergleichlichen Zinédine Zidane bei der Arbeit zusehen. 17 Kameras filmten den Ballartisten am 23. Mai 2005 während des gesamten Primera División Spiels zwischen Real Madrid und dem FC Villareal. Zidane, wie er scheinbar teilnahmslos herumsteht. Wie er über den Rasen geht, schlurfend bisweilen. Wie er schwitzt und spuckt. Wie er den Ball mit Handzeichen einfordert, wie er ihn leichtfüßig annimmt, um ihn gleich wieder an einen besser postierten Mitspieler weiter zu leiten oder um ihn mitzunehmen auf einen, vom tosenden Beifall der Zuseher begleiteten Tanz in den gegnerischen Strafraum. Großes Kino!

Zidane - Ein Porträt im 21. Jahrhundert” von Douglas Gordon und Philippe Parreno (Soundtrack von Mogwai) ist auch auf DVD erhältlich.

Und hier, aus einem YouTube-Video, einige Tanzszenen zum Staunen:

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Vive la France

Montag, 16. Juni 2008 18:12

Was mich an den bisherigen EURO 2008 Spielen so freut, ist die Tatsache, dass durchwegs jene Teams gewonnen haben, die offensiven Kombinationsfußball spielen und nicht die Jammerlappen, die sich hinten hineinstellen und auf Abwarten spielen. Ich behaupte einmal: Hätte Josef Hickersberger gegen die Kroaten nicht solch eine Angsthasenformation als Startelf auflaufen lassen – immerhin sechs defensiv ausgebildete Spieler –, die Kroaten müssten heute gegen die Polen um den Einzug ins Viertelfinale zittern.
Man kann nur hoffen, dass sich der österreichische Teamchef nach dem Polenspiel, wo er herrlich “Hollywood” (Ernst Happel) spielen ließ, neuerlich zu einer “Alles-oder-Nichts” Formation durchringen kann.

Die bisherigen Spiele zeigten jedenfalls eindringlich, dass Spiele deshalb verloren gingen, weil zu zaghaft und zu wenig risikobereit gespielt wurde. Jüngstes Beispiel: Die Begegnung zwischen den Tschechen und den Türken. Als der tschechische Coach Karel Brückner seinen Spielgestalter Jaroslav Plasil herausnahm und einen defensiven Verteidiger hineinholte, in der irrigen Hoffnung, den Vorsprung (2:0) über die Runden zu bringen, bekamen die Türken sofort Oberwasser. Trotz der vielen Mehrfachverletzten am Platz, man denke etwa an den beinahe Ganzkörperbandagierten Servet, bekamen die Türken aber so was von Oberwasser, und der Halbtote Servet und der groß aufspielende Nihat trieben die Ihren unaufhörlich in die Tschechische Hälfte, wo sie das schier Unmögliche realisierten: Sie verwandelten ein 0:2 in ein 3:2 - und stehen verdientermaßen im Viertelfinale.

Klarerweise sind daher auch die griechischen Bunkerkönige draußen. Ihr totaler Anti-Kick war schon bei der EURO 2004 in Portugal nicht anzusehen, aber was damals sich irgendwie ausging, geht heute absolut nicht mehr. Und Bunkermeister Rehhagel will weiter machen. Einfach irre!

Die Niederländer haben bislang am Überzeugendsten gespielt, vor allem, weil sie, erstens, Wesley Sneijder haben und, zweitens, bislang aus fast jeder Chance ein Goal gemacht haben, auch gegen die Franzosen, die ihnen mindestens ebenbürtig, phasenweise, meiner Meinung nach, sogar überlegen waren. Aber die Oranjes schossen die Tore, prachtvolle noch dazu, und man konnte sich nur kurz im Glauben wiegen, die Franzosen könnten noch den Ausgleich erzielen, nämlich eine halbe Minute lang, dann zog Arjen Robben ab. Und damit sind wir beim dritten Vorteil gegenüber anderen Teams: Sie haben die beste Ersatzbank (Van Persie, Vennegoor of Hesselink, Robben etc.).

Nichtsdestotrotz freue ich mich auf ein Wiedersehen mit den Franzosen im Halbfinale. Denn ein zweites Mal schaffen’s die Oranjes nicht, so meine (Wunsch)Prognose.

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